Fernstudium Neuropsychologie
Redaktionell geprüft von der Fernstudium – Berufsbegleitend studieren-Redaktion · Aktualisiert: · Lesezeit: ca. 9 Min
Wie verändert sich das Denken, Fühlen und Verhalten eines Menschen, wenn das Gehirn nach einem Schlaganfall, einer Hirnverletzung oder durch eine neurologische Erkrankung Schaden nimmt? Genau an dieser Schnittstelle von Psychologie und Hirnforschung arbeitet die Neuropsychologie. Sie untersucht, wie kognitive Funktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache oder Handlungsplanung mit Strukturen und Prozessen im Gehirn zusammenhängen – und wie sich Störungen dieser Funktionen diagnostizieren und behandeln lassen. Für viele Menschen, die in Reha-Kliniken, in der Forschung oder in der Diagnostik tätig sind, ist die Neuropsychologie damit ein faszinierendes und zugleich anspruchsvolles Feld.
Wer sich für dieses Gebiet interessiert, stellt sich schnell die Frage, ob und wie man Neuropsychologie berufsbegleitend per Fernstudium erlernen kann. Die ehrliche Antwort ist differenziert: Neuropsychologie ist in Deutschland kein klassischer eigenständiger grundständiger Studiengang, den man komplett aus der Ferne absolviert, sondern in der Regel ein Schwerpunkt oder eine Vertiefung innerhalb eines Psychologie-Studiums – und eine darauf aufbauende, stark reglementierte Weiterbildung. Dennoch gibt es seriöse Fernstudien- und Weiterbildungsformate, die neuropsychologische Inhalte vermitteln. Dieser Ratgeber ordnet ein, was per Fernstudium realistisch möglich ist, wo Präsenz- und Praxisanteile unverzichtbar bleiben und für wen sich der Weg lohnt.
Inhaltsverzeichnis
Wichtige Punkte
- Neuropsychologie ist meist ein Schwerpunkt im Psychologie-Studium, nicht ein eigenständiger Komplett-Fernstudiengang.
- Theoretische Grundlagen lassen sich gut per Fernstudium erarbeiten, klinische Praxis erfordert jedoch Präsenz- und Patientenkontakt.
- Der geschützte Titel „Klinischer Neuropsychologe“ setzt eine reglementierte, mehrjährige Weiterbildung nach dem Psychologie-Master voraus.
- Berufsbegleitende Modelle ermöglichen Lernen neben dem Job, fordern aber viel Selbstdisziplin und Zeit.
- Die Kosten bewegen sich je nach Format vom niedrigen bis in den hohen vierstelligen Bereich.
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Was ist Neuropsychologie?
Die Neuropsychologie ist ein Teilgebiet der Psychologie, das sich mit dem Zusammenhang zwischen dem Gehirn und dem menschlichen Erleben und Verhalten beschäftigt. Sie fragt, wie geistige Leistungen wie Wahrnehmung, Gedächtnis, Sprache, Aufmerksamkeit, räumliches Denken oder die Steuerung von Handlungen im Gehirn organisiert sind – und was geschieht, wenn diese Prozesse durch Erkrankungen oder Verletzungen gestört werden.
Man unterscheidet grob zwei Ausrichtungen. Die klinische Neuropsychologie befasst sich mit der Diagnostik und Behandlung von Patientinnen und Patienten, die nach einem Schlaganfall, einem Schädel-Hirn-Trauma, bei Demenz, Epilepsie, Multipler Sklerose oder Hirntumoren kognitive Einschränkungen haben. Die experimentelle oder kognitive Neuropsychologie hingegen ist stärker forschungsorientiert und untersucht grundlegende Fragen zur Funktionsweise des Gehirns, oft in Verbindung mit bildgebenden Verfahren.
