Fernstudium Geoinformatik
Redaktionell geprüft von der Fernstudium – Berufsbegleitend studieren-Redaktion · Aktualisiert: · Lesezeit: ca. 9 Min
Karten sind heute digital, dynamisch und voller Daten. Hinter Navigations-Apps, Klimamodellen, Flächennutzungsplänen und der Standortsuche grosser Handelsketten steckt ein Fachgebiet, das raumbezogene Informationen erfasst, verwaltet und auswertet: die Geoinformatik. Sie verbindet Geographie und Informatik zu einer eigenen Disziplin, die in fast allen Branchen gebraucht wird – von der Stadtplanung über die Landwirtschaft bis zur Logistik. Wer hier arbeiten will, braucht ein solides Verständnis von Geodaten, Geoinformationssystemen (GIS) und Programmierung.
Ein Fernstudium Geoinformatik richtet sich an alle, die diese Kompetenzen flexibel und berufsbegleitend aufbauen möchten – ohne den Job aufzugeben oder den Wohnort zu wechseln. Auf dieser Seite erfährst du, was das Studium beinhaltet, welche Voraussetzungen gelten, wie lange es dauert, was es kostet und welche Karrierechancen dich erwarten. Ausserdem grenzen wir das Fernstudium ehrlich von einer klassischen Ausbildung ab, damit du den für dich passenden Weg findest.
Inhaltsverzeichnis
Wichtige Punkte
- Geoinformatik verbindet Geographie, Informatik und Datenanalyse rund um raumbezogene Daten und GIS.
- Ein reines Fernstudium ist möglich, das Angebot ist jedoch kleiner als bei klassischen Fächern – oft sind die Studiengänge berufsbegleitend oder online organisiert.
- Es gibt Bachelor- und Master-Varianten; der Bachelor dauert berufsbegleitend meist 7 bis 9 Semester.
- Gefragt sind Absolventen in Vermessung, Umwelt, Logistik, Verwaltung, Energiewirtschaft und IT.
- Einstiegsgehälter liegen häufig im Bereich von rund 3.000 bis 4.000 Euro brutto im Monat, mit deutlichem Entwicklungspotenzial.
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Geoinformatik als Berufsfeld zwischen Karte und Code
Geoinformatik – international als GIScience oder Geographic Information Science bezeichnet – beschäftigt sich mit der Erfassung, Modellierung, Speicherung, Analyse und Visualisierung von Daten mit Raumbezug. Raumbezug bedeutet: Jede Information ist mit einer Position auf der Erde verknüpft, etwa über Koordinaten. Ein Baum, eine Strasse, ein Grundstück, ein Wetterereignis oder ein Mobilfunkmast – alles lässt sich verorten und in Beziehung zueinander setzen.
Der Kern der Arbeit sind Geoinformationssysteme, kurz GIS. Das sind Softwaresysteme, mit denen sich Geodaten erfassen, verwalten und analysieren lassen. Geoinformatikerinnen und Geoinformatiker bauen solche Systeme, befüllen sie mit Daten aus Vermessung, Satellitenbildern, Sensoren oder offenen Quellen und entwickeln Auswertungen daraus. Sie beantworten Fragen wie: Wo ist der beste Standort für eine neue Filiale? Welche Flächen sind hochwassergefährdet? Wie verläuft die optimale Route für die Müllabfuhr? Diese Schnittstellenrolle zwischen Fachwelt, Daten und Programmierung macht das Berufsbild so vielseitig.
Weil digitale Karten und Standortdaten in immer mehr Anwendungen stecken, ist das Feld längst nicht mehr nur in Vermessungsämtern zu Hause. Energieversorger, Versicherungen, Telekommunikationsanbieter, Verkehrsbetriebe und Tech-Konzerne brauchen Menschen, die mit Geodaten umgehen können. Genau das macht ein Fernstudium in diesem Bereich attraktiv: Die Nachfrage ist da, die Qualifikation lässt sich neben dem Beruf aufbauen.
Inhalte: Was du im Fernstudium Geoinformatik lernst
Die Lehrpläne verbinden geographisches Grundwissen mit handfester Informatik und Mathematik. Du lernst nicht nur, Karten zu lesen, sondern Software zu bedienen, Datenbanken zu modellieren und eigene Auswertungen zu programmieren. Die folgenden Schwerpunkte tauchen in fast jedem Studiengang auf.
