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Fernstudium Ingenieurwissenschaften

Brücken, die Lasten tragen, Maschinen, die zuverlässig laufen, Stromnetze, die auch bei Spitzenlast stabil bleiben – hinter all dem stehen Ingenieurinnen und Ingenieure. Die Ingenieurwissenschaften verbinden naturwissenschaftliche Grundlagen mit der Frage, wie sich technische Probleme praktisch und wirtschaftlich lösen lassen. Wer sich für Technik, Mathematik und das systematische Tüfteln an Lösungen interessiert, findet hier ein breites und gefragtes Berufsfeld, das von der Produktentwicklung über die Energietechnik bis zur Digitalisierung von Fabriken reicht.

Doch lässt sich ein so praxis- und laborlastiges Fach überhaupt aus der Ferne studieren? Die ehrliche Antwort: teilweise ja, aber mit Einschränkungen. Theorie, Konstruktionslehre, Mathematik und viele Vertiefungen lassen sich gut über ein Fernstudium vermitteln. Praktische Anteile wie Labore, Werkstätten oder bestimmte Versuche erfordern dagegen fast immer Präsenzphasen. Dieser Ratgeber ordnet ein, wie ein Fernstudium der Ingenieurwissenschaften berufsbegleitend funktioniert, wo seine Grenzen liegen und für wen sich dieser Weg lohnt.

Wichtige Punkte

  • Ingenieurwissenschaften sind als Fernstudium möglich, enthalten aber fast immer Pflicht-Präsenzphasen für Labore und Praktika.
  • Typische Abschlüsse sind Bachelor und Master, häufig in Fachrichtungen wie Maschinenbau, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen oder Mechatronik.
  • Ein gutes mathematisch-naturwissenschaftliches Verständnis ist die wichtigste Grundlage für ein erfolgreiches Studium.
  • Die Studiendauer liegt berufsbegleitend meist über der eines Vollzeitstudiums, dafür lässt sich der Job parallel weiterführen.
  • Eine technische Ausbildung kann eine Alternative oder ein sinnvoller Einstieg vor dem Studium sein – beides hat klare Vor- und Nachteile.

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Was sind Ingenieurwissenschaften?

Die Ingenieurwissenschaften umfassen alle Disziplinen, die sich mit der Entwicklung, Konstruktion, Herstellung und dem Betrieb technischer Systeme beschäftigen. Sie bauen auf Mathematik, Physik und Chemie auf, gehen aber über reine Grundlagenforschung hinaus: Im Zentrum steht die Anwendung, also die Frage, wie sich Wissen in funktionierende Produkte, Anlagen und Prozesse übersetzen lässt. Damit bilden sie eine Brücke zwischen Naturwissenschaft und praktischer Wertschöpfung.

Hinter dem Sammelbegriff verbirgt sich eine ganze Familie von Fachrichtungen. Dazu zählen unter anderem der Maschinenbau, die Elektrotechnik, das Bauingenieurwesen, die Mechatronik, die Verfahrenstechnik, das Wirtschaftsingenieurwesen sowie zunehmend interdisziplinäre Felder wie die Energie- und Umwelttechnik oder die technische Informatik. Allen gemeinsam ist eine methodische Denkweise: Probleme werden analysiert, in Teilaufgaben zerlegt, modelliert, berechnet und schließlich in eine technisch wie wirtschaftlich tragfähige Lösung überführt.

Im Berufsalltag arbeiten Ingenieurinnen und Ingenieure längst nicht nur am Reißbrett oder im Labor. Viele Tätigkeiten liegen heute in Projektmanagement, Qualitätssicherung, Vertrieb technischer Produkte, Forschung und Entwicklung oder an der Schnittstelle zwischen Technik und Betriebswirtschaft. Genau diese Vielfalt macht ein Studium der Ingenieurwissenschaften für viele Interessierte attraktiv – und sie erklärt, warum auch fachfremde Quereinsteiger über ein berufsbegleitendes Studium ihren Weg in technische Berufe finden. Wer sich für das Fach interessiert, sollte deshalb früh klären, welche Richtung zu den eigenen Stärken und Zielen passt, statt sich allein vom guten Ruf des Berufsbildes leiten zu lassen.

