Russisch lernen – Russischkurse im Überblick

Russisch ist für Sprachinteressierte sicherlich nicht immer die erste Wahl, wenn es um das Lernen einer neuen Fremdsprache geht. War es bis zur Wiedervereinigung für Bürger der ehemaligen DDR noch eine Pflicht, russisch zu lernen, so können es heute nur noch die Wenigsten sprechen.

Dabei ist Russisch nach wie vor eine sehr wichtige Sprache. Sie wird von mehr als 200 Millionen Menschen gesprochen und gilt damit als eine der großen Weltsprachen. Insbesondere im postsowjetischem Raum ist sie weit verbreitet und nicht nur die Amtssprache in Russland, sondern beispielsweise auch in Weißrussland oder Kasachstan.

Russisch für Anfänger – russisch lernen leichtgemacht

Sie suchen eine Herausforderung? Dann ist Russisch lernen genau das Richtige für Sie! Die Sprache lernt sich nicht nebenher, da sie vertrauten Sprache wie Deutsch, Englisch oder Französisch kaum ähnelt. Doch die Mühe lohnt sich: Einerseits können Sie sich auf dem Arbeitsmarkt von zahlreichen Bewerbern abheben. Andererseits erschließt sich Ihnen die reiche Welt der russischen Literatur, wenn Sie Ihr Niveau stetig verbessern.

Nicht zuletzt ist Russisch auf Reisen nützlich, insbesondere dann, wenn Sie nicht nur Moskau oder Sankt Petersburg, sondern auch das ländliche Russland erkunden möchten. Das lohnt sich, denn Russland ist nicht nur kulturell äußerst reizvoll, sondern auch landschaftlich vielfältig und interessant.

Besonderheiten der russischen Sprache

Jeder, der schon mal Berührung mit der russischen Sprache hatte, weiß es: Sie müssen sich ein neues Alphabet aneignen. Russisch gehört zu den slawischen Sprachen. Geschrieben wird es mit dem russischen Alphabet, das auf dem kyrillischen Alphabet basiert beziehungsweise eine Variante davon darstellt.

Keine Sorge: Das Erlernen des russischen Alphabets ist nicht ganz so schwierig, vor allem verglichen mit auf Schriftzeichen beruhenden Sprachen wie dem Chinesischen. Insgesamt umfasst es 33 Buchstaben, sechs davon entsprechen sogar den lateinischen Buchstaben, nämlich das A, E, K, M, O und T. Weitere sechs sehen genauso aus, werden aber anders gesprochen. Hier müssen Sie sich nur umgewöhnen: B (/w/), H (/n/), P (/r/), Y (/u/) und X (Ch; /x/). Bei den restlichen Buchstaben ist die Aussprache den lateinischen häufig sehr ähnlich, nur müssen Sie andere Schriftzeichen dafür lernen.

Die russische Grammatik ist ebenfalls nicht ganz so kompliziert, wie Sie möglicherweise befürchten. Es gibt nur wenige Besonderheiten, die Sie beachten müssen:

  • Verben können zwei unterschiedliche Formen haben.
  • Es gibt keine Artikel. Sie erkennen stattdessen anhand der Endung, um welches Geschlecht es sich bei einem Substantiv handelt. Sie haben das vielleicht schon mal bei Nachnamen gesehen, denn auch hier wird ein Name wie Iwanow (Name des Mannes) zu Iwanowa (Name der Frau).
  • Es gibt nur drei unterschiedliche Zeitformen, nämlich die Gegenwart (Präsens), die Vergangenheit (Präteritum) und die Zukunft (Futur). Das macht es sehr viel leichter, Verben zu beugen.

Positiv für Sprachlernende ist zudem, dass sich Schrift und Aussprache im Russischen nicht so stark unterscheiden, sondern viele Worte werden genauso ausgesprochen, wie sie geschrieben werden. Ab und an ist allerdings Obacht gefragt, denn manchmal wird derselbe Buchstabe in unterschiedlichen Wörtern etwas anders ausgesprochen.

Zudem ergeben manche Buchstabenkombinationen andere Laute. Nicht nur aus diesem Grund sollten Sie von Anfang konsequent eine korrekte Aussprache lernen. Es ist auch deshalb wichtig, weil die russische Sprache keine festen Betonungen vorgibt.