Geodaten und Geoinformationssysteme (GIS)
Das Herzstück bildet der Umgang mit GIS-Software wie QGIS oder den Produkten von Esri. Du lernst, wie Geodaten aufgebaut sind – der Unterschied zwischen Vektordaten (Punkte, Linien, Flächen) und Rasterdaten (etwa Satellitenbilder), wie Koordinatensysteme und Projektionen funktionieren und wie man verschiedene Datenquellen sauber zusammenführt. Räumliche Analysen wie Pufferzonen, Verschneidungen oder Netzwerkanalysen gehören ebenso dazu wie die kartographische Aufbereitung der Ergebnisse.
Programmierung und Datenbanken
Ohne Code geht es nicht. Python hat sich als zentrale Sprache der Geoinformatik etabliert, weil sich damit GIS-Prozesse automatisieren und Geodaten verarbeiten lassen. Hinzu kommen Datenbankkenntnisse, vor allem rund um SQL und räumliche Datenbanken wie PostgreSQL mit der Erweiterung PostGIS. Viele Studiengänge vermitteln zusätzlich Grundlagen der Webentwicklung, um interaktive Onlinekarten und WebGIS-Anwendungen mit Bibliotheken wie Leaflet oder OpenLayers zu erstellen.
Fernerkundung und Geodatenerfassung
Ein grosser Teil moderner Geodaten stammt aus der Ferne: Satelliten, Drohnen, Laserscanning (LiDAR) und GNSS-Vermessung (etwa GPS). Du lernst, wie solche Daten entstehen, wie man Satellitenbilder klassifiziert und auswertet und wie Genauigkeit und Fehlerquellen einzuschätzen sind. Gerade in Umwelt-, Land- und Forstwirtschaft ist die Fernerkundung ein wachsendes Anwendungsfeld.
Mathematik, Statistik und Geoinformatik-Grundlagen
Geometrie, lineare Algebra und Statistik bilden das mathematische Fundament. Sie sind nötig, um räumliche Beziehungen zu berechnen, Genauigkeiten zu bewerten und Daten statistisch auszuwerten. Dazu kommen Grundlagen aus Geographie und Geodäsie sowie zunehmend Themen wie Big Data, Geo-Datenmanagement und maschinelles Lernen für die Analyse grosser raumbezogener Datenmengen.
Fernstudium oder Ausbildung: Welcher Weg führt in den Beruf?
Viele suchen nach einer „Geoinformatik Ausbildung“ – und stossen schnell auf eine wichtige Unterscheidung. Einen anerkannten Ausbildungsberuf mit dem exakten Namen Geoinformatik gibt es in der dualen Berufsausbildung in dieser Form nicht. Die klassische Ausbildung im verwandten Bereich heisst Geomatikerin beziehungsweise Geomatiker. Diese dreijährige duale Ausbildung dreht sich um die Erfassung, Verarbeitung und Visualisierung von Geodaten und ist die naheliegendste Ausbildungsoption, wenn du praxisnah und ohne Studium in das Feld einsteigen willst. Ebenfalls verwandt ist die Ausbildung zur Vermessungstechnikerin oder zum Vermessungstechniker.
Der Unterschied zum Studium ist deutlich. Eine Ausbildung ist stärker auf praktische Tätigkeiten ausgerichtet, läuft dual im Betrieb und in der Berufsschule und führt schneller in eine bezahlte Beschäftigung. Ein Geoinformatik-Studium – ob in Präsenz oder als Fernstudium – geht tiefer in Theorie, Programmierung, Datenanalyse und wissenschaftliche Methodik. Es qualifiziert eher für konzipierende, entwickelnde und leitende Aufgaben und eröffnet den Zugang zu Positionen, die einen akademischen Abschluss voraussetzen.
Für Berufstätige ist das Fernstudium oft der passendere Weg, weil es keine Ausbildungsvergütung gibt, dafür aber den Job nicht ersetzt: Du arbeitest weiter und studierst parallel. Wer bereits eine Ausbildung als Geomatiker oder Vermessungstechniker abgeschlossen hat, kann mit einem berufsbegleitenden Geoinformatik-Studium den nächsten Schritt gehen und sich akademisch weiterqualifizieren. Beide Wege schliessen sich also nicht aus – sie bauen häufig aufeinander auf. Welcher der richtige ist, hängt von deinem Vorwissen, deinem Zeitbudget und deinem Karriereziel ab.
Voraussetzungen: Für wen das Fernstudium geeignet ist
Für ein Bachelor-Fernstudium brauchst du in der Regel die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife oder die Fachhochschulreife. Viele Anbieter öffnen den Zugang auch ohne Abitur: Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung plus mehrjähriger Berufserfahrung oder mit einer Meister- oder Technikerqualifikation ist ein Studium häufig ebenfalls möglich. Das ist gerade für Geomatiker, Vermessungstechniker oder IT-Fachkräfte interessant, die sich akademisch weiterentwickeln wollen.