Im klinischen Alltag arbeiten Neuropsychologinnen und Neuropsychologen eng mit Ärzten, Logopäden, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten zusammen. Sie erheben mit standardisierten Testverfahren ein Leistungsprofil, leiten daraus Therapieziele ab und begleiten Betroffene über längere Zeiträume. Das Feld verbindet damit naturwissenschaftliches Wissen über das Gehirn mit psychologischer Diagnostik und einer einfühlsamen, geduldigen Arbeit am Menschen.
Historisch ist die Neuropsychologie eng mit der Beobachtung verbunden, dass eng umgrenzte Hirnschädigungen ganz spezifische Ausfälle nach sich ziehen können. Aus Einzelfallbeobachtungen wurde im Lauf der Zeit eine empirisch fundierte Wissenschaft, die heute auf standardisierten Verfahren, Normwerten und einem differenzierten Verständnis von Hirnnetzwerken beruht. Dieses Wissen ist die Grundlage dafür, dass sich aus einem Muster von erhaltenen und gestörten Funktionen Rückschlüsse auf zugrunde liegende Prozesse ziehen lassen – und genau diese Verbindung von Theorie und Befund macht das Fach für viele Lernende so reizvoll.
Studieninhalte und Schwerpunkte
Wer Neuropsychologie vertiefen möchte, baut zunächst auf einem soliden Fundament der allgemeinen Psychologie auf. Dazu gehören Grundlagen der Statistik und der wissenschaftlichen Methodik, der Allgemeinen Psychologie, der Biologischen Psychologie sowie der Diagnostik. Erst auf dieser Basis erschließen sich die spezifisch neuropsychologischen Themen.
Zu den typischen Inhalten eines neuropsychologischen Schwerpunkts gehören die funktionelle Neuroanatomie, also der Aufbau des Gehirns und die Zuordnung von Funktionen zu bestimmten Hirnregionen, sowie die Lehre von den Störungsbildern. Studierende lernen, wie sich Gedächtnisstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite, Sprachstörungen wie Aphasien, Wahrnehmungsstörungen oder Beeinträchtigungen der sogenannten exekutiven Funktionen äußern und voneinander abgrenzen lassen.
Ein weiterer großer Block ist die neuropsychologische Diagnostik mit standardisierten Testverfahren. Hinzu kommen Methoden der Therapie und Rehabilitation, etwa kognitives Training, Kompensationsstrategien und die Arbeit mit Angehörigen. In forschungsnahen Vertiefungen spielen bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie und Methoden der kognitiven Neurowissenschaft eine Rolle. Diese theoretischen Inhalte lassen sich grundsätzlich gut über Lehrtexte, Online-Vorlesungen und Selbststudium erarbeiten – die Anwendung am Patienten dagegen nicht.
Eng mit der Diagnostik verbunden ist die Kompetenz, Testergebnisse fachgerecht zu interpretieren. Ein Rohwert allein sagt wenig aus; erst der Abgleich mit alters- und bildungsangepassten Normen, die Berücksichtigung der Tagesform und der Vorgeschichte sowie die Einbettung in das Gesamtbild ergeben eine belastbare Einschätzung. Studierende üben deshalb nicht nur die Durchführung von Verfahren, sondern auch die kritische Bewertung von Gütekriterien wie Objektivität, Reliabilität und Validität. Dieses methodische Rüstzeug ist es, das die Neuropsychologie von einer rein beschreibenden Tätigkeit unterscheidet und ihre Ergebnisse vor Gericht, in der Begutachtung und in der Therapieplanung tragfähig macht.
Nicht zu unterschätzen ist außerdem der Bereich der Gesprächsführung und der Befundvermittlung. Neuropsychologische Ergebnisse betreffen Menschen oft in einer existenziellen Lebenslage, etwa wenn Fragen der Fahreignung, der Berufsfähigkeit oder der Selbstständigkeit im Alltag berührt werden. Gute Studiengänge vermitteln daher auch, wie man Befunde verständlich, ehrlich und zugleich behutsam kommuniziert und Betroffene sowie Angehörige in den weiteren Prozess einbezieht.
