Fernstudium Rechtswissenschaften
Redaktionell geprüft von der Fernstudium – Berufsbegleitend studieren-Redaktion · Aktualisiert: · Lesezeit: ca. 9 Min
Recht durchzieht nahezu jeden Lebensbereich: Verträge regeln Käufe und Mietverhältnisse, Gesetze schützen Eigentum und Persönlichkeit, Verordnungen bestimmen den Alltag von Unternehmen und Behörden. Wer sich für Rechtswissenschaften interessiert, beschäftigt sich mit der Frage, wie Konflikte fair geregelt, Ansprüche begründet und Entscheidungen nachvollziehbar getroffen werden. Das Fach verbindet logisches Denken, präzise Sprache und ein Gespür für gesellschaftliche Zusammenhänge – und es ist weit mehr als das Auswendiglernen von Paragrafen.
Viele Interessierte fragen sich, ob sich Rechtswissenschaften auch im Fernstudium berufsbegleitend studieren lassen. Die ehrliche Antwort ist differenziert: Das klassische Jurastudium mit dem Ziel des Ersten und Zweiten Staatsexamens (Volljurist, Befähigung zum Richteramt) ist als reines Fernstudium in Deutschland praktisch nicht möglich, weil es staatlich geprüft ist und Präsenz- sowie Examensanteile verlangt. Sehr wohl möglich sind dagegen rechtswissenschaftliche Studiengänge mit eigenständigem Abschluss wie der Bachelor of Laws (LL.B.) oder der Master of Laws (LL.M.) sowie wirtschaftsrechtliche Programme. Dieser Beitrag ordnet ein, was per Fernstudium realistisch ist und was nicht.
Inhaltsverzeichnis
Wichtige Punkte
- Das Staatsexamen-Jura (Volljurist) ist als reines Fernstudium nicht erreichbar – möglich sind LL.B., LL.M. und Wirtschaftsrecht.
- Ein rechtswissenschaftliches Fernstudium eignet sich besonders für Berufstätige, die ihr Recht-Know-how formell qualifizieren wollen.
- Kernkompetenzen sind juristische Methodik, Falllösung und das Verständnis zentraler Rechtsgebiete.
- Die Kosten bewegen sich je nach Abschluss und Anbieter meist im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich.
- Prüfungen finden in der Regel als Präsenz- oder Onlineklausuren statt, das Lernen erfolgt zeit- und ortsflexibel.
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Was sind Rechtswissenschaften?
Rechtswissenschaften – umgangssprachlich oft Jura genannt – befassen sich mit der Entstehung, Auslegung und Anwendung von Rechtsnormen. Im Zentrum steht die Frage, welche Regeln in einer Gesellschaft gelten, wie sie zu verstehen sind und wie sie auf konkrete Sachverhalte angewendet werden. Dabei geht es nicht um das bloße Kennen von Gesetzestexten, sondern um die Fähigkeit, einen Lebenssachverhalt rechtlich einzuordnen und eine vertretbare, sauber begründete Lösung zu entwickeln.
Das Fach gliedert sich traditionell in drei große Bereiche: das Zivilrecht (Beziehungen zwischen Privatpersonen und Unternehmen, etwa Kauf, Miete, Schadensersatz), das Öffentliche Recht (Verhältnis zwischen Staat und Bürger, etwa Verfassungs- und Verwaltungsrecht) sowie das Strafrecht (staatliche Reaktion auf Rechtsverstöße). Hinzu kommen Querschnittsbereiche wie das Europarecht, das Arbeitsrecht oder das Wirtschaftsrecht, die in vielen Fernstudiengängen besonderes Gewicht haben.
Charakteristisch für die Rechtswissenschaft ist die juristische Methodik: das strukturierte Vorgehen, mit dem aus abstrakten Normen konkrete Ergebnisse abgeleitet werden. Wer dieses Handwerk beherrscht, kann Verträge prüfen, Risiken einschätzen und Entscheidungen rechtssicher vorbereiten – Fähigkeiten, die in nahezu jeder Branche gefragt sind.
