Fernstudium Internationale Beziehungen
Redaktionell geprüft von der Fernstudium – Berufsbegleitend studieren-Redaktion · Aktualisiert: · Lesezeit: ca. 9 Min
Kriege, Klimaverhandlungen, Handelsabkommen, internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen oder die Europäische Union: Wer die Nachrichten verfolgt, stößt täglich auf Fragen, die sich nur grenzüberschreitend beantworten lassen. Das Fach Internationale Beziehungen beschäftigt sich genau damit – mit dem Zusammenspiel von Staaten, internationalen Organisationen, Unternehmen und nichtstaatlichen Akteuren. Es verbindet Politikwissenschaft, Recht, Wirtschaft und Geschichte zu einer Perspektive auf die globale Ordnung und ihre Konflikte. Für viele Interessierte ist das ein faszinierendes, aber auch anspruchsvolles Feld, weil es analytisches Denken, sprachliche Kompetenz und ein Verständnis für komplexe Zusammenhänge verlangt.
Die naheliegende Frage lautet: Lässt sich Internationale Beziehungen überhaupt im Fernstudium studieren – berufsbegleitend, ortsunabhängig und neben dem Job? Die ehrliche Antwort ist differenziert. Reine Fernstudiengänge mit ausschließlich diesem Titel sind in Deutschland selten; häufiger findet man das Thema als Schwerpunkt, Vertiefung oder Spezialisierung innerhalb von Studiengängen wie Politikwissenschaft, International Relations, European Studies oder Global Studies. Manche Programme sind vollständig online organisiert, andere kombinieren Selbststudium mit Präsenzphasen oder Online-Seminaren. Dieser Ratgeber ordnet ein, was im Fernstudium realistisch möglich ist, welche Inhalte und Voraussetzungen dazugehören und wie sich der Weg von einer klassischen Ausbildung unterscheidet.
Inhaltsverzeichnis
Wichtige Punkte
- Internationale Beziehungen verbindet Politik, Recht, Wirtschaft und Geschichte mit globalem Fokus.
- Im Fernstudium meist als Schwerpunkt in Politikwissenschaft, International Relations oder European Studies vertreten.
- Viele Programme sind berufsbegleitend organisiert, einige verlangen Präsenz- oder Online-Seminarphasen.
- Englischkenntnisse sind in diesem Fach fast durchgängig erforderlich, oft auf hohem Niveau.
- Eine klassische Ausbildung gibt es für dieses Themenfeld nicht – der Zugang läuft über ein Studium.
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Was sind Internationale Beziehungen?
Internationale Beziehungen – im englischen Sprachraum International Relations, kurz IR – ist eine Teildisziplin der Politikwissenschaft, die sich mit den Beziehungen zwischen Staaten und anderen Akteuren auf der globalen Ebene befasst. Im Zentrum stehen Fragen nach Krieg und Frieden, internationaler Sicherheit, Diplomatie, Außenpolitik, Welthandel, Entwicklung und der Rolle internationaler Institutionen. Wer sich für das Fach interessiert, beschäftigt sich also nicht nur mit Regierungen, sondern auch mit Organisationen wie UNO, NATO, Weltbank oder EU sowie mit Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und transnationalen Bewegungen.
Charakteristisch für das Fach ist sein theoretischer Unterbau. Verschiedene Denkschulen – etwa Realismus, Liberalismus oder konstruktivistische Ansätze – bieten unterschiedliche Erklärungen dafür, warum Staaten so handeln, wie sie handeln. Diese Theorien sind kein Selbstzweck, sondern Werkzeuge, um aktuelle Konflikte, Allianzen und Verhandlungsprozesse zu deuten. Daneben spielen empirische Methoden eine Rolle: Datenanalyse, Fallstudien und der Vergleich politischer Systeme gehören zum Handwerkszeug.
Wichtig zur Einordnung: Internationale Beziehungen ist ein wissenschaftliches Fach, kein eng umrissener Beruf. Es qualifiziert nicht für eine einzelne Tätigkeit, sondern eröffnet ein breites Feld – von der Diplomatie über internationale Organisationen bis hin zu Beratung, Medien und Wirtschaft. Genau diese Breite macht das Fach attraktiv, verlangt aber auch, dass man sich frühzeitig über eigene Schwerpunkte und mögliche Berufswege Gedanken macht.
Studieninhalte und Schwerpunkte
Die Inhalte eines Studiums mit Schwerpunkt Internationale Beziehungen sind interdisziplinär. In den ersten Semestern stehen häufig Grundlagen der Politikwissenschaft, der internationalen Politik, des Völkerrechts und der Volkswirtschaftslehre auf dem Programm. Hinzu kommen wissenschaftliches Arbeiten und Methodenkenntnisse, weil das Verfassen analytischer Texte und der Umgang mit Quellen zentrale Kompetenzen sind.
