Japanisch lernen – Japanischkurse im Überblick

Das Land der aufgehenden Sonne, Japan, verfügt nicht nur über eine reiche Kultur, sondern ist darüber hinaus inzwischen eine starke Wirtschaftsmacht: Wohl jedem in Deutschland bekannte Elektronikkonzerne wie Sony oder Panasonic und große Automobilhersteller wie Toyota, Honda oder Nissan lassen daran keinen Zweifel.

Ganz besonders groß geschrieben wird in Japan die Höflichkeit – mit ein paar Worten Japanisch erweisen Sie sowohl auf einer Reise als auch bei Geschäftskontakten Ihren Respekt und Anerkennung. Leider stellt die japanische Sprache Lernende vor einige Herausforderungen, die sich jedoch mit Fleiß beim Lernen durchaus gut meistern lassen.

Besonderheiten der japanischen Sprache

Genauso wie die westliche Kultur, so unterscheidet sich auch die japanische Sprache merkbar von Englisch, Französisch oder Deutsch. Am deutlichsten wird das in der Schrift. Nicht nur, dass Japanisch auf Schriftzeichen basiert, es gibt darüber hinaus drei unterschiedliche Schriftsysteme:

  • Hiragana, das für japanische Wörter herangezogen wird und eine Silben- bzw. Morenschrift ist. Das bedeutet, dass jedes Schriftzeichen für eine Silbe steht.
  • Das gilt ebenfalls für das Schriftsystem Katakana. Dieses wird für nicht-japanische Begriffe eingesetzt.
  • Kanji schließlich ist dem Chinesischen entlehnt. Wie in der chinesischen Sprache hat hier jedes Schriftzeichen eine oder sogar mehrere Bedeutungen. Von den etwa 50.000 Kanji, kennen aber selbst Muttersprachler bei weitem nicht alle.

In Texten, ja sogar in einzelnen Sätzen, können Schriftzeichen aus allen drei Zeichensystemen gleichzeitig auftauchen. Das macht das Erlernen der japanischen Sprache natürlich nicht gerade einfacher und es ist unerlässlich, sich konsequent mit den verschiedenen Zeichen vertraut zu machen und diese zu verinnerlichen. Glücklicherweise gibt es dafür einige Hilfsmittel: Sehr nützlich sind etwa Tabellen mit den 46 Hirangana. Meistens enthalten diese Übersichten auch Hinweise zur Aussprache.

Die Schriftzeichen sind bereits die halbe Miete, denn die Grammatik ist vergleichsweise simpel. Es gibt einige klare Regeln, von denen anders als etwa im Deutschen nur sehr selten Ausnahmen gemacht werden. So gibt es beispielsweise keine Geschlechtsformen und Verben werden nicht gebeugt. Doch eine wichtige Besonderheit gibt es: Das Japanische unterscheidet ganze drei verschiedene Höflichkeitsformen.

Was die gesprochene Sprache angeht, sind nur Hiragana und Katakana relevant. Außerdem unterscheidet sich die Lautgebung des Japanischen kaum. Lediglich das „u“ und das „r“ werden ein wenig anders betont. Ersteres ähnelt eher einer Mischung aus einem „u“ und einem „ü“, der dem „r“ ähnelnde Konsonant spricht sich eher wie eine Kombination aus „r“ und „l“ aus.

Unterschiedliche Niveaustufen im Überblick

Um Sprachkenntnisse in einem einheitlichen Rahmen verorten zu können, gibt es für europäische Sprachen wie Englisch oder Deutsch den sogenannten „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen“ – kurz GER. Dieser lässt sich nicht eins-zu-eins übertragen auf die japanische Sprache.

Allerdings orientieren sich sowohl die meisten Sprachschulen bzw. Sprachkurse an den bekannten Niveaustufen von A1 bis C2 als auch die bekannten Sprachprüfungen. So ist etwa der Japanese-Language Proficiency Test zwar in die Stufen JLPT 1 bis JLPT 5 eingeteilt, aber diese Stufen sind gut vergleichbar mit den sechs Niveaustufen des GER.

C2 

Mit C2 erreichen Sie praktisch das Niveau von Muttersprachlern und können sich in allen Situationen mühelos verständigen.   

C1 

Auf der Stufe verstehen Sie anspruchsvolle und längere Texte und sind dazu fähig, auch über komplexe Themen zu sprechen. Diese Sprachfähigkeit stellen Sie mit dem JLPT 1 unter Beweis.  

