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Fernstudium Chemieingenieurwesen

Wenn aus chemischen Reaktionen im Labormaßstab industrielle Produktionsanlagen werden, kommen Chemieingenieurinnen und Chemieingenieure ins Spiel. Sie übersetzen die Erkenntnisse der Chemie in technisch und wirtschaftlich machbare Prozesse: Sie planen Reaktoren, dimensionieren Apparate, optimieren Stoff- und Energieströme und sorgen dafür, dass aus einem Gramm Wirkstoff im Labor später Tonnen marktfähiger Produkte werden. Chemieingenieurwesen verbindet damit die Naturwissenschaft Chemie mit dem methodischen Denken der Ingenieurwissenschaften – eine Kombination, die in der chemischen Industrie, der Pharma-, Lebensmittel- und Energiebranche gleichermaßen gefragt ist.

Viele Interessierte, die bereits im Beruf stehen, fragen sich, ob sich dieses anspruchsvolle Fach auch berufsbegleitend per Fernstudium studieren lässt. Die ehrliche Antwort vorweg: Ein reines Chemieingenieurwesen-Studium komplett aus der Ferne ist selten, weil Labor- und Technikumspraktika zum Kern des Fachs gehören. Es gibt jedoch realistische Wege – über verwandte ingenieur- und verfahrenstechnische Fernstudiengänge, über Studienformate mit klar definierten Präsenz- und Laborblöcken sowie über Weiterbildungen, die auf einer vorhandenen technischen Grundausbildung aufbauen. Dieser Ratgeber ordnet ein, was per Fernstudium möglich ist, wo die Grenzen liegen und für wen sich der Weg lohnt.

Wichtige Punkte

  • Chemieingenieurwesen verbindet Chemie mit Verfahrens- und Anlagentechnik – der Schwerpunkt liegt auf der industriellen Umsetzung chemischer Prozesse.
  • Ein vollständig ortsunabhängiges Fernstudium ist wegen der nötigen Labor- und Technikumspraktika kaum möglich; üblich sind Hybrid-Formate mit Präsenzanteilen.
  • Berufsbegleitend studieren funktioniert gut für Menschen mit technischer Vorbildung, etwa aus Chemie-, Verfahrenstechnik- oder Laborberufen.
  • Die Kosten privater berufsbegleitender Studiengänge bewegen sich meist im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich über die gesamte Studiendauer.
  • Karrierechancen bestehen in der chemischen Industrie, Pharma, Energie, Umwelttechnik und im Anlagenbau – oft mit guten Verdienstaussichten.

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Berufsbild: Was ist Chemieingenieurwesen?

Chemieingenieurwesen – international auch als Chemical Engineering bekannt – ist die Ingenieurdisziplin, die sich mit der großtechnischen Umsetzung chemischer, physikalischer und biologischer Prozesse befasst. Während die Chemie erforscht, welche Stoffe wie miteinander reagieren, beantwortet das Chemieingenieurwesen die Frage, wie man diese Reaktionen sicher, effizient und wirtschaftlich in einer realen Produktionsanlage ablaufen lässt. Es geht also nicht nur um das Was, sondern vor allem um das Wie im industriellen Maßstab.

Im Zentrum steht die Verfahrenstechnik: das Trennen, Mischen, Erhitzen, Kühlen, Verdampfen und Reagieren von Stoffen in Apparaten und Reaktoren. Chemieingenieurinnen und Chemieingenieure berechnen, wie groß ein Reaktor sein muss, welche Temperaturen und Drücke nötig sind, wie sich Energie zurückgewinnen lässt und wie eine Anlage betrieben werden kann, ohne dass Mensch und Umwelt gefährdet werden. Dabei spielen Sicherheit, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle, etwa beim Umbau der Industrie hin zu klimafreundlicheren Verfahren.

Das Tätigkeitsfeld ist breit. Es reicht von der Forschung und Entwicklung neuer Prozesse über die Planung und Inbetriebnahme von Anlagen bis zum laufenden Betrieb, zur Qualitätssicherung und zum Projektmanagement. Wer Chemieingenieurwesen studiert, sollte daher sowohl ein solides naturwissenschaftliches Fundament als auch Freude an mathematisch-technischen Fragestellungen mitbringen.

