Fernstudium Lerntherapie
Redaktionell geprüft von der Fernstudium – Berufsbegleitend studieren-Redaktion · Aktualisiert: · Lesezeit: ca. 9 Min
Wenn ein Kind trotz normaler Begabung beim Lesen, Schreiben oder Rechnen dauerhaft scheitert, reicht klassische Nachhilfe oft nicht aus. Genau hier setzt die Lerntherapie an: Sie verbindet pädagogisches, psychologisches und didaktisches Wissen, um Lernstörungen wie eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie) oder eine Rechenschwäche (Dyskalkulie) gezielt zu behandeln. Lerntherapeutinnen und Lerntherapeuten arbeiten dabei nicht am Symptom, sondern an den Ursachen – und begleiten Kinder, Jugendliche und teils auch Erwachsene über längere Zeit. Das Berufsfeld wächst, weil Schulen, Beratungsstellen und freie Praxen zunehmend Fachkräfte mit fundierter Qualifikation suchen.
Viele Interessierte fragen sich, ob sich diese Qualifikation auch berufsbegleitend per Fernstudium erwerben lässt. Die ehrliche Antwort vorweg: Lerntherapie ist in Deutschland kein geschützter, staatlich einheitlich geregelter Beruf, und es gibt nur wenige grundständige Bachelor- oder Masterstudiengänge mit diesem exakten Titel. Wer sich für den Bereich interessiert, stößt deshalb meist auf eine Mischung aus Fernstudien-Modulen, Weiterbildungen und Zertifikatslehrgängen – oft mit verpflichtenden Präsenzphasen. Dieser Ratgeber ordnet die Wege ein, benennt offen die Grenzen des reinen Fernlernens und hilft bei der Entscheidung.
Inhaltsverzeichnis
Wichtige Punkte
- Lerntherapie behandelt Lernstörungen wie Legasthenie und Dyskalkulie an den Ursachen, nicht nur als Nachhilfe.
- Ein reines Fernstudium mit dem Titel „Lerntherapie“ ist selten – üblich sind Fernmodule, Weiterbildungen und Zertifikatslehrgänge.
- Praktische Anteile und Supervision lassen sich kaum vollständig online abbilden; Präsenz- oder Online-Live-Phasen sind die Regel.
- Pädagogische, psychologische oder soziale Vorerfahrung erleichtert den Einstieg deutlich.
- Die Bezeichnung ist nicht geschützt – auf anerkannte Verbände und seriöse Curricula achten.
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Berufsbild: Was ist Lerntherapie eigentlich?
Lerntherapie ist eine spezialisierte Form der Förderung für Menschen mit umschriebenen Lernstörungen. Im Mittelpunkt stehen Kinder und Jugendliche, die trotz ausreichender Intelligenz und regulärem Unterricht erhebliche Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen entwickeln. Anders als Nachhilfe, die vorhandenen Schulstoff wiederholt, setzt Lerntherapie tiefer an: Sie analysiert, an welcher Stelle der Lernprozess stockt, und baut grundlegende Fähigkeiten systematisch neu auf.
Dazu gehört eine sorgfältige Diagnostik, etwa zur Abklärung von Legasthenie oder Dyskalkulie, ebenso wie die individuelle Therapieplanung. Lerntherapeutinnen und Lerntherapeuten berücksichtigen dabei nicht nur die fachliche Seite, sondern auch emotionale Begleiterscheinungen. Viele betroffene Kinder haben nach Jahren des Misserfolgs Versagensängste, geringes Selbstwertgefühl oder Schulunlust entwickelt. Ein wichtiger Teil der Arbeit besteht deshalb darin, Motivation und Zutrauen wiederherzustellen.
Gearbeitet wird in freien Praxen, in schulpsychologischen oder sozialpädagogischen Einrichtungen, in Beratungsstellen sowie im Rahmen der sogenannten Eingliederungshilfe nach dem Sozialgesetzbuch. Die Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrkräften und teils Ärzten oder Psychologen ist eng – Lerntherapie ist selten ein Alleingang, sondern Teil eines Netzwerks rund um das Kind.
Studieninhalte und Schwerpunkte
Die Inhalte variieren je nach Anbieter und Format stark, weil es kein einheitliches Curriculum gibt. Dennoch lassen sich typische Bausteine erkennen, die in den meisten seriösen Fernlehrgängen und Studienmodulen auftauchen. Eine erste Säule bildet die fachliche Diagnostik: Hier lernt man, standardisierte Testverfahren einzusetzen, Lernstandsanalysen durchzuführen und Förderbedarf einzuschätzen.