Wichtig ist, das Fach nicht mit reiner Theorie gleichzusetzen. Recht ist anwendungsorientiert: Hinter jeder Norm steht ein gesellschaftliches Interesse, ein Ausgleich von Positionen oder eine politische Entscheidung. Wer Rechtswissenschaften studiert, lernt deshalb auch, Normen in ihrem Zusammenhang zu lesen, ihren Sinn und Zweck zu erfassen und unterschiedliche Auslegungen gegeneinander abzuwägen. Diese Fähigkeit zur differenzierten Argumentation gehört zu den dauerhaft wertvollsten Erträgen eines juristischen Studiums – unabhängig davon, in welchem Beruf man später landet.
Studieninhalte und Schwerpunkte im Fernstudium
Ein rechtswissenschaftliches Fernstudium baut in der Regel modular auf. Zu Beginn stehen die Grundlagen: Einführung in das Recht, juristische Arbeitstechnik, Methodenlehre und die Systematik des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Darauf folgen vertiefende Module zu den großen Rechtsgebieten, oft ergänzt durch wirtschaftlich oder praxisnah ausgerichtete Inhalte.
Typische Inhalte und Schwerpunkte sind:
- Bürgerliches Recht: Vertragsrecht, Schuldrecht, Sachenrecht
- Handels- und Gesellschaftsrecht sowie Wirtschaftsrecht
- Arbeitsrecht, individuelles und kollektives
- Öffentliches Recht: Verfassungs- und Verwaltungsrecht
- Europa- und internationales Recht
- Grundzüge des Strafrechts
- Rechtsmethodik, Vertragsgestaltung und Compliance
Je nach Programm lassen sich Schwerpunkte setzen, etwa im Wirtschaftsrecht, im Steuerrecht, im IT- und Datenschutzrecht oder im Personalwesen. Gerade die wirtschaftsrechtlichen Fernstudiengänge richten sich an Menschen, die rechtliches Wissen unmittelbar in betrieblichen Zusammenhängen einsetzen wollen, ohne den Weg zum klassischen Anwaltsberuf einschlagen zu müssen.
Ein wesentlicher Teil des Studiums besteht aus der Falllösung. Anhand erdachter Sachverhalte wird geübt, ein juristisches Problem zu erkennen, die einschlägigen Normen zu finden und eine schlüssige Lösung im sogenannten Gutachtenstil zu entwickeln. Diese Arbeitsweise ist anfangs ungewohnt, wird aber zur zweiten Natur und ist der Kern dessen, was juristisches Denken ausmacht. Im Fernstudium werden solche Fälle über Übungsaufgaben, Einsendearbeiten und betreute Online-Foren trainiert, sodass auch ohne festen Hörsaal eine kontinuierliche Rückmeldung entsteht.
Viele Fernstudiengänge im Rechtsbereich legen zudem Wert auf überfachliche Kompetenzen. Dazu zählen wissenschaftliches Arbeiten, Recherche in Gesetzes- und Urteilsdatenbanken, Vertragsgestaltung sowie Grundlagen aus Betriebswirtschaft und Englisch für juristische Kontexte. Diese Mischung macht Absolventinnen und Absolventen gerade für Unternehmen interessant, die Mitarbeitende mit rechtlichem und wirtschaftlichem Verständnis suchen.
Fernstudium oder Ausbildung?
Neben dem Studium gibt es im Rechtsbereich auch den Weg über eine Ausbildung. Die bekannteste ist die Ausbildung zum oder zur Rechtsanwaltsfachangestellten, daneben gibt es Notarfachangestellte oder die Verwaltungsausbildung im öffentlichen Dienst. Diese Wege unterscheiden sich grundlegend von einem rechtswissenschaftlichen Fernstudium – in Dauer, Kosten, Abschluss und Zielsetzung.
Eine duale Ausbildung dauert meist drei Jahre, wird vergütet und ist stark praxisorientiert. Im Vordergrund stehen Kanzlei- oder Behördenorganisation, Aktenführung, Fristen, Kostenrecht und der Umgang mit Mandanten. Der Abschluss ist ein anerkannter Ausbildungsberuf, der direkt in das Berufsleben führt. Wer eher organisatorisch und unterstützend im juristischen Umfeld arbeiten möchte, ist mit einer Ausbildung oft passend aufgestellt.
