Fernstudium Wirtschaftsmathematik
Redaktionell geprüft von der Fernstudium – Berufsbegleitend studieren-Redaktion · Aktualisiert: · Lesezeit: ca. 10 Min
Wirtschaftsmathematik verbindet das mathematische Handwerk mit den Fragestellungen der Wirtschaft. Wer hier studiert, lernt, wirtschaftliche und finanzielle Probleme in mathematische Modelle zu übersetzen, sie mit statistischen und numerischen Verfahren zu lösen und die Ergebnisse so aufzubereiten, dass Unternehmen daraus Entscheidungen ableiten können. Ob Risikobewertung bei Versicherungen, Preisoptimierung im Handel, die Steuerung von Lagerbeständen oder die Auswertung großer Datenmengen – überall dort, wo Zahlen über Erfolg oder Misserfolg entscheiden, sind wirtschaftsmathematisch ausgebildete Fachkräfte gefragt. Das Fach gilt als anspruchsvoll, eröffnet aber Berufsfelder, die quer durch nahezu alle Branchen reichen.
Viele Interessierte fragen sich, ob sich ein solches rechenintensives Fach überhaupt im Fernstudium bewältigen lässt – berufsbegleitend, ohne festen Hörsaal und ohne tägliche Übungsgruppe. Die ehrliche Antwort: ein Fernstudium in Wirtschaftsmathematik ist möglich, verlangt aber viel Selbstdisziplin und ein solides Grundverständnis für Mathematik. Das Fach lebt vom eigenständigen Durcharbeiten von Übungsaufgaben, und genau hier liegt im Fernstudium sowohl die Freiheit als auch die Herausforderung. Klausuren und teils Praktika finden in der Regel an Präsenzterminen statt, der theoretische Stoff aber ist gut über Skripte, Online-Vorlesungen und digitale Lernplattformen vermittelbar. Dieser Ratgeber zeigt, wie ein solches Studium aufgebaut ist, was es voraussetzt und für wen es sich lohnt.
Inhaltsverzeichnis
Wichtige Punkte
- Wirtschaftsmathematik kombiniert Mathematik, Statistik und Wirtschaftswissenschaften und ist branchenübergreifend einsetzbar.
- Ein Fernstudium ist machbar, erfordert aber überdurchschnittliche Selbstorganisation und kontinuierliches Üben.
- Klausuren und einzelne Pflichtveranstaltungen laufen meist über Präsenztermine – reines Online-Studium ist die Ausnahme.
- Die Studiengebühren bewegen sich je nach Anbieter und Abschluss im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich.
- Berufseinstieg ist unter anderem im Controlling, in Versicherungen, Banken, in der Data Science und im Risikomanagement möglich.
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Was ist Wirtschaftsmathematik?
Wirtschaftsmathematik ist eine angewandte Disziplin an der Schnittstelle von Mathematik und Wirtschaftswissenschaften. Im Kern geht es darum, ökonomische Fragestellungen mit mathematischen Methoden zu beschreiben, zu analysieren und zu lösen. Während die reine Mathematik oft den Anspruch verfolgt, abstrakte Strukturen um ihrer selbst willen zu untersuchen, steht in der Wirtschaftsmathematik immer ein praktischer Anwendungsbezug im Vordergrund: Wie lässt sich ein Produktionsprozess kostenoptimal steuern? Welches Risiko trägt ein Versicherer bei einem bestimmten Vertragsbestand? Wie entwickelt sich ein Portfolio unter verschiedenen Marktszenarien?
Das Fach bedient sich dabei eines breiten methodischen Werkzeugkastens. Analysis und lineare Algebra bilden das mathematische Fundament, Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik liefern die Mittel zur Auswertung von Daten und zur Bewertung von Unsicherheit, und Optimierungsverfahren helfen, unter gegebenen Bedingungen die beste Lösung zu finden. Hinzu kommen wirtschaftswissenschaftliche Inhalte aus Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre, damit die Modelle nicht im luftleeren Raum entstehen, sondern reale ökonomische Zusammenhänge abbilden.