Für ein Master-Fernstudium ist ein erster Hochschulabschluss Voraussetzung, meist in Geoinformatik, Geographie, Vermessung, Informatik oder einem nahen Fach. Inhaltlich solltest du keine Scheu vor Mathematik und Programmierung haben – beides zieht sich durch das Studium. Wer logisches Denken, Spass an Daten und Interesse an räumlichen Zusammenhängen mitbringt, ist gut aufgestellt.
Darüber hinaus erfordert ein Fernstudium ein hohes Mass an Selbstorganisation und Disziplin. Du lernst grösstenteils eigenständig, teilst dir den Stoff selbst ein und musst Lernphasen verlässlich in den Alltag integrieren. Wer das mit Beruf und eventuell Familie kombiniert, sollte realistisch mit seinem Zeitbudget planen.
Gut zu wissen
Das Angebot an reinen Geoinformatik-Fernstudiengängen ist in Deutschland überschaubar – das Fach lebt von Software und praktischen Übungen, die teils Präsenz- oder Laboranteile erfordern. Viele Studiengänge werden daher als berufsbegleitende oder Online-Variante mit einzelnen Präsenz- oder Online-Seminaren angeboten. Wenn du keinen passenden reinen Fernstudiengang findest, lohnt der Blick auf verwandte Fächer wie Geographie, Vermessung, Umweltinformatik oder einen IT-Studiengang mit GIS-Schwerpunkt. Fordere kostenlos Infomaterial an und vergleiche die Formate, bevor du dich festlegst.
Ablauf, Dauer und Formate des Fernstudiums
Ein Fernstudium Geoinformatik kombiniert Selbststudium mit digitalen Lernmaterialien, Online-Vorlesungen und praktischen Übungen an GIS-Software. Du arbeitest über eine Lernplattform, bearbeitest Aufgaben in deinem Tempo und tauschst dich in virtuellen Seminaren mit Dozenten und Mitstudierenden aus. Da das Fach stark praxisorientiert ist, gehören Software-Übungen, Projektarbeiten und teils Praxisphasen oder kompakte Präsenzblöcke zum Studienverlauf.
Bei der Dauer kommt es auf Abschluss und Tempo an. Ein berufsbegleitender Bachelor ist häufig auf 7 bis 9 Semester ausgelegt, also rund dreieinhalb bis viereinhalb Jahre, weil das Pensum pro Semester bewusst niedriger angesetzt ist als im Vollzeitstudium. Ein berufsbegleitender Master dauert typischerweise 4 bis 6 Semester. Viele Anbieter erlauben es, die Regelstudienzeit flexibel zu verlängern, wenn es im Job einmal eng wird – oft sogar kostenfrei.
Die Prüfungen finden je nach Hochschule online unter Aufsicht (Online-Proctoring), an Prüfungszentren oder im Rahmen von Präsenzterminen statt. Wer ortsunabhängig bleiben will, sollte vorab klären, ob und wie oft Anwesenheit verlangt wird. Die meisten Fernhochschulen kommen Berufstätigen hier inzwischen weit entgegen.
Kosten und Förderung
Ein Fernstudium ist eine Investition. Die Studiengebühren bewegen sich je nach Anbieter, Abschluss und Dauer meist im Bereich von einigen tausend bis über zehntausend Euro für den gesamten Bachelor; Master-Programme können ähnlich oder höher liegen. Konkrete Preise nennen wir hier bewusst nicht, weil sie sich häufig ändern und stark vom jeweiligen Anbieter abhängen – die genauen Gebühren findest du im Infomaterial der Hochschulen.
Die gute Nachricht: Es gibt zahlreiche Fördermöglichkeiten. Wer berufsbegleitend studiert, kann die Studiengebühren oft als Werbungskosten oder Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Hinzu kommen das Aufstiegs-BAföG bei passenden Weiterbildungen, Bildungskredite, Stipendien sowie Förderungen einzelner Bundesländer wie Bildungsschecks oder Bildungsprämien. Auch der Arbeitgeber beteiligt sich nicht selten an den Kosten, wenn das Studium dem Betrieb nützt – ein Gespräch über Kostenübernahme oder Bildungszeit lohnt sich fast immer.
Gehalt und Karrierechancen
Geoinformatik ist ein Wachstumsfeld. Digitalisierung, Klimaanpassung, Smart-City-Projekte, autonome Mobilität und der Ausbau erneuerbarer Energien – all das produziert riesige Mengen raumbezogener Daten, die ausgewertet werden müssen. Entsprechend gut sind die Aussichten für qualifizierte Fachkräfte, und der Fachkräftemangel im IT- und Datenbereich verstärkt die Nachfrage zusätzlich.