In höheren Semestern oder im Masterstudium folgen Vertiefungen. Typische Schwerpunkte sind internationale Sicherheitspolitik, Außen- und Diplomatiegeschichte, internationale politische Ökonomie, Friedens- und Konfliktforschung, Menschenrechte, europäische Integration oder Regionalstudien zu bestimmten Weltregionen. Viele Programme erlauben es, einen eigenen thematischen oder regionalen Fokus zu setzen, etwa auf den Nahen Osten, Ostasien oder die transatlantischen Beziehungen.
Sprachen nehmen einen besonderen Stellenwert ein. Englisch ist faktisch Pflicht, da ein großer Teil der Fachliteratur und der internationalen Kommunikation englischsprachig ist. Eine zweite Fremdsprache ist in vielen Studiengängen erwünscht oder verpflichtend. Im Fernstudium wird das Sprachtraining unterschiedlich gehandhabt: Manche Programme setzen vorhandene Kenntnisse voraus, andere bieten begleitende Sprachmodule an.
Fernstudium oder Ausbildung?
Eine klassische duale Ausbildung speziell für Internationale Beziehungen gibt es nicht. Das Themenfeld ist akademisch geprägt und wird über ein Hochschulstudium erschlossen. Wer dennoch früh praktisch in international ausgerichtete Tätigkeiten einsteigen möchte, kann angrenzende Ausbildungsberufe in den Blick nehmen – etwa eine kaufmännische Ausbildung im Bereich Groß- und Außenhandel, eine Ausbildung im öffentlichen Dienst oder eine fremdsprachensekretariatsnahe Ausbildung. Diese Wege führen aber nicht direkt in die Diplomatie oder in internationale Organisationen, sondern bilden allenfalls eine Grundlage.
Der ehrliche Vergleich sieht so aus: Eine Ausbildung dauert in der Regel zwei bis dreieinhalb Jahre, ist vergütet und endet mit einem anerkannten Berufsabschluss. Sie vermittelt praktische, anwendungsnahe Kompetenzen und ermöglicht einen schnellen Berufseinstieg. Für das Berufsfeld Internationale Beziehungen im engeren Sinne reicht sie jedoch meist nicht aus, weil viele Stellen – vor allem im höheren Dienst, in internationalen Organisationen oder in der Forschung – einen akademischen Abschluss voraussetzen.
Ein Fernstudium hingegen dauert für den Bachelor meist sechs bis acht Semester in Teilzeit, beim Master entsprechend kürzer, verursacht Kosten und führt zu einem Hochschulabschluss. Es ist die deutlich passendere Wahl, wenn man dieses Themenfeld tatsächlich zum beruflichen Schwerpunkt machen will. Der große Vorteil des Fernstudiums gegenüber einem Präsenzstudium liegt in der Vereinbarkeit: Wer bereits arbeitet – etwa in einer Behörde, einem Unternehmen mit Auslandsbezug oder einer NGO – kann berufsbegleitend studieren und das Gelernte direkt einordnen.
Zur Eignung: Eine Ausbildung passt zu Menschen, die schnell praktisch arbeiten und Geld verdienen wollen. Das Fernstudium passt zu denen, die selbstdiszipliniert lernen, ein hohes Lesepensum bewältigen und ein akademisch geprägtes Berufsziel verfolgen. Beide Wege schließen sich nicht aus – eine Ausbildung kann als Fundament dienen, auf dem ein berufsbegleitendes Studium aufbaut.
Voraussetzungen und Zugang
Für ein Bachelorstudium mit Schwerpunkt Internationale Beziehungen ist in der Regel die allgemeine Hochschulreife oder die Fachhochschulreife erforderlich. Viele Fernhochschulen ermöglichen den Zugang aber auch ohne Abitur, wenn eine abgeschlossene Berufsausbildung und einschlägige Berufserfahrung vorliegen. Hier lohnt es sich, die konkreten Aufnahmebedingungen der jeweiligen Hochschule zu prüfen, da sie sich unterscheiden.
Für ein Masterstudium wird ein erster Hochschulabschluss vorausgesetzt, häufig in einem fachverwandten Bereich wie Politikwissenschaft, Sozialwissenschaften, Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften. Manche Programme verlangen zudem den Nachweis bestimmter Vorkenntnisse oder ein Motivationsschreiben.
Eine Besonderheit dieses Fachs sind die Sprachanforderungen. Da englischsprachige Literatur und teils auch englischsprachige Lehrveranstaltungen den Alltag prägen, verlangen viele Studiengänge einen Nachweis englischer Sprachkenntnisse, etwa über anerkannte Sprachtests. Wer hier solide aufgestellt ist, hat es im Studium deutlich leichter. Neben den formalen Kriterien sind persönliche Eigenschaften entscheidend: Interesse an Politik und Zeitgeschehen, analytisches Denken, Ausdauer beim Lesen und die Fähigkeit, sich eigenständig zu organisieren.
