Techniker und Meister

Ausgebildete Handwerker, die ihrer Karriere mit einer Fortbildung einen Schub geben möchten, haben die Qual der Wahl: Soll es ein Abschluss als staatlich geprüfter Techniker – oder doch ein Meister sein? Beide Wege haben Vor- und Nachteile, die wir im Folgenden gegenüberstellen und vergleichen wollen.

Fakten:

Techniker:

  • eher theoretisch orientiert
  • staatlich geprüft an Fachschulen für Technik
  • mindestens 2400 Unterrichtsstunden
  • darf Handwerksbetrieb gründen
  • benötigt Zusatzausbildung, um selbst auszubilden

Meister:

  • eher praktisch orientiert
  • privat geprüft von IHK oder Handwerkskammer
  • maximal 1200 Unterrichtsstunden
  • darf Handwerksbetrieb gründen
  • darf sofort Lehrlinge ausbilden

Techniker oder Meister: eine hitzige Diskussion!

Vielerorten wird behauptet, der Abschluss des Technikers und Meisters wären ganz und gar gleichwertig; in mancherlei Hinsicht mag das stimmen, bauen doch beide beispielsweise auf eine erfolgreiche Berufsausbildung und anschließende Berufserfahrung auf. Dennoch gibt es zwischen den beiden Fortbildungsmöglichkeiten für Handwerker kleine, aber feine Unterschiede, die wir nun aus dem chaotischen Meinungsbrei, der über das Thema kursiert, herauspräparieren wollen.

Die Qual der Wahl

Will der ausgebildete Handwerker nicht ewig Geselle bleiben, muss er sich klar entscheiden, in welche Richtung ihn seine berufliche Zukunft bringen soll: Entweder absolviert er eine Fortbildung zum Meister, in der seine handwerkliche Expertise perfektioniert und um betriebswirtschaftliches Grundwissen erweitert und ergänzt wird, um nicht nur beste Arbeit zu liefern, sondern auch erfolgreich einen handwerklichen Betrieb führen und selbst Lehrlinge auszubilden zu können; oder er entscheidet sich für die Laufbahn des Technikers, der eine wesentlich umfangreichere und theoretische Ausbildung durchlaufen muss, bevor er die staatliche Prüfung ablegen kann. Nach dieser Prüfung jedoch besetzt der Techniker eine Position zwischen dem Meister und dem Ingenieur – und ist schon allein deshalb nicht vollkommen mit dem Meister gleichzustellen.

Der Techniker: zwischen Berufs- und akademischer Ausbildung

Der Meister ist eine erweiterte Berufsausbildung – der Ingenieur eine akademische Ausbildung. Der Techniker steht zwischen diesen beiden Punkten: er fußt auf die Berufsausbildung, geht jedoch klar in Richtung einer akademischen und theoretisch angehauchten Bildung. Auch die Berufsperspektiven eines Technikers sind eher in Richtung eines Ingenieurs anzusiedeln als im Führen und Verwalten eines Handwerksbetriebes. Daraus erklärt sich auch die mindestens doppelte Dauer der Ausbildung zum Techniker, der mindestens 2400 Unterrichtsstunden absolviert haben muss, um zur staatlichen Prüfung zugelassen zu werden, während der Meisterbrief schon mit 600-1200 Unterrichtsstunden zu bekommen ist.

Natürlich gibt es zahlreiche Parallelen und Berührungspunkte zwischen der Ausbildung zum Meister und Techniker; auch der Techniker wird in der Betriebswirtschaftslehre geschult und darauf vorbereitet, seinen eigenen Betrieb erfolgreich zu führen – während auch der Meister sich theoretisches Hintergrundwissen zu seinem Handwerk aneignet. Der Unterschied liegt vielmehr in der Gewichtung der Inhalte und der theoretischen Tiefe, die die Ausbildung erreicht.

Über Geschmack läßt sich nicht streiten:

Die Entscheidung zwischen Techniker und Meister ist eher eine der persönlichen Wünsche und Vorstellungen für die Zukunft; wer sich einen schnellen Start ins selbstständige Berufsleben wünscht und kein Interesse an einer langwierigen theoretischen Ausbildung hat, ist mit dem Meister wesentlich besser beraten. Wer hingegen über die Praxis hinaus gehen möchte und deren theoretische Grundlagen erforschen und beherrschen lernen will, sollte sich für den Techniker entscheiden. Die wesentlich längere Ausbildung wird auch insofern belohnt, als dem Techniker in Richtung des Ingenieurs mehr Möglichkeiten und Tätigkeitsfelder offenstehen als einem Meister. Hinzuzufügen ist außerdem, dass die Berufsperspektiven für den Techniker momentan ein wenig besser sind als für einen Meister, da der Arbeitsmarkt ein wesentlich größeres Angebot an Meistern hat, während gut ausgebildete Techniker im Moment Mangelware sind.

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