Beim Einstiegsgehalt nach einem Bachelor kannst du je nach Region, Branche und Arbeitgeber häufig mit rund 3.000 bis 4.000 Euro brutto im Monat rechnen. Mit Berufserfahrung, Spezialisierung oder Führungsverantwortung sind deutlich höhere Gehälter möglich; in der Privatwirtschaft, etwa bei Tech-Unternehmen oder Energieversorgern, liegt das Niveau oft über dem des öffentlichen Dienstes, der nach Tarif zahlt. Diese Werte sind Orientierungsgrössen, keine Garantien – die tatsächliche Vergütung hängt von vielen Faktoren ab.
Die Einsatzfelder sind breit gefächert: Vermessungs- und Katasterämter, Stadt- und Regionalplanung, Umwelt- und Naturschutzbehörden, Energie- und Wasserversorger, Telekommunikation, Logistik, Versicherungen, Landwirtschaft sowie Software- und Beratungsunternehmen mit GIS-Bezug. Typische Rollen reichen von der GIS-Analystin über den Geodaten-Manager und Fernerkundungsspezialisten bis zur Entwicklerin für WebGIS-Anwendungen. Wer zusätzlich Programmierung und Datenanalyse beherrscht, ist besonders gefragt – die Verbindung von Geo-Wissen und IT-Kompetenz ist genau das, was Arbeitgeber suchen.
Checkliste: Passt das zu mir?
- Ich interessiere mich für Karten, Daten und räumliche Zusammenhänge.
- Mathematik und Programmierung schrecken mich nicht ab, sondern reizen mich.
- Ich kann mich selbst organisieren und über mehrere Jahre diszipliniert lernen.
- Ich möchte berufsbegleitend studieren, ohne meinen Job aufzugeben.
- Ich suche einen zukunftssicheren Beruf an der Schnittstelle von Geographie und IT.
Reine Fernstudiengänge in Geoinformatik existieren, sind aber seltener als in anderen Fächern, weil viel mit GIS-Software und praktischen Übungen gearbeitet wird. Häufiger sind berufsbegleitende oder Online-Studiengänge mit einzelnen Präsenz- oder Online-Phasen. Es lohnt sich, auch verwandte Fächer wie Geographie, Vermessung oder Umweltinformatik mit GIS-Schwerpunkt zu prüfen.
Ein berufsbegleitender Bachelor dauert meist 7 bis 9 Semester, ein Master 4 bis 6 Semester. Weil das Pensum pro Semester reduziert ist, dauert es länger als ein Vollzeitstudium – dafür lässt es sich neben dem Beruf bewältigen. Viele Hochschulen erlauben eine flexible, oft kostenfreie Verlängerung.
Eine duale Ausbildung – im verwandten Beruf Geomatiker oder Vermessungstechniker – ist praxisorientiert, dauert drei Jahre und wird vergütet. Das Geoinformatik-Studium geht tiefer in Theorie, Programmierung und Datenanalyse und qualifiziert für akademische und leitende Aufgaben. Häufig bauen beide Wege aufeinander auf.
Vorkenntnisse sind hilfreich, aber kein Muss – die Grundlagen werden im Studium vermittelt. Du solltest jedoch bereit sein, dich mit Programmierung (vor allem Python) und mit Datenbanken zu beschäftigen, da beides zentral für die Geoinformatik ist.
Ja, das ist bei vielen Anbietern möglich. Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung oder mit einer Meister- beziehungsweise Technikerqualifikation kannst du häufig auch ohne Abitur ein Bachelor-Fernstudium aufnehmen. Die genauen Bedingungen unterscheiden sich je nach Hochschule.
Fazit
Die Geoinformatik ist ein zukunftssicheres Feld an der Schnittstelle von Geographie, Datenanalyse und Informatik. Ein Fernstudium ermöglicht es, diese gefragten Kompetenzen berufsbegleitend und ortsunabhängig aufzubauen – auch wenn das Angebot an reinen Fernstudiengängen kleiner ist als in klassischen Fächern und oft auf berufsbegleitende oder Online-Formate hinausläuft. Wer Freude an Karten, Daten und Programmierung hat und sich selbst gut organisieren kann, findet hier einen Weg mit sehr guten Berufsaussichten.
Ob du dich für ein Studium oder den praxisnahen Weg über eine Ausbildung als Geomatiker entscheidest, hängt von deinem Vorwissen und deinen Zielen ab. In jedem Fall lohnt es sich, mehrere Anbieter und Formate zu vergleichen, bevor du startest. Fordere am besten kostenlos und unverbindlich Infomaterial der Hochschulen an und finde heraus, welcher Studiengang am besten zu deinem Leben passt.
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