Dauer, Ablauf und Kosten
Ein Bachelor-Fernstudium dauert in Vollzeit meist sechs Semester, berufsbegleitend in Teilzeit oft acht bis zwölf Semester. Ein Master umfasst je nach Modell zwei bis fünf Semester. Viele Fernhochschulen bieten flexible Modelle an, bei denen sich die Studiendauer dem persönlichen Lerntempo anpassen lässt – das ist gerade für Berufstätige ein wichtiges Kriterium.
Der Ablauf basiert überwiegend auf Selbststudium mit digitalen Lernmaterialien, Online-Vorlesungen und betreuten Aufgaben. Prüfungen werden teils online, teils an Prüfungszentren abgelegt. Bei Studiengängen mit internationalem Bezug kommen häufig Online-Seminare, Diskussionsforen oder Gruppenarbeiten hinzu, weil der Austausch über kontroverse politische Fragen zum Lernkonzept gehört. Manche Programme sehen freiwillige oder verpflichtende Präsenzphasen vor.
Bei den Kosten ist Vorsicht vor pauschalen Angaben angebracht. Die Studiengebühren privater Fernhochschulen bewegen sich in der Regel im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich für einen kompletten Studiengang, teils auch darüber. Staatliche Fernhochschulen sind deutlich günstiger, haben dafür aber ein anderes Betreuungsmodell. Hinzu kommen mögliche Kosten für Prüfungen, Literatur und Präsenztermine. Es lohnt sich, mehrere Anbieter zu vergleichen und die Gesamtkosten über die geplante Studiendauer zu betrachten, statt nur auf die monatliche Rate zu schauen.
Karriere, Einsatzfelder und Gehalt
Internationale Beziehungen öffnet ein breites Spektrum an Einsatzfeldern, ohne auf einen einzigen Beruf festgelegt zu sein. Klassische Wege führen in den auswärtigen Dienst und in Ministerien, in internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen oder die EU, in Nichtregierungsorganisationen, in politische Stiftungen und in die Entwicklungszusammenarbeit. Daneben sind Absolventinnen und Absolventen in Verbänden, in der Unternehmensberatung, im internationalen Geschäft von Unternehmen, in Medien und im Wissenschaftsbetrieb tätig.
Gerade für die begehrten Positionen in der Diplomatie oder in internationalen Organisationen ist der Wettbewerb hoch. Hier zählen neben dem Abschluss oft mehrere Faktoren: Praktika, Auslandserfahrung, Sprachkenntnisse und ein klares Profil. Das berufsbegleitende Fernstudium kann hier ein Baustein sein, ersetzt aber nicht die praktische Erfahrung, die viele Arbeitgeber erwarten.
Beim Gehalt ist Zurückhaltung geboten, weil die Bandbreite enorm ist. Sie hängt stark von Branche, Arbeitgeber, Region und Position ab. Im öffentlichen Dienst richtet sich die Vergütung nach Tarif und Eingruppierung, in der Privatwirtschaft kann sie deutlich höher oder niedriger ausfallen. Einstiegspositionen liegen häufig im unteren bis mittleren Bereich akademischer Gehälter, mit Erfahrung, Spezialisierung und Verantwortung ist mehr möglich. Konkrete Zahlen lassen sich seriös nur im Einzelfall nennen – wer hier mit festen Versprechen lockt, sollte skeptisch machen.
Für wen sich das Fernstudium eignet
Ein Fernstudium mit Schwerpunkt Internationale Beziehungen eignet sich besonders für Menschen, die sich für Politik, Geschichte und globale Zusammenhänge begeistern und gleichzeitig flexibel lernen müssen oder wollen. Das betrifft Berufstätige, die sich neben dem Job weiterqualifizieren, Menschen mit familiären Verpflichtungen oder Interessierte, die ortsunabhängig studieren möchten – etwa, weil sie selbst im Ausland leben.
Realistisch sein sollte man bei der Belastung. Das Fach erfordert ein hohes Lesepensum, oft in englischer Sprache, sowie die Disziplin, sich eigenständig durch komplexe Theorien und aktuelle Debatten zu arbeiten. Wer das mit Beruf und Privatleben verbinden will, braucht ein gutes Zeitmanagement und ein klares Ziel vor Augen. Wer diese Voraussetzungen mitbringt, findet im Fernstudium einen flexiblen Weg, sich ein anspruchsvolles und gesellschaftlich relevantes Themenfeld zu erschließen.
Häufige Fragen zum Fernstudium Internationale Beziehungen
Internationale Beziehungen im Fernstudium ist ein anspruchsvoller, aber lohnender Weg für alle, die globale Politik verstehen und beruflich mit internationalen Themen arbeiten wollen. Wichtig ist, das Format genau zu prüfen, realistische Erwartungen an Aufwand und Berufschancen mitzubringen und die Studiengebühren mehrerer Anbieter zu vergleichen. Wer Interesse, Ausdauer und gute Englischkenntnisse mitbringt, findet hier eine flexible Möglichkeit, sich ein gesellschaftlich hochrelevantes Themenfeld zu erschließen.
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