Studieninhalte und Schwerpunkte

Ein Studium im Chemieingenieurwesen baut auf einem breiten Fundament an Grundlagenfächern auf. In den ersten Semestern stehen Mathematik, Physik, allgemeine und organische Chemie, physikalische Chemie sowie technische Mechanik und Thermodynamik im Mittelpunkt. Diese Basis ist anspruchsvoll und für das spätere Verständnis der verfahrenstechnischen Vertiefungen unverzichtbar.

Im weiteren Verlauf rücken die ingenieurwissenschaftlichen Kernfächer in den Vordergrund. Dazu gehören die Strömungsmechanik, die Wärme- und Stoffübertragung, die Reaktionstechnik, die Trenn- und Aufbereitungstechnik sowie die Anlagen- und Apparatetechnik. Hinzu kommen Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, Werkstoffkunde und zunehmend auch Prozesssimulation am Computer. Viele Programme bieten Vertiefungen an, etwa in Richtung Biotechnologie, Energie- und Umwelttechnik, Pharmatechnik oder nachhaltige Prozesse.

Charakteristisch für das Fach sind die praktischen Anteile: Labor- und Technikumspraktika, in denen Studierende Apparate selbst bedienen, Messwerte aufnehmen und auswerten. Genau diese Praxisbausteine sind der Grund, warum sich Chemieingenieurwesen nur eingeschränkt rein digital vermitteln lässt. In berufsbegleitenden und Fernstudien-Formaten werden sie deshalb meist in kompakten Präsenzphasen an Wochenenden oder in Blockwochen organisiert.

Hinweis zu Studienbezeichnungen
Der Studiengang wird an verschiedenen Hochschulen unterschiedlich benannt – etwa Chemieingenieurwesen, Verfahrenstechnik, Bioverfahrenstechnik oder Process Engineering. Die Inhalte überschneiden sich stark. Wer berufsbegleitend studieren möchte, sollte daher auch verwandte verfahrenstechnische Studiengänge in die Recherche einbeziehen.

Fernstudium oder Ausbildung?

Eine häufige Überlegung lautet: Lohnt sich der lange Weg über ein Studium, oder reicht eine berufliche Ausbildung im chemisch-technischen Bereich? Beide Wege sind sinnvoll, führen aber zu unterschiedlichen Rollen und sollten ehrlich gegeneinander abgewogen werden.

Eine Ausbildung – etwa zur Chemikantin oder zum Chemikanten, zur Chemielaborantin, zum Produktionsfachmann Chemie oder im Bereich Verfahrenstechnik – dauert in der Regel drei bis dreieinhalb Jahre, findet dual in Betrieb und Berufsschule statt und wird vergütet. Sie qualifiziert für die praktische Arbeit an Anlagen, im Labor oder in der Produktion. Die Ausbildung ist der schnellere, günstigere und unmittelbar praxisnahe Einstieg in die Branche. Wer anschließend Verantwortung übernehmen möchte, kann über eine Weiterbildung zum Techniker oder Meister aufsteigen.

Ein Studium im Chemieingenieurwesen dagegen zielt auf planende, entwickelnde und leitende Aufgaben. Es dauert im Bachelor meist sechs bis sieben Semester in Vollzeit, berufsbegleitend entsprechend länger, und ist mit Studiengebühren oder zumindest Semesterbeiträgen verbunden. Der Abschluss – Bachelor oder Master of Science beziehungsweise Engineering – öffnet Türen zu Tätigkeiten in Forschung und Entwicklung, Prozessauslegung, Projektleitung und Management, die mit einer Ausbildung allein in der Regel nicht erreichbar sind.

Eine besonders tragfähige Variante ist die Kombination: erst eine Ausbildung, dann ein berufsbegleitendes Studium. So bringen Studierende echte Praxiserfahrung mit, finanzieren das Studium über ihr Gehalt und können das Gelernte direkt im Betrieb anwenden. Für viele Berufstätige ist genau dieser Pfad der realistischste Weg zum akademischen Abschluss im Chemieingenieurwesen.

Voraussetzungen und Zugang

Für ein Bachelorstudium im Chemieingenieurwesen ist üblicherweise die allgemeine Hochschulreife oder die Fachhochschulreife erforderlich. An vielen Hochschulen ist zusätzlich der Zugang über eine berufliche Qualifikation möglich, etwa über eine abgeschlossene Ausbildung in einem fachlich passenden Beruf in Verbindung mit Berufserfahrung. Wer ohne klassisches Abitur studieren möchte, sollte die jeweiligen Landesregelungen und Hochschulsatzungen prüfen, da der Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte unterschiedlich geregelt ist.