Charakteristisch für Wirtschaftsmathematikerinnen und Wirtschaftsmathematiker ist die Fähigkeit, zwischen zwei Welten zu vermitteln. Sie verstehen die Sprache der Mathematik ebenso wie die Anforderungen aus Fachabteilungen und können komplexe Sachverhalte so übersetzen, dass beide Seiten damit arbeiten können. Diese Brückenfunktion macht das Berufsbild in datengetriebenen Unternehmen besonders wertvoll.
Studieninhalte und Schwerpunkte
Ein wirtschaftsmathematisches Studium beginnt typischerweise mit einem soliden mathematischen Grundgerüst. In den ersten Semestern stehen Analysis, lineare Algebra, Stochastik und numerische Mathematik im Mittelpunkt. Parallel dazu werden wirtschaftswissenschaftliche Grundlagen vermittelt, etwa Buchführung, Kosten- und Leistungsrechnung, Mikro- und Makroökonomie sowie Grundzüge des Finanzwesens. Diese Doppelausrichtung zieht sich durch das gesamte Studium.
In den höheren Semestern folgt die Vertiefung. Hier kommen Themen wie Finanzmathematik, Versicherungsmathematik, Operations Research, statistische Modellierung und zunehmend auch Methoden der Datenanalyse und des maschinellen Lernens hinzu. Programmierkenntnisse gewinnen dabei stark an Bedeutung: Wer mit Werkzeugen wie R, Python oder spezialisierter Statistiksoftware umgehen kann, verschafft sich einen klaren Vorteil. Viele Studiengänge bieten Wahlbereiche an, in denen man sich beispielsweise stärker auf Finanzen, auf Aktuarwissenschaften oder auf datenwissenschaftliche Anwendungen ausrichten kann.
Im Fernstudium werden diese Inhalte über Studienbriefe, Online-Vorlesungen, vertonte Präsentationen und betreute Lernplattformen vermittelt. Übungsaufgaben mit Musterlösungen sind dabei zentral, denn Mathematik versteht man nicht durch Zuhören, sondern durch eigenes Rechnen. Tutorien, teils online und teils in Präsenz, geben die Möglichkeit, Fragen zu klären und Lösungswege zu besprechen.
Fernstudium oder Ausbildung?
Wer eine Tätigkeit mit Zahlen, Daten und wirtschaftlichem Bezug anstrebt, steht oft vor der Frage, ob ein akademischer Weg oder eine Ausbildung der bessere Einstieg ist. Beide Wege haben ihre Berechtigung, sie führen aber zu unterschiedlichen Qualifikationen und Einsatzfeldern.
Eine klassische Ausbildung, etwa zum Mathematisch-technischen Softwareentwickler, zum Industriekaufmann oder im Bereich Steuern und Finanzen, dauert in der Regel zwei bis dreieinhalb Jahre, wird vergütet und vermittelt sehr praxisnah die Abläufe eines konkreten Berufsfeldes. Eine Ausbildung kostet keine Studiengebühren, der Einstieg ist niedrigschwelliger, und man steht früher im Berufsleben. Allerdings erreicht man damit nicht die theoretisch-methodische Tiefe der Wirtschaftsmathematik, und für viele analytische Fachpositionen, etwa im Aktuariat oder in der Data Science, wird ein einschlägiges Studium vorausgesetzt.
Das Fernstudium der Wirtschaftsmathematik dauert als Bachelor berufsbegleitend meist deutlich länger als ein Präsenzstudium, oft zwischen vier und sechs Jahren, und ist mit Studiengebühren im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich verbunden. Dafür erhält man einen akademischen Abschluss, der für anspruchsvolle analytische Rollen die Tür öffnet, und kann das Studium parallel zum Beruf absolvieren, ohne auf das Einkommen zu verzichten. Wer bereits eine Ausbildung abgeschlossen hat und sich weiterentwickeln möchte, findet im berufsbegleitenden Fernstudium oft die ideale Brücke.