Fernstudium oder Ausbildung?
Im Bereich Neuropsychologie stellt sich die Frage nach Fernstudium oder Ausbildung etwas anders als in vielen anderen Berufsfeldern, weil es keinen klassischen anerkannten Ausbildungsberuf „Neuropsychologe“ gibt. Trotzdem lohnt der ehrliche Vergleich der grundsätzlichen Wege, denn viele Interessierte stehen vor der Wahl zwischen einem akademischen Fernstudium und einer kürzeren, praxisorientierten Ausbildung oder Weiterbildung im weiteren Umfeld der Neurorehabilitation.
Ein akademisches Fernstudium der Psychologie mit neuropsychologischem Schwerpunkt führt über Bachelor und Master zu einem vollwertigen Hochschulabschluss. Die Dauer liegt berufsbegleitend realistisch bei mehreren Jahren pro Studienabschnitt, die Kosten bewegen sich über die gesamte Strecke meist im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich, bei manchen privaten Anbietern auch darüber. Dieser Weg ist die Voraussetzung, um später überhaupt in die klinisch-neuropsychologische Arbeit oder die spezialisierte Weiterbildung einsteigen zu können.
Eine Ausbildung oder kürzere Weiterbildung – etwa im Bereich Ergotherapie, Logopädie oder als Fachkraft für neurokognitives Training – dauert in der Regel kürzer, ist günstiger und stärker auf konkrete Tätigkeiten ausgerichtet. Sie führt jedoch nicht zum Titel des Neuropsychologen und ersetzt kein Hochschulstudium. Wer eigenständig neuropsychologische Diagnostik und Therapie verantworten möchte, kommt am akademischen Weg nicht vorbei. Eine Ausbildung kann aber ein sinnvoller Einstieg in das Arbeitsfeld der Neurorehabilitation sein, gerade für Menschen, die schnell praktisch tätig werden möchten oder kein Studium anstreben.
Kurz gesagt: Das Fernstudium punktet mit akademischer Tiefe, Anschlussfähigkeit und langfristigen Karriereoptionen, erfordert dafür aber mehr Zeit, Geld und Selbstorganisation. Eine Ausbildung ist schneller und direkter, bleibt im Hinblick auf neuropsychologische Spezialaufgaben aber begrenzt. Welcher Weg passt, hängt vom Ziel ab: Geht es um den eigenverantwortlichen neuropsychologischen Beruf, ist das Studium nötig; geht es um eine unterstützende Rolle im therapeutischen Team, kann eine Ausbildung ausreichen.
In der Praxis schließen sich beide Wege nicht aus, sondern lassen sich oft sinnvoll verbinden. Wer bereits eine therapeutische Ausbildung absolviert hat und im Berufsalltag mit hirngeschädigten Menschen arbeitet, bringt wertvolle Praxiserfahrung mit, die das spätere Fernstudium bereichert. Umgekehrt verschafft ein vorhandener Bezug zum Arbeitsfeld zusätzliche Motivation, die theoretischen Inhalte durchzuhalten. Viele erfolgreiche Berufsbiografien in der Neurorehabilitation verlaufen daher nicht entweder über die Ausbildung oder über das Studium, sondern nacheinander über beide Stationen.
Voraussetzungen und Zugang
Der Zugang zu einem Psychologie-Fernstudium mit neuropsychologischem Schwerpunkt setzt für den Bachelor in der Regel die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife voraus. Viele Fernhochschulen ermöglichen den Einstieg aber auch über eine berufliche Qualifikation, etwa eine abgeschlossene Berufsausbildung mit mehrjähriger Berufserfahrung. Wer unsicher ist, ob die eigenen Voraussetzungen genügen, sollte die Zulassungsbedingungen des jeweiligen Anbieters genau prüfen.