Studieninhalte und Schwerpunkte

Ein Fernstudium der Ingenieurwissenschaften beginnt in den ersten Semestern meist mit einem soliden Grundlagenfundament. Dazu gehören Höhere Mathematik, technische Mechanik, Physik, Werkstoffkunde, Elektrotechnik sowie Grundlagen der Informatik und des technischen Zeichnens beziehungsweise der computergestützten Konstruktion. Diese Phase ist erfahrungsgemäß die anspruchsvollste, weil viel Stoff in kurzer Zeit verarbeitet werden muss – gerade neben dem Beruf.

Im weiteren Verlauf folgt die Spezialisierung auf eine Fachrichtung. Wer Maschinenbau wählt, vertieft etwa Konstruktion, Thermodynamik und Fertigungstechnik. In der Elektrotechnik stehen Schaltungstechnik, Regelungstechnik und Energietechnik im Vordergrund. Wirtschaftsingenieurwesen kombiniert technische Module mit Betriebswirtschaft, Controlling und Logistik. Hinzu kommen je nach Programm Wahlpflichtmodule, etwa zu erneuerbaren Energien, Automatisierung, Digitalisierung oder nachhaltiger Produktentwicklung.

Ein wesentlicher Bestandteil sind praktische und projektbezogene Anteile. Dazu zählen Laborpraktika, Konstruktions- und Programmierübungen, Projektarbeiten und in der Regel eine Abschlussarbeit mit realem Anwendungsbezug. Genau an dieser Stelle stoßen reine Online-Formate an ihre Grenzen, weshalb die meisten Fernstudiengänge bewusst Präsenzblöcke an Studienzentren oder Hochschulstandorten vorsehen.

Hinweis zu Präsenzphasen
Vor der Einschreibung lohnt der genaue Blick in die Studienordnung: Wie viele Präsenztage pro Semester sind verpflichtend, wo finden sie statt und wie sind sie terminlich organisiert? Für Berufstätige ist das oft entscheidender als die reine Studiengebühr, weil Reise und Urlaubstage eingeplant werden müssen.

Fernstudium oder Ausbildung?

Wer in die Technik einsteigen möchte, steht häufig vor der Wahl zwischen einem Studium und einer Ausbildung. Beide Wege führen in technische Berufe, unterscheiden sich aber deutlich in Dauer, Kosten, Abschluss und Ausrichtung. Eine technische Ausbildung, etwa zur Mechatronikerin, zum Industriemechaniker oder zur Elektronikerin, dauert in der Regel rund dreieinhalb Jahre, findet überwiegend im Betrieb statt und wird vergütet. Sie ist stark praxisorientiert und vermittelt unmittelbar einsetzbare handwerklich-technische Fertigkeiten.

Ein Fernstudium der Ingenieurwissenschaften ist dagegen theorie- und methodenlastiger und qualifiziert für planende, entwickelnde und leitende Aufgaben. Berufsbegleitend dauert es meist länger als ein Vollzeitstudium und ist mit Studiengebühren verbunden, die sich je nach Anbieter im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich bewegen können. Dafür eröffnet der akademische Abschluss in der Regel ein breiteres Spektrum an Positionen und Aufstiegsmöglichkeiten, etwa in Konstruktion, Projektleitung oder Forschung und Entwicklung.

Die Eignung hängt stark von den eigenen Zielen ab. Wer schnell ins Berufsleben und ein praktisches Einkommen möchte, ist mit einer Ausbildung oft gut beraten. Wer plant, Verantwortung in technischen Projekten zu übernehmen oder sich theoretisch breit aufstellen will, profitiert vom Studium. In der Praxis schließen sich beide Wege nicht aus: Viele Studierende im Fernstudium haben zuvor eine technische Ausbildung absolviert und nutzen das Studium gezielt zur Weiterqualifizierung neben dem Beruf. Diese Kombination aus praktischer Erfahrung und akademischer Vertiefung ist auf dem Arbeitsmarkt häufig besonders gefragt.

Voraussetzungen und Zugang

Für ein Bachelor-Fernstudium der Ingenieurwissenschaften wird üblicherweise die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife beziehungsweise die Fachhochschulreife vorausgesetzt. Daneben ist der Zugang in vielen Bundesländern auch ohne klassisches Abitur möglich, etwa über eine abgeschlossene Berufsausbildung mit anschließender Berufserfahrung oder über eine Aufstiegsfortbildung wie den Meister oder Techniker. Die genauen Regelungen unterscheiden sich je nach Hochschule und Bundesland und sollten im Einzelfall geprüft werden.