Zusammengefasst: Die Ausbildung punktet mit Praxisnähe, kurzer Dauer und fehlenden Gebühren, eignet sich aber eher für ausführende und sachbearbeitende Tätigkeiten. Das Fernstudium ist anspruchsvoller und teurer, qualifiziert dafür für höher angesiedelte, methodisch komplexe Aufgaben. Wer langfristig in analytische Schlüsselrollen möchte und die nötige mathematische Affinität mitbringt, ist mit dem Studium besser beraten – idealerweise aufbauend auf praktischer Berufserfahrung.
Voraussetzungen und Zugang
Für ein Bachelor-Fernstudium in Wirtschaftsmathematik wird in der Regel die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife beziehungsweise die Fachhochschulreife vorausgesetzt. Viele Hochschulen öffnen den Zugang inzwischen auch für beruflich Qualifizierte ohne klassisches Abitur, etwa über eine abgeschlossene Berufsausbildung mit mehrjähriger Berufserfahrung oder über eine Meister- oder Fachwirtqualifikation. Die genauen Bedingungen unterscheiden sich von Hochschule zu Hochschule, weshalb sich ein Blick in die jeweilige Zulassungsordnung lohnt.
Wichtiger als formale Hürden ist die fachliche Eignung. Wer Wirtschaftsmathematik studieren möchte, sollte Freude am logischen Denken haben, sich von Formeln nicht abschrecken lassen und bereit sein, sich konzentriert in abstrakte Inhalte einzuarbeiten. Solide Schulkenntnisse in Mathematik sind eine gute Ausgangsbasis. Manche Anbieter stellen Vorkurse oder Brückenmodule bereit, um Wissenslücken vor Studienbeginn zu schließen – ein Angebot, das gerade bei längerer Pause seit der letzten Mathematikstunde sehr hilfreich sein kann.
Für ein Masterstudium ist ein einschlägiger erster Hochschulabschluss erforderlich, etwa in Mathematik, Wirtschaftsmathematik, einem ingenieur- oder wirtschaftswissenschaftlichen Fach mit ausreichendem mathematischem Anteil. Hier sollte man die fachlichen Anforderungen besonders genau prüfen, da die Übergänge stark vom Vorstudium abhängen.
Dauer, Ablauf und Kosten
Die Regelstudienzeit eines Bachelors liegt bei einem Vollzeitstudium üblicherweise bei sechs bis sieben Semestern. Im berufsbegleitenden Fernstudium wird die Studienzeit bewusst gestreckt, da neben dem Beruf weniger Zeit zur Verfügung steht. Realistisch sind hier oft acht bis zwölf Semester. Viele Fernhochschulen bieten flexible Modelle an, bei denen sich das Lerntempo individuell anpassen lässt und kostenfreie Verlängerungen der Bearbeitungszeit möglich sind.
Der Ablauf folgt meist einem festen Rhythmus aus Selbststudium und Prüfungsphasen. Den Großteil der Zeit arbeitet man eigenständig mit dem bereitgestellten Lernmaterial, ergänzt durch Online-Tutorien und Sprechstunden. Klausuren werden in der Regel an festen Terminen geschrieben, häufig an regionalen Prüfungszentren oder zunehmend auch über beaufsichtigte Online-Prüfungen. Einzelne Module, vor allem solche mit Software- oder Laboranteil, können verpflichtende Präsenzphasen enthalten. Den Abschluss bildet eine Bachelor- beziehungsweise Masterarbeit.
