Fernstudium Rechtsfachwirt
Redaktionell geprüft von der Fernstudium – Berufsbegleitend studieren-Redaktion · Aktualisiert: · Lesezeit: ca. 9 Min
Rechtsanwaltskanzleien funktionieren nur dann reibungslos, wenn im Hintergrund Menschen die organisatorische und kaufmännische Seite zuverlässig steuern. Genau hier setzt der Geprüfte Rechtsfachwirt beziehungsweise die Geprüfte Rechtsfachwirtin an: ein anerkannter Fortbildungsabschluss für Menschen, die bereits im rechtlichen Umfeld arbeiten und sich fachlich wie organisatorisch weiterentwickeln möchten. Wer als Rechtsanwaltsfachangestellte oder Rechtsanwaltsfachangestellter tätig ist, kennt das Berufsbild meist als logischen nächsten Schritt nach oben – hin zu mehr Verantwortung, eigenständigerer Mandatsbearbeitung und einer Position zwischen Sachbearbeitung und Kanzleileitung.
Doch lässt sich diese Qualifikation auch berufsbegleitend per Fernstudium erreichen? Diese Frage stellen sich viele Interessierte, die nicht für Wochen oder Monate aus dem Berufsalltag aussteigen können. Die kurze und ehrliche Antwort vorweg: Der Weg zum Rechtsfachwirt ist über Fernunterricht beziehungsweise berufsbegleitende Lehrgänge gut machbar, allerdings handelt es sich formal nicht um ein akademisches Hochschul-Fernstudium, sondern um eine Aufstiegsfortbildung nach dem Berufsbildungsgesetz, die mit einer Prüfung vor der Rechtsanwaltskammer endet. Dieser Ratgeber ordnet ein, was hinter dem Abschluss steckt, wie das Lernen aus der Ferne organisiert ist und für wen sich der Aufwand lohnt.
Inhaltsverzeichnis
Wichtige Punkte
- Der Rechtsfachwirt ist eine anerkannte Aufstiegsfortbildung, kein Hochschulstudium – der Abschluss wird vor der Rechtsanwaltskammer abgelegt.
- Berufsbegleitendes Lernen per Fernlehrgang ist verbreitet und gut mit dem Job in einer Kanzlei kombinierbar.
- Zugangsvoraussetzung ist in der Regel eine abgeschlossene Ausbildung zur/zum Rechtsanwaltsfachangestellten plus Berufspraxis.
- Inhalte reichen von Vergütungs- und Zwangsvollstreckungsrecht über Büroorganisation bis zu Personalführung.
- Die Kosten bewegen sich meist im mittleren vierstelligen Bereich, je nach Anbieter und Förderung.
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Was ist ein Rechtsfachwirt?
Der Geprüfte Rechtsfachwirt ist ein bundesweit anerkannter Fortbildungsabschluss, der inhaltlich auf der Ausbildung zur oder zum Rechtsanwaltsfachangestellten aufbaut. Während die Ausbildung die Grundlagen der Kanzleiarbeit vermittelt, befähigt die Fortbildung dazu, anspruchsvollere Aufgaben eigenständig zu übernehmen und Teile der Kanzleiorganisation zu verantworten. Man kann sich die Rolle als Bindeglied zwischen dem sachbearbeitenden Team und der anwaltlichen Leitung vorstellen.
Typische Tätigkeiten reichen von der eigenständigen Bearbeitung von Kostenfestsetzungen und Vergütungsfragen über die Organisation des Fristen- und Aktenwesens bis hin zur Einarbeitung neuer Mitarbeitender. In vielen Kanzleien übernehmen Rechtsfachwirtinnen und Rechtsfachwirte auch Aufgaben im Forderungs- und Mahnwesen, in der Zwangsvollstreckung oder in der Mandatsbuchhaltung. Der Abschluss signalisiert Arbeitgebern, dass jemand nicht nur die Abläufe beherrscht, sondern auch die rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge dahinter versteht.