Für ein Master-Fernstudium ist in der Regel ein erster berufsqualifizierender Hochschulabschluss erforderlich, häufig in einem fachlich passenden Bereich. Manche Programme verlangen zusätzlich eine bestimmte Mindestnote oder einschlägige Berufspraxis. Wer aus einem fachfremden Bachelor kommt, muss unter Umständen Brücken- oder Vorkursmodule belegen.

Wichtiger als formale Hürden ist häufig die fachliche Eignung. Ein gutes Verständnis für Mathematik und Physik erleichtert das Studium erheblich, da sich diese Grundlagen durch nahezu alle Module ziehen. Wer hier Lücken hat, sollte sie vor Studienbeginn schließen – viele Anbieter stellen dafür Vorbereitungskurse bereit. Hinzu kommen Selbstdisziplin und gutes Zeitmanagement, denn im Fernstudium organisiert man große Teile des Lernens eigenständig.

Dauer, Ablauf und Kosten

Ein Bachelor im Fernstudium umfasst je nach Modell zwischen sechs und neun Semestern, berufsbegleitend liegt die reale Studiendauer wegen reduzierter Wochenarbeitsleistung oft im oberen Bereich oder darüber. Ein Master dauert meist drei bis fünf Semester. Viele Hochschulen erlauben es, das Lerntempo flexibel anzupassen, Module zu strecken oder Pausen einzulegen – ein wichtiger Vorteil, wenn Beruf oder Familie zwischendurch mehr Raum brauchen.

Der Ablauf kombiniert in der Regel mehrere Bausteine: Selbststudium mit Lehrbriefen oder digitalen Lernplattformen, Online-Vorlesungen oder Webinare, betreute Übungen sowie verpflichtende Präsenzphasen für Labore und Prüfungen. Klausuren werden häufig an festen Standorten oder Prüfungszentren abgelegt. Genau diese Struktur erlaubt es, Theorie zeit- und ortsunabhängig zu lernen, ohne auf den praktischen Kern eines Ingenieurstudiums zu verzichten.

Bei den Kosten gibt es keine einheitliche Zahl. Staatliche Fernhochschulen sind tendenziell günstiger, private Anbieter verlangen oft höhere Gebühren, die sich über die gesamte Studienzeit im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich bewegen können, in Einzelfällen darüber. Hinzu kommen Nebenkosten für Reisen zu Präsenzterminen, Prüfungsgebühren und Lernmaterial. Wer berufsbegleitend studiert, sollte zudem mögliche Förderungen prüfen, etwa Bildungsgutscheine, Aufstiegs-BAföG bei bestimmten Konstellationen oder Unterstützung durch den Arbeitgeber.

Tipp zur Finanzierung
Manche Arbeitgeber beteiligen sich an den Studiengebühren oder gewähren Lernzeiten, wenn das Studium zum Betrieb passt. Ein frühes, sachliches Gespräch über Ziele und Nutzen für das Unternehmen kann sich finanziell wie organisatorisch auszahlen.

Karriere, Einsatzfelder und Gehalt

Ingenieurinnen und Ingenieure arbeiten in nahezu allen Branchen: in der Industrie und im Maschinenbau, in der Automobil- und Zulieferbranche, in der Energiewirtschaft, im Bauwesen, in der Elektro- und Automatisierungstechnik sowie in technischer Beratung und Forschung. Typische Aufgaben reichen von Konstruktion und Entwicklung über Produktions- und Qualitätsmanagement bis zu Projektleitung und technischem Vertrieb. Gerade Themen wie Energiewende, Digitalisierung und nachhaltige Produktion sorgen dafür, dass technisches Know-how langfristig gefragt bleibt.

Ein Fernstudium hat hier einen praktischen Vorteil: Wer bereits berufstätig ist, kann das Gelernte oft direkt anwenden und sich parallel für anspruchsvollere Aufgaben empfehlen. Damit wird das Studium nicht nur zum Einstieg, sondern auch zum Hebel für den Aufstieg im aktuellen Unternehmen, etwa von einer ausführenden in eine planende oder leitende Rolle.