Neben den formalen Voraussetzungen sind die inhaltlichen Anforderungen nicht zu unterschätzen. Solide Kenntnisse in Mathematik, Physik und Chemie erleichtern den Einstieg erheblich. Manche Hochschulen bieten Vorkurse oder Brückenangebote an, um Wissenslücken vor Studienbeginn zu schließen. Wer berufsbegleitend studiert, braucht zudem ein gutes Selbstmanagement, Durchhaltevermögen und ein verständnisvolles Umfeld, da Studium, Beruf und Privatleben über mehrere Jahre parallel laufen.

Für einen Masterstudiengang wird ein einschlägiger erster Hochschulabschluss vorausgesetzt, teilweise verbunden mit Mindestnoten oder fachlichen Auflagen. Berufstätige profitieren hier von ihrer Praxiserfahrung, sollten aber prüfen, ob der angestrebte Master fachlich auf ihrem Bachelor aufbaut.

Dauer, Ablauf und Kosten

Ein Bachelorstudium umfasst in Vollzeit meist sechs bis sieben Semester, ein Master zwei bis vier. In berufsbegleitender oder Teilzeitform verlängert sich die Studiendauer deutlich, weil pro Semester weniger Module belegt werden. Realistisch sollten Berufstätige für einen berufsbegleitenden Bachelor acht bis zwölf Semester einplanen, je nach Vorqualifikation und wöchentlichem Lernpensum.

Der Ablauf kombiniert in der Regel Selbststudium mit digitalen Lernmaterialien, Online-Vorlesungen und Lernplattformen sowie verpflichtende Präsenzphasen. Diese Präsenzblöcke dienen vor allem den Laborpraktika, Übungen an Apparaten und Prüfungen. Genau hier zeigt sich der Unterschied zu rein theoretischen Fächern: Beim Chemieingenieurwesen lässt sich der praktische Umgang mit Stoffen und Anlagen nicht vollständig durch Bildschirmarbeit ersetzen. Wer ein Format als Fernstudium plant, sollte daher früh klären, wie viele Präsenztage anfallen und ob diese mit dem eigenen Beruf vereinbar sind.

Bei den Kosten ist zu unterscheiden: An staatlichen Hochschulen fallen meist nur Semesterbeiträge an, während private und berufsbegleitende Anbieter Studiengebühren erheben. Diese bewegen sich über die gesamte Studiendauer häufig im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich, bei umfangreichen Masterprogrammen auch darüber. Hinzu kommen Kosten für Anreise und Unterkunft während der Präsenzphasen sowie für Lernmaterial. Es lohnt sich, Fördermöglichkeiten zu prüfen, etwa Arbeitgeberzuschüsse, Aufstiegs-BAföG für bestimmte Weiterbildungen oder Stipendien.

Tipp zur Finanzierung
Viele Arbeitgeber in der chemischen Industrie unterstützen berufsbegleitende Studiengänge ihrer Mitarbeitenden – finanziell, durch Freistellung für Präsenzphasen oder durch flexible Arbeitszeiten. Ein frühes Gespräch mit der Personalabteilung kann den Studienweg spürbar erleichtern.

Karriere, Einsatzfelder und Gehalt

Chemieingenieurinnen und Chemieingenieure werden in vielen Branchen gebraucht. Klassische Arbeitgeber sind die chemische und petrochemische Industrie, Pharma- und Biotechnologieunternehmen, die Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie sowie der Anlagen- und Apparatebau. Stark gewachsen ist die Nachfrage in der Energie- und Umwelttechnik, etwa bei Wasserstofftechnologien, Batteriematerialien, Recyclingverfahren und der Dekarbonisierung industrieller Prozesse.

Die konkreten Tätigkeiten reichen von der Prozessentwicklung und Anlagenplanung über die Inbetriebnahme und Betriebsführung bis hin zu Qualitätssicherung, technischem Vertrieb und Projektmanagement. Mit zunehmender Erfahrung sind Fach- und Führungslaufbahnen möglich, etwa als Teamleitung, Werks- oder Projektleitung. Gerade die Verbindung aus technischem Tiefenwissen und Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge macht Absolventinnen und Absolventen für verantwortungsvolle Positionen attraktiv.