Wichtig zur Einordnung: Der Rechtsfachwirt ist auf der Fortbildungsebene angesiedelt, die im Deutschen Qualifikationsrahmen häufig mit einem Bachelorabschluss verglichen wird, ohne jedoch ein Hochschulstudium zu sein. Es handelt sich also nicht um eine juristische Ausbildung im Sinne eines Jura-Studiums, sondern um eine praxisnahe Spezialisierung für das Kanzleimanagement.
Studieninhalte und Schwerpunkte
Die Lehrgänge orientieren sich an der Prüfungsordnung der Rechtsanwaltskammern und decken ein breites Spektrum ab. Im Zentrum stehen die rechtlichen Fachgebiete, die im Kanzleialltag besonders relevant sind. Dazu zählen das Vergütungs- und Kostenrecht, das Zwangsvollstreckungsrecht sowie Grundzüge des materiellen und prozessualen Rechts, soweit sie für die tägliche Arbeit gebraucht werden.
Neben den juristisch geprägten Themen nimmt die betriebswirtschaftliche und organisatorische Komponente viel Raum ein. Hierzu gehören Büroorganisation und Kanzleimanagement, Rechnungswesen und Controlling für die Kanzlei sowie Grundlagen des Marketings. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Personalwesen und Mitarbeiterführung, denn Rechtsfachwirte sollen in der Lage sein, Teams anzuleiten und Auszubildende zu betreuen.
Ergänzt wird das Programm meist durch Module zur Kommunikation, zur Mandantenbetreuung und zur Anwendung von Kanzleisoftware. Diese Mischung aus Recht, Betriebswirtschaft und Führung macht den Abschluss aus und unterscheidet ihn deutlich von einer reinen Fachvertiefung.
Fernstudium oder Ausbildung?
Hier ist eine saubere Abgrenzung wichtig, weil die Begriffe leicht durcheinandergehen. Die Ausbildung zur oder zum Rechtsanwaltsfachangestellten ist eine klassische duale Berufsausbildung, die in der Regel drei Jahre dauert, in Betrieb und Berufsschule stattfindet und mit einer Kammerprüfung endet. Sie ist die Eintrittskarte ins Berufsfeld und üblicherweise die Voraussetzung dafür, sich später zum Rechtsfachwirt fortzubilden.
Der Rechtsfachwirt selbst ist dagegen keine Erstausbildung, sondern eine Aufstiegsfortbildung, die auf dieser Ausbildung aufsetzt. Die Frage lautet bei dieser Stufe also weniger Fernstudium oder Ausbildung, sondern eher: Bereite ich mich auf die Fortbildungsprüfung im berufsbegleitenden Fernlehrgang oder in einem Präsenzlehrgang vor? Wer ganz am Anfang steht und noch keine kaufmännische oder rechtliche Basis hat, muss dagegen zuerst die Ausbildung absolvieren, bevor die Fortbildung überhaupt zugänglich ist.
Vergleicht man die beiden Wege, ergibt sich ein klares Bild. Die Ausbildung dauert mehrere Jahre, ist vergütet statt kostenpflichtig und vermittelt Grundlagen. Die Fortbildung zum Rechtsfachwirt dauert je nach Format etwa ein bis zwei Jahre, ist mit Lehrgangskosten verbunden und setzt Vorwissen sowie Praxis voraus. Beim Abschluss steht auf der einen Seite ein Berufsabschluss, auf der anderen ein höherwertiger Fortbildungsabschluss, der bessere Aufstiegs- und Verdienstchancen eröffnen kann.
Für die Eignung heißt das: Wer noch keinen einschlägigen Berufsabschluss hat, beginnt sinnvollerweise mit der Ausbildung. Wer bereits als Rechtsanwaltsfachangestellte oder Rechtsanwaltsfachangestellter arbeitet und sich weiterentwickeln möchte, ist mit der berufsbegleitenden Fortbildung gut beraten – und kann diese dank Fernlehrgang flexibel neben dem Job absolvieren.