Unterschiedliche Niveaustufen im Überblick

Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen wird für viele in Europa gesprochene Sprachen wie beispielsweise Englisch oder Französisch herangezogen, um einheitlich einzuschätzen, wie gut Sprachlernende eine Sprache sprechen. Er legt fest, welche Kenntnisse für ein bestimmtes Sprachniveau nachgewiesen werden müssen. Vergleichbar zu dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen sind die Niveaustufen im Russischen angelegt.

So ist etwa das weltweit anerkannte russische Zertifikat TRKI (Test po Russkomu Kak Inostrannomu) daran angelehnt und unterscheidet ebenfalls sechs Niveaustufen. Die unterschiedlichen Niveaustufen berücksichtigen den Umfang und Wortschatz des Lernenden, sowohl im Schriftlichen als auch Mündlichen.

C2 (ТРКИ-4) 

Das vierte Zertifikationsniveau zeigt, dass Sie einem Muttersprachler nahezu ebenbürtig sind. Auch schwierige Texte können Sie mühelos verstehen. Sie können sich sowohl beruflich als auch privat auch über äußerst komplexe Sachverhalte austauschen, sowohl mündlich als auch schriftlich.  

C1 (ТРКИ-3)  

Auf dem dritten Zertifikationsniveau beherrschen Sie die russische Sprache fast wie ein Muttersprachler. Ihr Wortschatz ist groß und umfasst mehr als 12.000 Wörter. Dementsprechend haben Sie keine Probleme mit der Lektüre auch anspruchsvoller russischer Texte.  

B2 (ТРКИ-2) 

Anhand des zweiten Zertifikationsniveaus weisen Sie bereits sehr gute Kenntnisse der russischen Sprache nach. Sie kennen etwa 6.000 Wörter und können auch Gespräche und Texte zu komplexeren Themen verstehen und sich fließend ausdrücken.  

B1 (ТРКИ-1) 

Mit dem ersten Zertifikationsniveau weisen Sie erweiterte Kenntnisse nach (ca. 2.300 Wörter). Sie verstehen Texte und können sich in Gesprächen zu vertrauten Themen sicher einbringen.   

A2 (ТБУ)  

Das Basisniveau ist schon etwas anspruchsvoller. Ihr Wortschatz umfasst etwa 1.300 Wörter. Sie sind in der Lage, sich in Alltagssituationen verständlich zu machen.  

A1 (ТЭУ)  

Auf dem Elementarniveau verfügen Sie über einen grundlegenden Wortschatz (ca. 700-800 Wörter). Sie können einfache Sätze verstehen und bilden.  

Russischlernen an der VHS oder online?

Bevor Sie mit dem Russischlernen loslegen, sollten Sie sich gut überlegen, wie Sie Ihr Ziel am besten erreichen. Dafür ist es wichtig, dass Sie sich einerseits Gedanken machen, welcher Lerntyp Sie sind. Hier sollten Sie sich vor allem fragen, ob Sie lieber für sich alleine üben oder vom Austausch in der Gruppe profitieren.

Andererseits ist es wichtig, dass Sie ein Ziel entwickeln. Ob Sie nur Grundkenntnisse für einen Urlaub erwerben wollen oder sich durch Ihre Sprachkenntnisse beruflich weiterqualifizieren möchten, macht einen fundamentalen Unterschied mit Blick auf die richtige Kurswahl.

Sie können sowohl völlig selbstständig beginnen, etwa mit Online-Kursen oder Apps, unterstützt durch erfahrene Fernlehrer oder in einem vollständig angeleiteten Kurs an einer Volkshochschule.

Auch eine Sprachreise bietet sich für ein erstes Kennenlernen der russischen Sprache an. Auf diese Weise lernen Sie die Kultur des Landes kennen und können im Austausch mit Muttersprachlern in die Welt des Russischen eintauchen. Je nachdem, wie viel Budget Ihnen zur Verfügung steht, gibt es diverse Angebote von Pauschalprogrammen mit Unterbringung in Gastfamilien bis hin zu privaten Intensivkursen. Eine Sprachreise erstreckt sich in der Regel auf zwei bis vier Wochen.