Beim Gehalt lassen sich nur vorsichtige Spannen nennen, da Verdienst stark von Region, Branche, Unternehmensgröße, Abschluss und Berufserfahrung abhängt. Einstiegsgehälter im Ingenieurbereich liegen tendenziell im gehobenen Bereich verglichen mit vielen anderen Fachrichtungen, und mit Berufserfahrung sowie Führungsverantwortung steigt das Einkommen weiter. Tarifgebundene Unternehmen der chemischen Industrie zahlen häufig überdurchschnittlich. Als grobe Orientierung gilt: Ein Ingenieurabschluss verbessert die Verdienstaussichten gegenüber rein ausbildungsbasierten Wegen in der Regel deutlich, ohne dass sich daraus eine garantierte feste Zahl ableiten ließe.

Für wen sich der Fernstudien-Weg eignet

Ein berufsbegleitendes Studium im Chemieingenieurwesen oder in einem verwandten verfahrenstechnischen Fach eignet sich vor allem für Menschen, die bereits in der Branche arbeiten und sich weiterqualifizieren möchten – etwa Chemikanten, Chemielaboranten, technische Assistentinnen oder Fachkräfte aus der Produktion. Sie bringen praktisches Verständnis mit und können die Präsenzphasen meist gut mit dem Arbeitsalltag verbinden.

Wer dagegen ohne jeden technischen Hintergrund und mit wenig zeitlichem Spielraum startet, sollte realistisch planen. Das Fach ist mathematisch und naturwissenschaftlich fordernd, und die Präsenzpflichten lassen sich nicht beliebig verschieben. In solchen Fällen kann ein gestufter Weg sinnvoll sein: zunächst eine Ausbildung oder eine technische Weiterbildung, danach das berufsbegleitende Studium. So wächst das fachliche Fundament mit, und die Belastung verteilt sich besser über die Zeit.

Häufige Fragen zum Fernstudium Chemieingenieurwesen

Kann ich Chemieingenieurwesen komplett ortsunabhängig im Fernstudium absolvieren?
In der Regel nicht vollständig, da Labor- und Technikumspraktika zum Fach gehören. Üblich sind Hybrid-Formate mit Selbststudium und verpflichtenden Präsenzphasen für die praktischen Anteile.
Brauche ich für das Studium zwingend das Abitur?
Nicht zwingend. Neben der allgemeinen oder Fachhochschulreife ist an vielen Hochschulen auch der Zugang über eine einschlägige Berufsausbildung mit Berufserfahrung möglich; die Regelungen unterscheiden sich je nach Bundesland und Hochschule.
Wie lange dauert ein berufsbegleitendes Studium realistisch?
Berufsbegleitend sollte man für einen Bachelor häufig etwa acht bis zwölf Semester einplanen, da pro Semester weniger Module belegt werden als im Vollzeitstudium. Vorqualifikation und Lernpensum beeinflussen die Dauer stark.
Was kostet ein berufsbegleitendes Studium ungefähr?
An staatlichen Hochschulen fallen meist nur Semesterbeiträge an. Bei privaten und berufsbegleitenden Anbietern liegen die Gesamtkosten häufig im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich, hinzu kommen Reise- und Materialkosten.
Lohnt sich das Studium gegenüber einer Ausbildung?
Beides hat seine Berechtigung. Eine Ausbildung ist schneller und praxisnah, das Studium öffnet planende und leitende Tätigkeiten sowie bessere Verdienstaussichten. Die Kombination aus Ausbildung und anschließendem berufsbegleitenden Studium ist für viele der tragfähigste Weg.

Chemieingenieurwesen ist ein anspruchsvolles, vielseitiges und zukunftsrelevantes Fach mit guten Aussichten in der Industrie. Ein vollständig ortsunabhängiges Fernstudium ist wegen der praktischen Anteile kaum realistisch, doch berufsbegleitende und hybride Formate mit klar geplanten Präsenzphasen machen den Weg zum Ingenieurabschluss auch neben dem Beruf möglich. Wer technische Vorbildung mitbringt, gut organisiert ist und die Präsenzpflichten einplanen kann, findet hier einen soliden Weg zu einem gefragten Berufsfeld.


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