B2 

Sprachlernende sind in der Lage, auch spontane Unterhaltungen mit Muttersprachlern zu führen und die Kerninhalte von Texten zu verstehen. Im Japanischen weisen Sie dieses Sprachniveau mit der Prüfung JLPT 2 nach.  

B1 

Auf der Stufe B1 können Sie bereits über verschiedene bekannte Themen und Interessen, zum Beispiel die persönlichen Hobbies, flüssig mit anderen reden. Die JLPT Stufe 3 ist ungefähr mit diesem Niveau vergleichbar.  

A2 

Mit der Stufe A2 weisen Sprachlernende nach, dass sie Informationen austauschen können, die immer noch nicht allzu komplex sind. Sie können sich im Alltag orientieren und verständlich machen.  

A1   

Sprachlernende sind in der Lage, einfache Konversationen zu führen, beispielsweise eine Verabredung zu vereinbaren. Die Stufe entspricht in etwa der Stufe JLPT 5.  

Japanischlernen an der VHS oder online?

Japanischkurs an der VHS

Obwohl Japanisch lernen sicherlich etwas außergewöhnlicher ist als etwa ein Englisch- oder Französischkurs, bieten zahlreiche Volkshochschulen Japanischkurse an. Auch spezielle Kurse für Kinder und Jugendliche gibt es dort: Das ist sehr sinnvoll, denn je jünger, desto einfacher fällt es noch, eine neue Sprache zu erlernen. Kurse an der VHS sind nicht nur vergleichsweise günstig, sondern bieten Ihnen darüber hinaus den intensiven persönlichen Austausch mit anderen Lernenden und qualifizierte Lehrer.

Eine Alternative sind private Sprachschulen, an denen ebenfalls in vielen Fällen Japanisch gelehrt wird. Allerdings ist das dortige Kursangebot deutlich kostspieliger. Dafür können Sie aber mitunter sogar von Einzelunterricht profitieren. Gerade bei einer schwierigen Sprache wie Japanisch kann das, zumindest ergänzend, sehr gut zu schnellen Fortschritten beitragen.

Japanischkurse an der Fernhochschule

Zeitlich deutlich flexibler als bei Sprachkursen an der VHS oder an privaten Sprachschulen sind Sie, wenn Sie einen Sprachkurs an einer Fernhochschule absolvieren. Die Kurse können in der Regel ohne spezielle Voraussetzungen und jederzeit begonnen werden.

Das Angebot für Japanisch ist allerdings leider extrem überschaubar. Keiner der großen Anbieter für Fernkurse hat die Sprache in seinem Portfolio. Einen japanischen Sprachkurs im Fernstudium bietet die Sprachschule Manabi an. Auf der Website „Japanisch 4 you“ können Sie bei einem japanischen Muttersprachler sowohl Einzel- als auch Kleingruppenunterricht buchen, der online stattfindet. Es gibt dort darüber hinaus Online-Kurse mit verschiedenen Zielrichtungen, wie beispielsweise Grundlagen der japanischen Sprache oder Japanisch für den Beruf.

Japanischkurs online

Wie für nahezu alle Sprachen gibt es inzwischen online auch Angebote, um japanisch zu lernen. Bei einer derart anspruchsvollen Sprache ist das reine Selbststudium allerdings nur wenig empfehlenswert. Vielmehr sollten Sie die Angebote im Web als eine zusätzliche Komponente sehen, mittels derer Sie Ihre Sprachkenntnisse ausbauen können.

So finden Sie online kostenfrei zahlreiche Materialien, wie beispielsweise Vokabellisten, Übungen zum Schreiben oder Übersichten mit im Japanischen gebräuchlichen Ausdrücken. Eine hervorragende erste Anlaufstelle ist beispielsweise die Website „Japanischlernen.eu“, die sogar einen Japanisch-Crashkurs anbietet.

Nachweis Ihrer Japanischkenntnisse – anerkannte Prüfungen

Übung macht den Meister: Das gilt natürlich in besonderem Maße für schriftzeichenbasierte Sprachen wie Japanisch. Bevor Sie sich also an eine offizielle Sprachprüfung heranwagen, ist ein Sprachaufenthalt in Japan sehr zu empfehlen. Einige Sprachenzentren haben dementsprechend Sprachreisen in ihrem Portfolio, die sie gezielt auf einen Sprachtest vorbereiten.

