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Umschulung Einzelhandelskaufmann – Ausbildung Quereinsteiger

Eine Umschulung zum Einzelhandelskaufmann bietet Quereinsteigern den Einstieg in eine zukunftsorientierte Branche mit stabilen Jobaussichten. Der moderne Einzelhandel verbindet klassischen Verkauf mit digitalen Verkaufskanälen und E-Commerce-Strategien. Diese Entwicklung macht den Beruf besonders attraktiv für Menschen, die eine berufliche Neuorientierung suchen.

Die Handelsbranche durchlebt aktuell einen Wandel. Omnichannel-Strategien, bei denen Online- und Offline-Verkauf verzahnt werden, prägen die moderne Kundenberatung. Quereinsteiger mit Berufserfahrung aus anderen Bereichen bringen oft wertvolle Kompetenzen mit, die im digitalen Handel gefragt sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • Umschulungsdauer beträgt etwa 2 Jahre (2/3 der regulären Ausbildungszeit)
  • Vollständige Kostenübernahme bei Bewilligung durch Arbeitsagentur oder Jobcenter
  • Schwerpunkt auf E-Commerce und digitalen Verkaufskanälen neben klassischem Handel
  • Einstiegsgehalt nach Abschluss zwischen 2.500 und 3.000 Euro brutto monatlich
  • Förderung nach § 81 SGB III bei Erfüllung der Voraussetzungen möglich
  • Betriebliche und schulische Durchführung verfügbar

Voraussetzungen für die Umschulung

Die gesetzlichen Grundlagen für eine Umschulung zum Einzelhandelskaufmann regelt § 81 SGB III. Es gibt zwei Hauptwege für die Förderung.

**Mit abgeschlossener Berufsausbildung:** Du hast einen anerkannten Berufsabschluss, übst diesen aber seit mehr als vier Jahren nicht aus oder der Beruf wird zukünftig nicht mehr benötigt. Die Arbeitsagentur muss feststellen, dass eine Umschulung deine Arbeitsmarktchancen deutlich verbessert.

**Ohne anerkannten Berufsabschluss:** Du warst mindestens drei Jahre beruflich tätig und bringst die Eignung für den Einzelhandel mit. Auch hier muss nachgewiesen werden, dass der neue Abschluss bessere Jobperspektiven eröffnet.

Tipp: Ein Praktikum im Einzelhandel vor der Bewerbung hilft dir, die Eignung zu testen und erhöht die Chancen auf eine Bewilligung.

Zusätzliche fachliche Voraussetzungen sind Deutsch auf B2-Niveau, Schichtbereitschaft und körperliche Belastbarkeit. Ein Führerschein der Klasse B ist vorteilhaft, aber nicht zwingend erforderlich. Quereinsteiger haben besonders gute Chancen in den Bereichen Verkauf, Lager oder Administration.

Ablauf und Durchführung der Umschulung

Die Umschulung zum Einzelhandelskaufmann erfolgt wahlweise betrieblich oder schulisch. Bei der betrieblichen Variante lernst du in einem Handelsunternehmen und besuchst parallel die Berufsschule. Die schulische Umschulung findet an Berufsfachschulen oder bei privaten Bildungsträgern statt.

Der Ablauf beginnt mit einer Eignungsprüfung. Die Arbeitsagentur prüft deine Motivation und fachlichen Voraussetzungen. Anschließend suchst du über das Portal „mein NOW“ der Bundesagentur für Arbeit nach passenden Umschulungsplätzen in deiner Region.

Die praktische Ausbildung umfasst Kundenberatung, Warenpräsentation, Kassensystem-Bedienung und Lagerwirtschaft. Moderne Schwerpunkte sind E-Commerce-Systeme, Online-Marketing und Customer-Relationship-Management. Du lernst, wie Kunden zwischen verschiedenen Verkaufskanälen wechseln und wie du sie optimal begleitest.

Achtung: Die Bewerbung für den Bildungsgutschein muss vor Beginn der Maßnahme erfolgen. Eine nachträgliche Förderung ist ausgeschlossen.

Die Umschulung endet mit der IHK-Abschlussprüfung. Diese umfasst schriftliche Tests zu Verkauf, Marketing und Warenwirtschaft sowie eine praktische Prüfung mit Kundenberatungsgespräch.

Dauer und Zeitmodelle

Eine Umschulung zum Einzelhandelskaufmann dauert etwa zwei Jahre und ist damit kürzer als die reguläre dreijährige Ausbildung. Die verkürzte Zeit entspricht dem gesetzlichen Rahmen von zwei Dritteln der ursprünglichen Ausbildungsdauer.

Vollzeit-Umschulungen finden montags bis freitags statt, meist von 8 bis 16 Uhr. Dabei wechseln sich Theoriephasen in der Berufsschule mit praktischen Phasen im Betrieb ab. Der Blockunterricht ist üblich, das heißt mehrere Wochen Schule gefolgt von mehreren Wochen Praxis.