Beim Gehalt lässt sich keine pauschale Zahl nennen, weil es stark von Branche, Region, Fachrichtung, Unternehmensgröße und Berufserfahrung abhängt. Grundsätzlich gelten ingenieurwissenschaftliche Berufe als überdurchschnittlich vergütet, mit deutlichem Spielraum nach oben mit zunehmender Erfahrung und Verantwortung. Einstiegsgehälter und spätere Verdienste bewegen sich in einer breiten Spanne, weshalb sich konkrete Erwartungen am besten an aktuellen Stellenangeboten und Branchenwerten der jeweiligen Fachrichtung orientieren sollten. Tarifgebundene Unternehmen und Konzerne zahlen tendenziell mehr als kleine Betriebe, und auch die Spezialisierung spielt eine Rolle. Wer ein Fernstudium berufsbegleitend abschließt, bringt zudem mehrjährige Praxis mit, was sich bei Verhandlungen oft positiv bemerkbar macht.

Welche Fachrichtung passt zu mir?

Da die Ingenieurwissenschaften so breit sind, lohnt sich vor der Studienwahl eine ehrliche Selbsteinschätzung. Wer gern an Maschinen, Mechanik und Konstruktion arbeitet, fühlt sich im Maschinenbau oft gut aufgehoben. Liegt der Reiz eher bei Strom, Elektronik und Regelungstechnik, ist die Elektrotechnik passend. Mechatronik verbindet beides mit Informatik und eignet sich für alle, die an der Schnittstelle moderner Automatisierung arbeiten möchten.

Wer Technik mit betriebswirtschaftlichem Denken verbinden will, findet im Wirtschaftsingenieurwesen einen guten Rahmen, etwa für Aufgaben in Projektmanagement, Einkauf oder Vertrieb technischer Produkte. Interessiert man sich besonders für Klimaschutz und Ressourcen, bieten sich Energie-, Umwelt- oder Verfahrenstechnik an. Diese Orientierung hilft auch bei der Anbieterwahl, denn nicht jede Fernhochschule deckt jede Fachrichtung mit derselben Tiefe ab.

Sinnvoll ist es, mehrere Programme anhand klarer Kriterien zu vergleichen: Akkreditierung und Abschluss, Umfang und Lage der Präsenzphasen, Betreuung und Erreichbarkeit der Lehrenden, Prüfungsorganisation sowie die Möglichkeit, das Tempo individuell anzupassen. Unverbindliches Infomaterial der Anbieter ist dafür ein guter erster Schritt, um Inhalte, Bedingungen und Kosten in Ruhe gegenüberzustellen.

Häufige Fragen zum Fernstudium Ingenieurwissenschaften

Kann man Ingenieurwissenschaften komplett online studieren?
In der Regel nicht vollständig. Theorie und viele Module lassen sich online absolvieren, Labore, Praktika und Prüfungen erfordern aber meist verpflichtende Präsenzphasen an Studienzentren oder Hochschulstandorten.
Brauche ich ein Abitur für das Fernstudium?
Nicht zwingend. Neben der Hochschulreife ist der Zugang oft auch über eine Berufsausbildung mit Berufserfahrung oder eine Aufstiegsfortbildung möglich, je nach Hochschule und Bundesland.
Wie lange dauert ein berufsbegleitendes Ingenieurstudium?
Ein Bachelor dauert berufsbegleitend häufig sieben bis neun Semester oder länger, ein Master meist drei bis fünf Semester. Viele Programme erlauben es, das Tempo flexibel anzupassen.
Ist ein Fernstudium-Abschluss gleichwertig zum Präsenzstudium?
Ja. Bei einer akkreditierten Hochschule ist der Bachelor- oder Master-Abschluss formal gleichwertig zu einem Präsenzstudium, im Zeugnis wird die Studienform in der Regel nicht gesondert ausgewiesen.
Lohnt sich das Studium nach einer technischen Ausbildung?
Häufig ja. Die Kombination aus praktischer Ausbildung und akademischer Vertiefung ist auf dem Arbeitsmarkt gefragt und eröffnet oft den Weg in planende oder leitende Positionen.

Ein Fernstudium der Ingenieurwissenschaften ist ein anspruchsvoller, aber gut planbarer Weg in ein zukunftssicheres Berufsfeld – vorausgesetzt, man bringt Freude an Technik und Mathematik mit und kann sich auf die nötigen Präsenzphasen einlassen. Wer berufsbegleitend studieren möchte, sollte Inhalte, Präsenzpflichten und Kosten mehrerer Anbieter sorgfältig vergleichen und die eigene Fachrichtung bewusst wählen. Dann verbindet das Fernstudium berufliche Praxis und akademische Qualifikation auf eine Weise, die im technischen Arbeitsmarkt klar honoriert wird.


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