Ein Fernstudium der Rechtswissenschaften zielt dagegen auf konzeptionelles, eigenständiges juristisches Arbeiten. Es vermittelt nicht nur Abläufe, sondern die Fähigkeit, rechtliche Fragen selbst zu beurteilen. Die Studiendauer liegt je nach Abschluss und Tempo bei mehreren Jahren, die Kosten bewegen sich im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich, und der Abschluss (LL.B. oder LL.M.) ist ein akademischer Grad. Dafür ist das Fernstudium berufsbegleitend möglich und flexibel.
Voraussetzungen und Zugang
Für ein rechtswissenschaftliches Fernstudium auf Bachelorniveau ist in der Regel die allgemeine Hochschulreife, die Fachhochschulreife oder ein gleichwertiger Abschluss erforderlich. An vielen Hochschulen ist der Zugang inzwischen auch ohne Abitur möglich, etwa über eine abgeschlossene Berufsausbildung kombiniert mit einschlägiger Berufserfahrung. Die genauen Bedingungen unterscheiden sich je nach Bundesland und Anbieter.
Für ein Masterprogramm (LL.M.) wird üblicherweise ein erster Hochschulabschluss vorausgesetzt – je nach Ausrichtung ein juristischer oder ein wirtschaftswissenschaftlicher Abschluss. Manche weiterbildenden Master verlangen zusätzlich Berufserfahrung, weil sie stark auf die Praxis ausgerichtet sind.
Unabhängig vom formalen Zugang sollten Interessierte ein gutes sprachliches Ausdrucksvermögen, Freude an strukturiertem Denken und Ausdauer mitbringen. Juristisches Lernen ist textlastig und verlangt Genauigkeit. Wer gern argumentiert, sorgfältig liest und sich auch in trockene Materie einarbeiten kann, bringt gute Voraussetzungen mit.
Beim Fernstudium kommt eine weitere, oft unterschätzte Voraussetzung hinzu: Selbstorganisation. Da der äußere Rahmen eines klassischen Stundenplans fehlt, müssen Lernzeiten eigenständig geplant und über Monate hinweg durchgehalten werden. Wer Beruf, Familie und Studium unter einen Hut bringen möchte, sollte realistisch einschätzen, wie viel Zeit dauerhaft zur Verfügung steht. Viele Hochschulen bieten vor Studienbeginn eine kostenlose Beratung oder einen Testzugang an, mit dem sich Material und Lernrhythmus unverbindlich ausprobieren lassen – eine sinnvolle Möglichkeit, die eigene Eignung zu prüfen.
Dauer, Ablauf und Kosten
Die Dauer eines rechtswissenschaftlichen Fernstudiums hängt stark vom angestrebten Abschluss und vom individuellen Lerntempo ab. Ein Bachelor of Laws ist in Vollzeit oft in etwa drei bis vier Jahren zu schaffen, berufsbegleitend dauert er entsprechend länger. Ein Master ist je nach Format in rund zwei bis vier Semestern angelegt. Viele Anbieter erlauben eine kostenlose Verlängerung der Regelstudienzeit, was den Druck für Berufstätige spürbar senkt.
Der Ablauf folgt typischerweise dem Fernstudienprinzip: Lernmaterialien und Skripte werden online oder als Studienhefte bereitgestellt, ergänzt durch Lernvideos, Webinare und Online-Tutorien. Das Selbststudium steht im Mittelpunkt, betreut durch Lehrende, die per Mail oder Lernplattform erreichbar sind. Prüfungen werden je nach Hochschule als Online-Klausuren, Präsenzklausuren an Prüfungszentren oder als Einsendearbeiten und Hausarbeiten abgenommen.
Die Kosten variieren erheblich. Staatliche Fernhochschulen sind häufig günstiger als private Anbieter. Insgesamt sollte man je nach Abschluss und Hochschule mit einem Betrag im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich rechnen, bei umfangreicheren Programmen auch darüber. Hinzu kommen mögliche Prüfungs- oder Materialgebühren. Es lohnt sich, Förderungen zu prüfen – etwa Bildungsprämien, Steuervorteile oder Unterstützung durch den Arbeitgeber.