Voraussetzungen und Zugang
Die Zulassung zur Prüfung als Geprüfter Rechtsfachwirt ist an Bedingungen geknüpft, die von der jeweiligen Rechtsanwaltskammer festgelegt werden. In der Regel wird eine abgeschlossene Ausbildung zur oder zum Rechtsanwaltsfachangestellten und anschließende einschlägige Berufspraxis verlangt. Die geforderte Dauer der Berufspraxis kann variieren, weshalb ein Blick in die Vorgaben der zuständigen Kammer unverzichtbar ist.
Auch wer einen anderen kaufmännischen oder verwaltenden Abschluss mitbringt, kann unter Umständen zugelassen werden, wenn entsprechende Tätigkeitsnachweise vorliegen. Hier sind individuelle Konstellationen möglich, sodass eine frühzeitige Klärung mit der Kammer ratsam ist, bevor man sich für einen Lehrgang anmeldet.
Für den Fernlehrgang selbst gelten meist keine zusätzlichen formalen Hürden über die Prüfungszulassung hinaus. Wichtiger sind hier praktische Voraussetzungen: ein ruhiger Lernplatz, Selbstdisziplin und die Bereitschaft, über viele Monate kontinuierlich Zeit zu investieren. Da das Lernen weitgehend eigenverantwortlich erfolgt, profitieren Menschen, die sich gut selbst organisieren können.
Dauer, Ablauf und Kosten
Berufsbegleitende Lehrgänge zur Vorbereitung auf die Rechtsfachwirt-Prüfung erstrecken sich je nach Anbieter und Lerntempo häufig über etwa zwölf bis vierundzwanzig Monate. Im Fernlehrgang erhalten Teilnehmende Studienhefte oder digitale Lernmaterialien, bearbeiten Einsendeaufgaben und werden online betreut. Viele Anbieter kombinieren das Selbststudium mit freiwilligen oder verpflichtenden Präsenz- beziehungsweise Online-Seminaren, in denen Prüfungsthemen vertieft und geübt werden.
Dieser hybride Charakter ist typisch: Reines Fernlernen ohne jeden direkten Austausch ist bei einer prüfungsorientierten Fortbildung eher die Ausnahme. Gerade die Klausurvorbereitung lebt vom Üben unter realistischen Bedingungen, weshalb Präsenz- oder Live-Online-Anteile sinnvoll sind. Wer einen Anbieter wählt, sollte deshalb prüfen, in welchem Umfang solche Elemente enthalten sind und ob sie zeitlich zum eigenen Arbeitsalltag passen.
Bei den Kosten lässt sich keine pauschale Zahl nennen, da sie stark vom Anbieter, vom Leistungsumfang und von eventuellen Präsenzseminaren abhängen. In der Praxis bewegen sich die Lehrgangsgebühren häufig im mittleren vierstelligen Bereich. Hinzu kommen Prüfungsgebühren der Kammer sowie gegebenenfalls Fahrt- und Materialkosten. Wer die Belastung abfedern möchte, sollte Fördermöglichkeiten prüfen – das Aufstiegs-BAföG kann Aufstiegsfortbildungen wie diese unter bestimmten Bedingungen unterstützen.
Karriere, Einsatzfelder und Gehalt
Mit dem Abschluss als Rechtsfachwirt eröffnen sich innerhalb von Kanzleien neue Perspektiven. Häufig führt der Weg in Positionen mit erweiterter Verantwortung, etwa als rechte Hand der Kanzleileitung, in der Büroleitung oder in der Koordination von Sachbearbeitungsteams. In größeren Kanzleien kann die Qualifikation den Sprung in spezialisierte Funktionen wie das Kosten- und Vergütungsmanagement oder die Personalverantwortung erleichtern.
Über Kanzleien hinaus sind Einsatzfelder auch in Rechtsabteilungen von Unternehmen, bei Verbänden, Notariaten oder im weiteren rechtsnahen Dienstleistungssektor denkbar, wenn organisatorisches und rechtliches Know-how gefragt ist. Die konkrete Verwertbarkeit hängt aber vom Arbeitsmarkt vor Ort und von der jeweiligen Spezialisierung ab.