Die wichtigste Sprachprüfung für den Nachweis japanischer Sprachkenntnisse ist der bereits erwähnte Japanese-Language Proficiency Test. Der Sprachtest wird in Japan von der Organisation Japan Education and Services organisiert, außerhalb Japans ist dafür die Japan Foundation zuständig.

Der Japanese-Language Proficiency Test ist international anerkannt. Zu beachten ist, dass die Sprachprüfung weltweit nur ein- oder maximal zweimal pro Jahr stattfindet, und zwar immer am ersten Sonntag im Dezember und gegebenenfalls zusätzlich am ersten Sonntag im Juli. Darüber hinaus gibt es in Deutschland nur wenige Prüfzentren, etwa an der VHS Stuttgart oder der HU Berlin. Aus diesen beiden Gründen, heißt es schnell sein und frühzeitig anmelden, wenn Sie an einer JLPT-Prüfung teilnehmen möchten.

Die Testkapazitäten sind mitunter rasch erschöpft, sodass eine frühzeitige Anmeldung höchst empfehlenswert ist. Der Anmeldezeitraum für den Juli-Termin ist von Anfang Februar bis April, für den Testtermin im Dezember von Juli bis September. Die Kosten belaufen sich auf 60 Euro Gebühr und das erhaltene Zertifikat ist unbegrenzt gültig.

In der Sprachprüfung geprüft werden Wortschatz, Grammatik, Lese- und Hörverständnis mittels Multiple-Choice-Fragen. Den Test gibt es auf fünf Stufen, die wie bereits ausgeführt, grob auf die Niveaustufen des GER übertragbar sind:

  • JLPT 5 (ca. Niveau A1): Die Prüfung umfasst die Kenntnis von etwa 120 Kanji. Sie sollten in der Lage sein, Sätze zu lesen und zu verstehen, die in Hiranga, Katakana und einigen Basis-Kanji verfasst sind. Zusätzlich ist eine einfache Hörverstehensaufgabe zu Alltagsthemen zu bewältigen.
  • JLPT 4 (ca. Niveau A1): Etwa 320 Kanji sollten Ihnen bekannt sein. Die Prüfung ähnelt der der Stufe JLPT 5, umfasst allerdings mehr Kanji und es wird etwas mehr Wert auf die Grammatik gelegt. In der Hörverstehensaufgabe geht es erneut um Alltagsthemen.
  • JLPT 3 (ca. Niveau A2 – B1): Der Anspruch wird schon deutlich fortgeschrittener und es müssen einige Kanji mehr, nämlich um die 650, beherrscht werden. Sie müssen in der Lage sein, sich im Alltag, beispielweise beim Einkaufen – verständigen zu können. Das Hörverständnis wird anhand längerer und komplexerer Gespräche bei zugleich höherem Sprechtempo geprüft.
  • JLPT 4 (ca. Niveau B2): Sie können auch schwierigere Zeitungsartikel lesen und verstehen und haben einen Sprachschatz von 1.000 Kanji. Das Hörverstehen erstreckt sich auf über den Alltag hinausgehende Themen wie etwa einen schwierigeren Nachrichtenbeitrag.
  • JLPT 5 (ca. Niveau C1): Hier stehen inhaltlich und sprachlich komplexe Themen im Mittelpunkt und es werden auch Kanji erwartet, die Sie unter Umständen nur im wissenschaftlichen Kontext brauchen (etwa 2.000 Kanji). Diese Prüfung ist anspruchsvoll und für den „Hobby-Sprachlernenden“ nicht zu empfehlen.

Für alle JLPT-Prüfungen gilt: Es gibt keine offiziellen Kanji-Listen. Allerdings können Sie sich gut mittels des offiziellen Online-Tests vorbereiten.

Weitere Sprachzertifikate sind der Business Japanese Proficiency Test und die Examination for Japanese University Admission (EJU). Der erste Test wird allerdings seit 2009 nicht mehr in Europa durchgeführt, sodass der Erwerb des Zertifikats mit erhöhtem Aufwand verbunden ist – ein Aufwand, der sich nur für Berufstätige lohnt, die Japanischkenntnisse dort benötigen. Die zweite Prüfung richtet sich explizit an Studierende, die sich an einer japanischen Universität immatrikulieren möchten und ist nur für zwei Jahre lang gültig.


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