Bei der Auswahl eines Programms sollten Interessierte nicht allein auf den Preis schauen. Entscheidend sind auch die Akkreditierung des Studiengangs, die Betreuungsqualität, die Anzahl und Lage der Prüfungsorte sowie die Flexibilität bei der Studiendauer. Ein günstiger Anbieter nützt wenig, wenn Prüfungen nur an wenigen, weit entfernten Orten stattfinden oder die Verlängerung kostenpflichtig ist. Ein genauer Blick in die Studien- und Prüfungsordnung vor der Anmeldung erspart spätere Überraschungen.
Karriere, Einsatzfelder und Gehalt
Wer ein rechtswissenschaftliches Fernstudium abschließt, erschließt sich Tätigkeitsfelder an der Schnittstelle von Recht und Wirtschaft. Wichtig ist die ehrliche Klarstellung: Die klassischen reglementierten Berufe – Richterin, Staatsanwalt, Rechtsanwältin – setzen das Staatsexamen voraus und stehen mit einem LL.B. oder LL.M. allein nicht offen. Dennoch gibt es ein breites Spektrum attraktiver Einsatzfelder.
Typische Bereiche sind:
- Rechtsabteilungen von Unternehmen (Legal, Compliance)
- Personal- und Arbeitsrecht in HR-Abteilungen
- Vertragsmanagement und Einkauf
- Datenschutz und IT-Recht
- Verbände, Versicherungen und Banken
- Öffentliche Verwaltung und Behörden
Das Gehalt lässt sich seriös nur als grobe Spanne angeben, da es stark von Abschluss, Branche, Region und Berufserfahrung abhängt. Einstiegsgehälter im rechtsnahen Wirtschaftsumfeld bewegen sich häufig im unteren bis mittleren Bereich, mit Berufserfahrung und Verantwortung sind deutlich höhere Werte möglich. Spezialisierungen wie Compliance, Datenschutz oder Steuerrecht können sich positiv auswirken. Wer schon im Beruf steht, nutzt das Fernstudium oft, um Aufstieg und Spezialisierung zu verbinden.
Ein wichtiger Vorteil des berufsbegleitenden Wegs liegt darin, dass theoretisches Wissen unmittelbar im Arbeitsalltag erprobt werden kann. Wer etwa in einer Personalabteilung arbeitet und parallel Arbeitsrecht studiert, erkennt schnell die praktische Relevanz des Gelernten und kann es direkt anwenden. Diese Verzahnung von Studium und Beruf wird von Arbeitgebern häufig geschätzt und kann bei Bewerbungen oder internen Beförderungen ein echtes Plus sein. Anders als bei einem reinen Vollzeitstudium bleibt zudem das Einkommen während der Studienzeit erhalten.
Häufige Fragen zum Fernstudium Rechtswissenschaften
Ein Fernstudium der Rechtswissenschaften ist kein Abkürzungsweg zum Anwaltsberuf, aber ein flexibler und solider Weg, sich rechtliches Fachwissen formell anzueignen – besonders an der Schnittstelle von Recht und Wirtschaft. Wer ehrlich abwägt, welcher Abschluss zu den eigenen Zielen passt, und Ausbildung wie Studium nüchtern vergleicht, trifft eine tragfähige Entscheidung. Berufstätige profitieren dabei von der zeitlichen Flexibilität, die ein Fernstudium gegenüber Präsenzformaten bietet.
Wer mit dem Gedanken spielt, sollte vor der Entscheidung die Ziele klar benennen: Geht es um den Aufstieg im aktuellen Beruf, um einen Branchenwechsel oder um die fundierte Spezialisierung in einem Rechtsgebiet? Aus dieser Klarheit ergibt sich fast von selbst, welcher Abschluss und welches Format am besten passen. Ein offenes Gespräch mit der Studienberatung der jeweiligen Hochschule sowie ein Blick in Erfahrungsberichte anderer Fernstudierender helfen zusätzlich, die Erwartungen mit der Realität abzugleichen. So beginnt das Studium nicht mit einem Sprung ins Ungewisse, sondern auf einer informierten und tragfähigen Grundlage.
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