Für ein Masterstudium mit Vertiefung Neuropsychologie ist ein einschlägiger erster Hochschulabschluss notwendig, meist ein Bachelor in Psychologie. Hier ist besondere Aufmerksamkeit geboten: Wer langfristig psychotherapeutisch oder als klinischer Neuropsychologe arbeiten möchte, muss darauf achten, dass das gewählte Studium die fachlichen Anforderungen der jeweiligen Berufsordnungen erfüllt. Nicht jeder Psychologie-Studiengang qualifiziert automatisch für jede spätere Spezialisierung.
Neben den formalen Voraussetzungen sind persönliche Eigenschaften entscheidend. Wer im Fernstudium erfolgreich sein will, braucht ausgeprägte Selbstdisziplin, gutes Zeitmanagement und die Fähigkeit, sich komplexe Inhalte eigenständig zu erarbeiten. Für die spätere klinische Tätigkeit sind Empathie, Geduld, Genauigkeit und Belastbarkeit im Umgang mit schwer betroffenen Menschen mindestens ebenso wichtig wie das Fachwissen.
Dauer, Ablauf und Kosten
Ein berufsbegleitendes Psychologie-Fernstudium mit neuropsychologischem Schwerpunkt erstreckt sich über mehrere Jahre. Ein Bachelor in Teilzeit dauert häufig deutlich länger als die nominellen sechs Semester eines Vollzeitstudiums, ein darauf aufbauender Master ebenfalls. Wer beide Abschnitte berufsbegleitend absolviert und anschließend noch eine Weiterbildung anschließt, sollte insgesamt einen langen Zeithorizont einplanen.
Der Ablauf ist bei den meisten Fernhochschulen flexibel gestaltet: Lerninhalte werden über eine Online-Plattform, Studienhefte und aufgezeichnete Vorlesungen bereitgestellt, ergänzt durch Online-Seminare und Sprechstunden. Prüfungen finden je nach Anbieter online oder an Prüfungszentren statt. Wichtig zu wissen ist, dass praktische Anteile, Labor- oder Diagnostikübungen und vor allem Praktika in der Regel in Präsenz absolviert werden müssen. Gerade die klinisch-neuropsychologische Kompetenz lässt sich nicht allein am Bildschirm erwerben.
Bei den Kosten lohnt ein genauer Blick. Staatliche Fernhochschulen sind oft günstiger als private Anbieter, deren Studiengebühren sich über die gesamte Studiendauer im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich oder darüber bewegen können. Hinzu kommen mögliche Kosten für Präsenzphasen, Prüfungen und Fachliteratur. Viele Anbieter ermöglichen Ratenzahlungen; je nach Situation kommen außerdem Förderungen, steuerliche Absetzbarkeit als Weiterbildung oder Bildungsangebote des Arbeitgebers in Betracht. Eine genaue Kalkulation vor Studienbeginn ist daher sinnvoll.
Anerkennung und Akkreditierung
Wer Zeit und Geld in ein Fernstudium investiert, sollte sich vorab vergewissern, dass der Abschluss auch wirklich anerkannt ist. Für seriöse Fernstudiengänge gilt: Die Hochschule muss staatlich anerkannt sein und der Studiengang sollte akkreditiert sein. Fernlehrgänge wiederum benötigen in Deutschland eine Zulassung der zuständigen staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht. Diese formalen Merkmale sind kein bürokratisches Detail, sondern entscheiden darüber, ob ein Abschluss von anderen Hochschulen, von Arbeitgebern und von Berufsverbänden akzeptiert wird.
Besonders wichtig ist die Anerkennung mit Blick auf die spätere Spezialisierung. Wer den Weg in die klinische Neuropsychologie anstrebt, muss prüfen, ob der Master die inhaltlichen Anforderungen erfüllt, die für die anschließende reglementierte Weiterbildung verlangt werden. Hier lohnt der frühzeitige Blick in die Weiterbildungsordnungen der einschlägigen Fachgesellschaften, denn nicht jeder psychologische Masterabschluss eröffnet automatisch jeden Weiterbildungsweg. Ein vermeintlich passender Studiengang kann sich sonst im Nachhinein als Sackgasse erweisen.