Russischkurs an der VHS

Volkshochschulen bieten zumeist ein sehr vielfältiges Angebot an Sprachkursen. Auch die russische Sprache gehört bei den meisten VHS zum Angebot. Ein Kurs an einer Volkshochschule hat viele Vorteile:

  • Persönliche Betreuung:
    Die Lehrenden an der Volkshochschule sind nicht nur im Kurs für Sie da, Sie beraten darüber hinaus gerne bei der richtigen Kurswahl.
  • Lernen in der Gruppe:
    Sich in der Gruppe austauschen zu können, ist nicht für die Sprachpraxis prima. Sie können sich darüber hinaus mit anderen Kursteilnehmenden vernetzen, sei es um regelmäßig gemeinsam zu üben oder einfach eine gute Zeit zu verbringen.
  • Niedrige Kosten:
    Eine Sprachreise ist teuer, ebenso wie private Lehrer oder Kurse an einer Fernhochschule. Im Gegensatz dazu sind Kurse an der Volkshochschule sehr erschwinglich.

Bevor Sie sich endgültig für einen Kurs entscheiden, sollten Sie das Angebot einer Schnupperstunde in Anspruch nehmen. Bei den meisten Volkshochschulen ist das möglich. Sie können sich so ein Bild machen, wie zufrieden die anderen Kursteilnehmer sind und ob Ihnen der Lehrstil des Dozierenden liegt.

Russischkurse an der Fernhochschule

Wenn Sie die mangelnde Flexibilität eines Sprachkurses an der VHS scheuen, könnte ein Sprachkurs an einer Fernhochschule für Sie in Frage kommen. Anfängerkurse finden Sie bei zahlreichen renommierten Anbietern wie der ILS, der SGD oder der Euro-FH. Vorkenntnisse sind dann nicht nötig. Sie erhalten qualitativ hochwertige Lernmaterialen mit denen Sie direkt loslegen können.

Darüber hinaus werden Sie auch an den Fernhochschulen nicht alleine gelassen: Sie können sich mit professionellen Fernlehrern austauschen und meistens gibt es ein Online-Portal für den Kontakt mit anderen Sprachlernenden. Die Kurse dauern 12 bis 14 Monate. Im Anschluss können Sie ein Zertifikat erwerben, das Ihnen Ihre Kenntnisse bescheinigt.

Russischkurs online

Wie für alle Sprachen, gibt es inzwischen auch diverse Onlinekurse, um die russische Sprache zu lernen. Ohne Vorkenntnisse könnte es allerdings schwierig werden, da die Sprache sich deutlich vom Deutschen unterscheidet. Online-Portale und Apps können allerdings dann weiterhelfen, wenn Sie gezielte Themen bearbeiten möchten, zum Beispiel Ihr Vokabular ausbauen und trainieren.

Spielerisch russisch üben, können Sie etwa auf dem Online-Portal Loecsen. Angeboten werden zum Beispiel Quizzes, die Ihren Wortschatz testen, ein Überblick über die Aussprache der verschiedenen Buchstaben und ein Vokabeltrainer zu unterschiedlichen Themen.

Auch diverse kostenpflichtige Angebote finden sich im Netz. Ein Beispiel ist WordDive. Dort können Sie einen Russischkurs für zwei Wochen unverbindlich testen, bevor Sie für knapp 10 Euro im Monat einen vollständigen Kurs absolvieren können. Ganz ähnlich funktionieren die Angebote großer Anbieter, wie Babbel oder Busuu. Auch hier können Sie zunächst kostenfrei in die Online-Kurse bzw. Apps schnuppern. Um in den Genuss der vollen Programme zu kommen, müssen Sie jedoch die Premiumangebote abonnieren.

Nachweis Ihrer Russischkenntnisse – anerkannte Prüfungen

Den TRKI haben wir bereits erwähnt. Es handelt sich dabei um ein Russisch-Zertifikat, das vom Bildungsministerium der Russischen Föderation angeboten wird. Da es sich an den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen anlehnt, ist es international vergleichbar und anerkannt. Geprüft werden:

  • Wortschatz und Grammatik
  • Leseverstehen
  • Schreiben von Texten
  • Hörverstehen
  • Ausdrucksfähigkeiten im Gespräch

Darüber hinaus gibt es im Rahmen des TRKI spezifische Zertifikate, beispielsweise für den Bereich des Wirtschaftsrussisch.

Grundkenntnisse der russischen Sprache (Niveaustufen A1 bzw. A2) können Sie mit dem Sprachzertifikat TEU nachweisen, TBU entspricht erweiterten Grundkenntnissen (Niveaustufen A2 bzw. B1). Darüber hinaus können Sie Russisch-Zertifikate der TELC erwerben (The European Language Certificates).


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