Teilzeit-Modelle sind bei besonderen Umständen möglich, zum Beispiel bei Alleinerziehenden oder bei gesundheitlichen Einschränkungen. Diese dauern entsprechend länger, meist 30 bis 36 Monate.

Modulare Teilqualifizierungen als Alternative

Für Quereinsteiger mit Berufserfahrung gibt es auch modulare Teilqualifizierungen (TQ). Diese dauern nur wenige Monate und vermitteln spezielle Kompetenzen wie E-Commerce oder Warenwirtschaft, ohne den kompletten Abschluss zu erfordern.

Eine Anpassungsqualifizierung ist eine weitere Option. Sie richtet sich an Quereinsteiger, die bereits ähnliche Tätigkeiten ausgeübt haben und nur spezifische Kenntnisse für den Einzelhandel benötigen.

Förderung und Finanzierung

Die Arbeitsagentur oder das Jobcenter übernehmen bei Bewilligung die kompletten Kosten der Umschulung. Das umfasst Lehrgangsgebühren, Prüfungskosten und oft auch Fahrtkosten oder Unterbringung bei auswärtigen Maßnahmen.

Grundlage ist der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III. Dieser bescheinigt dir die Kostenübernahme und regelt die Leistungen während der Umschulung. Du erhältst weiterhin Bürgergeld oder Arbeitslosengeld, je nach deiner Situation.

Die Bewilligung hängt von mehreren Faktoren ab: persönliche Eignung, Arbeitsmarktchancen im Zielberuf und regionale Bedarfe. In der Bildungszielplanung 2026 haben Handelsberufe hohe Priorität, da Fachkräftemangel herrscht.

Kostenart Höhe Übernahme durch
Lehrgangsgebühren 10.000-15.000 Euro Arbeitsagentur/Jobcenter
Prüfungskosten 200-400 Euro Arbeitsagentur/Jobcenter
Lebensunterhalt Nach Regelsatz Bürgergeld/Arbeitslosengeld
Fahrtkosten Nach Entfernung Teilweise Erstattung

Ohne staatliche Förderung trägst du die Kosten selbst. Manche Arbeitgeber bieten betriebsinterne Qualifizierungen an, diese führen aber nicht zum IHK-Abschluss.

E-Commerce und digitale Verkaufskanäle

Der moderne Einzelhandel ist ohne digitale Kompetenzen nicht mehr denkbar. In der Umschulung lernst du deshalb nicht nur klassischen Verkauf, sondern auch Online-Marketing, Social-Media-Verkauf und Omnichannel-Strategien.

Omnichannel bedeutet, dass Kunden nahtlos zwischen verschiedenen Einkaufskanälen wechseln können. Sie informieren sich online, kaufen im Laden und lassen sich das Produkt nach Hause liefern. Als Einzelhandelskaufmann koordinierst du diese Prozesse.

Zu den digitalen Inhalten gehören Warenwirtschaftssysteme, Kassensoftware, CRM-Systeme (Customer Relationship Management) und E-Commerce-Plattformen. Du lernst, wie Online-Bestellungen abgewickelt werden und wie Click-and-Collect-Services funktionieren.

Quereinsteiger mit IT-Erfahrung sind im digitalen Handel besonders gefragt und haben oft bessere Aufstiegschancen als traditionelle Einzelhandelskaufleute.

Social Commerce wird immer wichtiger. Kunden kaufen direkt über Instagram, TikTok oder Facebook. Als Einzelhandelskaufmann mit E-Commerce-Schwerpunkt betreust du diese Kanäle und berätst Kunden auch über Messenger und Videochat.

Die Ausbildung vermittelt auch Grundlagen des Online-Marketings: Suchmaschinenoptimierung (SEO), Google Ads und Newsletter-Marketing. Diese Kompetenzen machen dich für Arbeitgeber besonders wertvoll.

Anbieter und regionale Verfügbarkeit

Umschulungsplätze zum Einzelhandelskaufmann findest du bei verschiedenen Anbietern. Betriebliche Umschulungen bieten große Handelsketten wie Edeka, Rewe, Kaufland oder Mediamarkt an. Auch kleinere Fachgeschäfte nehmen Umschüler auf.

Schulische Umschulungen führen Berufsfachschulen und private Bildungsträger durch. Bekannte Anbieter sind die Dekra Akademie, das IBB Institut für Berufliche Bildung oder die Akademie Überlingen. Die Qualität und Schwerpunkte variieren zwischen den Anbietern.

Die regionale Verfügbarkeit unterscheidet sich stark. In Ballungsräumen wie Berlin, Hamburg oder München gibt es viele Anbieter. In ländlichen Gebieten sind die Optionen begrenzter. Manche Teilnehmer müssen pendeln oder ziehen für die Umschulung um.