Ein guter Anhaltspunkt ist außerdem die Frage der Anrechenbarkeit bereits erbrachter Leistungen. Wer schon Studienmodule oder eine einschlägige Ausbildung vorweisen kann, sollte klären, ob und in welchem Umfang diese angerechnet werden. Das kann Studienzeit und Kosten spürbar reduzieren. Im Zweifel ist es ratsam, sich die zentralen Aussagen zur Anerkennung schriftlich von der Studienberatung bestätigen zu lassen, statt sich allein auf Werbeaussagen zu verlassen.
Karriere, Einsatzfelder und Gehalt
Die beruflichen Einsatzfelder der Neuropsychologie sind vielfältig. Das klassische Tätigkeitsfeld ist die neurologische Rehabilitation, etwa in spezialisierten Reha-Kliniken, wo Betroffene nach Schlaganfall oder Hirnverletzung neuropsychologisch diagnostiziert und behandelt werden. Weitere Felder finden sich in Akutkliniken, in der Gedächtnisdiagnostik, in der Begutachtung, in Forschungseinrichtungen und Hochschulen sowie zunehmend in der ambulanten Versorgung.
Wer eigenverantwortlich klinisch-neuropsychologisch arbeiten möchte, durchläuft nach dem Psychologie-Master in der Regel eine mehrjährige, reglementierte Weiterbildung zum Klinischen Neuropsychologen, die mit einem geschützten Titel verbunden ist. Diese Weiterbildung umfasst supervidierte Praxis, theoretische Anteile und Falldokumentationen und ist klar von einem reinen Fernstudium zu unterscheiden. Das Fernstudium der Psychologie ist hier der Türöffner, nicht der Endpunkt.
Beim Gehalt ist Zurückhaltung angebracht, da es stark von Abschluss, Erfahrung, Region, Träger und Tarifbindung abhängt. Angestellte mit abgeschlossenem Psychologie-Master bewegen sich häufig in einem mittleren Einkommensbereich, der mit Spezialisierung, abgeschlossener Weiterbildung und Verantwortung steigen kann. Pauschale Zahlen sind wenig aussagekräftig; wer konkrete Erwartungen hat, sollte sich an einschlägigen Tarifverträgen des Gesundheitswesens orientieren und mögliche Arbeitgeber gezielt vergleichen.
Spezialisierungen und Schwerpunkte
Innerhalb der Neuropsychologie haben sich verschiedene Schwerpunkte herausgebildet, die jeweils eigene Kenntnisse und Erfahrungen verlangen. Ein großes Feld ist die Arbeit mit Erwachsenen in der Neurorehabilitation, also die Diagnostik und Behandlung nach Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder bei fortschreitenden Erkrankungen. Hier stehen die Wiederherstellung von Funktionen, der Aufbau von Kompensationsstrategien und die Begleitung im Alltag im Vordergrund.
Ein eigener Schwerpunkt ist die Kinderneuropsychologie, die sich mit Entwicklungsstörungen, angeborenen oder früh erworbenen Hirnschädigungen und Lernproblemen befasst. Sie verlangt zusätzliches Wissen über die kindliche Entwicklung und eine besonders enge Zusammenarbeit mit Familien und Schulen. Demgegenüber rückt die gerontoneuropsychologische Arbeit mit älteren Menschen die Abgrenzung normaler Alterung von beginnenden Demenzen sowie die Frühdiagnostik in den Mittelpunkt.