Ein weiterer, oft unterschätzter Vorteil ist die Durchlässigkeit nach oben. Da der Abschluss auf der Fortbildungsebene angesiedelt ist, kann er unter bestimmten Voraussetzungen den Zugang zu einem Hochschulstudium eröffnen – etwa zu einem berufsbegleitenden Bachelor im Bereich Wirtschaftsrecht oder Betriebswirtschaft. Wer langfristig plant, hält sich damit Optionen offen, ohne sich sofort festlegen zu müssen. Für viele bleibt die Tätigkeit als Rechtsfachwirt jedoch ein eigenständiges, attraktives Berufsziel und nicht nur eine Zwischenstation.
Beim Gehalt ist Zurückhaltung angebracht, da es von Region, Kanzleigröße, Berufserfahrung und Verhandlungsgeschick abhängt. Tendenziell kann der Abschluss zu einer spürbaren Verbesserung gegenüber der reinen Tätigkeit als Rechtsanwaltsfachangestellte oder Rechtsanwaltsfachangestellter führen. Realistisch bewegt sich das Einkommen oft im mittleren Bereich für qualifizierte kaufmännisch-rechtliche Fachkräfte, ohne dass sich eine allgemeingültige Zahl seriös angeben ließe. Wichtiger als jede Pauschalangabe ist, dass die Fortbildung die eigene Position im Bewerbungs- und Gehaltsgespräch stärkt.
Für wen sich der Weg lohnt
Die Fortbildung zum Rechtsfachwirt richtet sich vor allem an erfahrene Fachangestellte, die im rechtlichen Umfeld bleiben, aber mehr Verantwortung übernehmen wollen, ohne ein mehrjähriges Hochschulstudium zu beginnen. Wer Freude an Organisation, an juristischen Detailfragen und am Umgang mit Menschen hat, findet hier ein stimmiges Profil.
Weniger geeignet ist der Weg für Menschen, die eine klassische juristische Laufbahn als Anwältin oder Anwalt anstreben – dafür ist ein Jura-Studium notwendig. Auch wer keinerlei Vorerfahrung im rechtlichen Bereich mitbringt, sollte zunächst den Einstieg über eine Ausbildung in den Blick nehmen. Für alle dazwischen ist der berufsbegleitende Fernlehrgang ein realistischer, gut planbarer Aufstiegsweg, der sich neben dem Beruf bewältigen lässt.
Eine ehrliche Selbsteinschätzung gehört dazu: Die Doppelbelastung aus Vollzeitjob und Prüfungsvorbereitung ist über viele Monate spürbar. Lernabende und Wochenenden sind während der intensiven Phasen keine Seltenheit. Wer ein unterstützendes Umfeld hat – sei es durch eine wohlwollende Kanzlei, die Lernzeiten ermöglicht, oder durch ein privates Umfeld, das Rücksicht nimmt – tut sich deutlich leichter. Es kann sich lohnen, vor der Anmeldung das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen, denn manche Kanzleien beteiligen sich an den Kosten oder gewähren Freiräume für die Vorbereitung, weil sie an qualifiziertem Nachwuchs interessiert sind.
Häufige Fragen zum Fernstudium Rechtsfachwirt
Der Rechtsfachwirt ist ein durchdachter Aufstiegsweg für alle, die im Kanzleiumfeld bereits Fuß gefasst haben und sich fachlich wie organisatorisch weiterentwickeln möchten. Als berufsbegleitender Fernlehrgang lässt er sich realistisch neben dem Job bewältigen, verlangt aber Ausdauer und eine ehrliche Einschätzung der eigenen Vorerfahrung. Wer die Voraussetzungen erfüllt und bereit ist, über ein bis zwei Jahre kontinuierlich zu lernen, gewinnt mit dem Abschluss eine anerkannte Qualifikation, die Türen zu mehr Verantwortung und besseren Perspektiven öffnen kann.
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