Tipp: Nutze das Portal „mein NOW“ der Bundesagentur für Arbeit, um alle geförderten Umschulungsangebote in deiner Region zu finden.

Besondere regionale Schwerpunkte gibt es in Berlin (Bio-Erzeugnisse und Fachverkauf), Kassel (kaufmännische Anpassungsqualifizierungen) und Lübeck (Quereinstiegsmessen). Die Bildungszielplanungen der Arbeitsagenturen zeigen, wo welche Schwerpunkte gefördert werden.

Aktuelle Quereinstiegsstellen sind ab 2026 besonders in Baden-Württemberg (Herbolzheim) und anderen wachstumsstarken Regionen verfügbar.

Gehaltsaussichten und Karrierewege

Nach erfolgreichem Abschluss der Umschulung liegt das Einstiegsgehalt zwischen 2.500 und 3.000 Euro brutto monatlich. Die genaue Höhe hängt vom Tarifvertrag, der Region und der Unternehmensgröße ab.

Im Handel gelten oft die Tarifverträge der Gewerkschaft Verdi. Nach dem Tarifvertrag Handel (TV H) wirst du meist in die Entgeltgruppen 4 bis 6 eingestuft. Mit Berufserfahrung steigt das Gehalt auf bis zu 3.500 Euro oder mehr.

Besonders gute Verdienstmöglichkeiten hast du im E-Commerce-Bereich, bei großen Elektronikmärkten oder im Fachhandel für hochwertige Waren. Hier sind auch Provisionen üblich, die das Grundgehalt erhöhen.

Position Gehaltsspanne (brutto) Voraussetzungen
Einzelhandelskaufmann 2.500-3.000 Euro IHK-Abschluss
Verkaufsleiter 3.200-4.000 Euro Führungserfahrung
E-Commerce Manager 3.500-4.500 Euro Digitale Kompetenzen
Filialleiter 4.000-5.500 Euro Mehrjährige Erfahrung

Die Karrierewege sind vielfältig. Du kannst Verkaufsleiter, Abteilungsleiter oder Filialleiter werden. Mit Zusatzqualifikationen in E-Commerce oder Marketing öffnen sich Positionen als Online-Shop-Manager oder Digital-Marketing-Spezialist.

Eine Umschulung bietet oft bessere Aufstiegschancen als ein direkter Quereinstieg, da du systematisch alle relevanten Kompetenzen erwirbst. E-Commerce-Kenntnisse werden dabei immer wichtiger und können dein Gehalt deutlich steigern.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich die Umschulung auch in Teilzeit machen?

Ja, Teilzeit-Umschulungen sind bei besonderen Umständen wie Kinderbetreuung oder gesundheitlichen Einschränkungen möglich. Die Dauer verlängert sich dann auf 30 bis 36 Monate. Die Arbeitsagentur entscheidet über die Bewilligung im Einzelfall.

Welche Zusatzqualifikationen kann ich während der Umschulung erwerben?

Viele Anbieter ermöglichen Zusatzzertifikate wie das ICDL-Zertifikat für Computerkompetenzen, TOEIC für Englischkenntnisse oder Scrum-Master-Zertifikate für agile Projektarbeit. Diese erhöhen deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich.

Wie lange dauert die Bearbeitung des Antrags bei der Arbeitsagentur?

Die Bearbeitung dauert in der Regel 2 bis 6 Wochen. Du solltest den Antrag mindestens 8 Wochen vor dem gewünschten Beginn stellen, da auch die Platzsuche Zeit benötigt. Beratungstermine haben oft Wartezeiten von 2 bis 4 Wochen.

Kann ich den Anbieter während der Umschulung wechseln?

Ein Wechsel ist grundsätzlich möglich, muss aber mit der Arbeitsagentur abgestimmt werden. Häufige Wechsel ohne triftigen Grund können zur Sperrung der Förderung führen. Bei schwerwiegenden Problemen mit dem Anbieter unterstützt dich die Arbeitsagentur beim Wechsel.

Haben Umschüler die gleichen Rechte wie reguläre Auszubildende?

Bei betrieblichen Umschulungen gelten ähnliche Rechte und Pflichten wie für Auszubildende. Du hast Anspruch auf Anleitung, Freistellung für die Berufsschule und einen Ausbildungsnachweis. Das Gehalt ist jedoch anders geregelt – du erhältst weiterhin Bürgergeld oder Arbeitslosengeld.

Was passiert, wenn ich die Abschlussprüfung nicht bestehe?

Du kannst die IHK-Prüfung zwei Mal wiederholen. Die Arbeitsagentur übernimmt auch die Kosten für Wiederholungsprüfungen, wenn diese in angemessener Zeit stattfinden. Bei wiederholtem Nichtbestehen endet die Förderung und du musst eventuelle Rückzahlungen leisten.


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