Weitere Vertiefungen finden sich in der forschungsnahen kognitiven Neurowissenschaft, in der neuropsychologischen Begutachtung etwa bei Fragen der Fahreignung oder der Erwerbsfähigkeit sowie an der Schnittstelle zur Psychotherapie, wenn kognitive Einschränkungen und seelische Belastungen gemeinsam auftreten. Welche Spezialisierung sinnvoll ist, hängt von den eigenen Interessen, dem angestrebten Arbeitsumfeld und den verfügbaren Weiterbildungsangeboten ab. Im Fernstudium lässt sich diese Richtung oft schon durch die Wahl von Vertiefungsmodulen, Hausarbeiten und Praktikumsstellen vorbereiten.
Tipps für das berufsbegleitende Lernen
Ein berufsbegleitendes Fernstudium gelingt selten von allein. Wer neben Beruf und Familie studiert, profitiert von festen Lernzeiten, die wie ein Termin im Kalender behandelt werden. Realistisch geplante, regelmäßige Einheiten sind dabei wirksamer als seltene Marathon-Sitzungen kurz vor der Prüfung. Hilfreich ist es, das große Ziel in überschaubare Wochen- und Monatsetappen zu zerlegen und kleine Fortschritte bewusst wahrzunehmen.
Gerade die anspruchsvollen neuropsychologischen Inhalte lassen sich besser verankern, wenn man sie aktiv verarbeitet, statt nur zu lesen. Eigene Zusammenfassungen, das Erklären von Störungsbildern in eigenen Worten und das Verknüpfen mit Beispielen aus dem Berufsalltag erhöhen das Verständnis. Lerngruppen oder der Austausch in Online-Foren der Hochschule wirken außerdem der Isolation entgegen, die im Selbststudium leicht entsteht.
Ebenso wichtig ist ein offenes Gespräch mit dem Umfeld. Wer Partner, Familie und gegebenenfalls den Arbeitgeber frühzeitig einbindet, schafft Verständnis für die nötigen Freiräume. Manche Arbeitgeber unterstützen eine fachlich passende Weiterqualifikation sogar mit flexiblen Arbeitszeiten oder finanzieller Beteiligung. Und schließlich gehört zur Selbstorganisation auch der bewusste Umgang mit Pausen: Wer Erholung einplant, hält den langen Weg eher durch als jemand, der sich dauerhaft überfordert.
Für wen sich das Fernstudium eignet
Ein Fernstudium mit neuropsychologischem Schwerpunkt eignet sich besonders für Menschen, die bereits im Gesundheits-, Sozial- oder Therapiebereich arbeiten und sich akademisch weiterqualifizieren möchten, ohne ihren Beruf aufzugeben. Auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger mit großem Interesse an Gehirn und Verhalten finden hier einen Weg, der sich zeitlich und örtlich flexibel gestalten lässt.
Wichtig ist eine realistische Erwartungshaltung. Das Fernstudium liefert das wissenschaftliche Fundament und ist ein wesentlicher Baustein auf dem Weg in die Neuropsychologie – es ersetzt aber weder die notwendigen Präsenz- und Praxisanteile noch die spätere fachliche Weiterbildung. Wer diese Struktur kennt und bereit ist, den langen Weg zu gehen, kann sich mit einem Fernstudium der Psychologie schrittweise und berufsbegleitend einem der spannendsten Felder an der Grenze von Psychologie und Hirnforschung nähern.
Häufige Fragen zum Fernstudium Neuropsychologie
Neuropsychologie per Fernstudium ist möglich, aber kein kurzer und auch kein gerader Weg. Wer die theoretischen Grundlagen flexibel und berufsbegleitend erarbeiten möchte, findet im Psychologie-Fernstudium mit neuropsychologischem Schwerpunkt einen soliden Einstieg. Entscheidend ist, die notwendigen Präsenz- und Praxisanteile sowie die spätere Weiterbildung von Anfang an mitzudenken. Wer das tut und Geduld mitbringt, kann sich Schritt für Schritt für eines der spannendsten Felder zwischen Psychologie und Hirnforschung qualifizieren.
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