Bei den Kosten lässt sich keine pauschale Zahl nennen, da sie je nach Hochschule, Abschluss und Studiendauer stark schwanken. Insgesamt sollte man bei einem privaten Fernstudienanbieter mit Studiengebühren im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich rechnen, verteilt über die gesamte Studienzeit. Hinzu können Prüfungs- oder Materialgebühren kommen. Staatliche Fernhochschulen sind in der Regel deutlich günstiger. Es lohnt sich, frühzeitig Fördermöglichkeiten zu prüfen, etwa Bildungsprämien, steuerliche Absetzbarkeit der Weiterbildungskosten oder eine Beteiligung des Arbeitgebers.
Karriere, Einsatzfelder und Gehalt
Die beruflichen Möglichkeiten nach einem wirtschaftsmathematischen Studium sind breit gefächert. Klassische Arbeitgeber sind Banken, Versicherungen und Unternehmensberatungen, in denen Risiken bewertet, Modelle entwickelt und Daten ausgewertet werden. In der Versicherungsbranche eröffnet sich mit dem Beruf des Aktuars ein besonders gefragtes und gut bezahltes Feld, das auf wirtschaftsmathematischen Methoden aufbaut. Ebenso suchen Industrie- und Handelsunternehmen Fachkräfte für Controlling, Logistik- und Produktionsoptimierung sowie für die Auswertung von Geschäftsdaten.
Stark gewachsen ist in den vergangenen Jahren der Bedarf im Bereich Data Science und Business Analytics. Wer neben den mathematischen Grundlagen auch Programmier- und Datenkompetenzen mitbringt, findet hier vielfältige Einstiegsmöglichkeiten. Auch im Risikomanagement, in der Finanzanalyse und im Bereich quantitativer Methoden sind Wirtschaftsmathematikerinnen und Wirtschaftsmathematiker gesucht.
Beim Gehalt ist Zurückhaltung angebracht, da es stark von Branche, Region, Unternehmensgröße und persönlicher Qualifikation abhängt. Tendenziell zählen analytische Berufe mit mathematischem Hintergrund zu den überdurchschnittlich vergüteten Tätigkeiten. Einstiegsgehälter bewegen sich häufig in einem soliden Bereich, mit Berufserfahrung und Spezialisierung – etwa als geprüfter Aktuar oder in leitenden Analytikrollen – ist deutlich mehr möglich. Verlässliche Zahlen sollte man jedoch immer am konkreten Stellenmarkt prüfen, statt sich auf pauschale Angaben zu verlassen.
Für wen sich das Fernstudium eignet
Ein Fernstudium in Wirtschaftsmathematik richtet sich vor allem an Menschen, die bereits im Berufsleben stehen und sich für anspruchsvolle analytische Aufgaben qualifizieren oder akademisch nachqualifizieren möchten. Es ist die passende Wahl für alle, die zeitlich und örtlich flexibel bleiben müssen, etwa wegen Beruf, Familie oder Wohnort fernab einer Präsenzhochschule.
Gleichzeitig sollte man ehrlich mit sich sein: Das Fach ist fordernd, und das Selbststudium verlangt Disziplin und Durchhaltevermögen. Wer Mathematik grundsätzlich scheut oder nur wenig Zeit für regelmäßiges Üben aufbringen kann, wird es schwer haben. Für mathematisch interessierte, gut organisierte Menschen mit klarem Berufsziel ist das Fernstudium dagegen ein realistischer und attraktiver Weg, um eine gefragte Qualifikation zu erwerben, ohne den Job aufzugeben.
Häufige Fragen zum Fernstudium Wirtschaftsmathematik
Ein Fernstudium in Wirtschaftsmathematik ist anspruchsvoll, aber für mathematisch interessierte und gut organisierte Menschen ein lohnender Weg. Es verbindet eine gefragte, branchenübergreifende Qualifikation mit der Flexibilität, neben dem Beruf zu lernen. Wer die nötige Selbstdisziplin mitbringt und bereit ist, regelmäßig zu üben, kann sich damit den Zugang zu analytisch geprägten Schlüsselrollen erarbeiten – ohne dafür den bestehenden Job aufgeben zu müssen.
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