Eine zweite Säule ist das störungsspezifische Wissen. Dazu zählen die Grundlagen von Lese-Rechtschreib-Störungen und Rechenschwäche, aber auch Aufmerksamkeitsstörungen wie AD(H)S, die häufig parallel auftreten. Ergänzend kommen entwicklungs- und lernpsychologische Grundlagen hinzu: Wie lernt das Gehirn, welche Rolle spielen Gedächtnis, Wahrnehmung und Motivation, und wie verändern sich diese Prozesse im Kindes- und Jugendalter?
Eine dritte Säule betrifft die eigentliche Intervention – also Methoden, Förderprogramme und Therapiekonzepte. Hinzu kommen Beratungskompetenz für die Arbeit mit Eltern und Schulen sowie rechtliche und organisatorische Themen, etwa zur Finanzierung über die Eingliederungshilfe oder zur Selbstständigkeit in einer eigenen Praxis. Gerade diese praxisnahen Anteile – das Führen echter Therapiegespräche, die Reflexion eigener Fälle in der Supervision – lassen sich im Fernformat nur eingeschränkt vermitteln.
Fernstudium oder Ausbildung?
Wer in die Lerntherapie einsteigen will, steht vor der Grundsatzfrage: akademischer Weg über ein Fernstudium oder eher eine berufliche Ausbildung beziehungsweise Weiterbildung? Beide Wege führen ins Feld, unterscheiden sich aber deutlich in Dauer, Kosten, Abschluss und Zielgruppe.
Ein Fernstudium – meist als Bachelor oder Master in benachbarten Fächern wie Pädagogik, Sozialer Arbeit, Bildungswissenschaft oder Psychologie mit lerntherapeutischem Schwerpunkt – dauert in der Regel mehrere Jahre und schließt mit einem staatlich anerkannten akademischen Grad ab. Es vermittelt breites wissenschaftliches Fundament und öffnet Türen zu Leitungsfunktionen oder weiterführenden Tätigkeiten. Die Kosten liegen über die gesamte Laufzeit häufig im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich, teils darüber. Dieser Weg eignet sich für Menschen, die langfristig und akademisch arbeiten wollen oder noch keinen einschlägigen Abschluss haben.
Eine Ausbildung oder Weiterbildung zur Lerntherapeutin beziehungsweise zum Lerntherapeuten ist in der Praxis der häufigere Weg. Sie setzt meist einen pädagogischen, psychologischen oder sozialen Grundberuf voraus und baut darauf auf. Solche Zertifikatslehrgänge dauern oft zwischen einem und drei Jahren, kombinieren Selbstlernphasen mit Präsenz- oder Online-Live-Seminaren und enden mit einem trägereigenen oder verbandsanerkannten Zertifikat – nicht mit einem akademischen Titel. Die Kosten bewegen sich ebenfalls im vierstelligen Bereich, sind aber stark vom Anbieter abhängig.
Kurz gefasst: Wer einen anerkannten Hochschulabschluss anstrebt und Zeit mitbringt, ist mit dem Fernstudium gut beraten. Wer bereits in einem pädagogischen Beruf steht und sich gezielt spezialisieren möchte, fährt mit einer berufsbegleitenden Weiterbildung oft schneller und passgenauer. In beiden Fällen gilt: Auf Praxisanteile, Supervision und die Anerkennung durch Fachverbände achten.
Voraussetzungen und Zugang
Die Zugangsvoraussetzungen hängen stark vom gewählten Format ab. Für ein grundständiges Fernstudium auf Bachelor-Niveau wird in der Regel die Hochschul- oder Fachhochschulreife verlangt; manche Hochschulen lassen auch beruflich Qualifizierte ohne Abitur zu, etwa mit Meisterabschluss oder mehrjähriger einschlägiger Berufserfahrung. Für ein Master-Fernstudium ist ein erster akademischer Abschluss Pflicht.
Bei Weiterbildungen und Zertifikatslehrgängen liegt der Schwerpunkt auf der beruflichen Eignung. Viele Anbieter erwarten einen Abschluss oder Tätigkeit im pädagogischen, psychologischen, sozialen oder therapeutischen Bereich – etwa als Lehrkraft, Erzieherin, Sozialpädagoge, Logopädin oder Ergotherapeut. Der Grund ist nachvollziehbar: Die Arbeit mit lernbeeinträchtigten Kindern verlangt didaktisches Geschick, psychologisches Einfühlungsvermögen und Erfahrung im Umgang mit jungen Menschen.
Über die formalen Kriterien hinaus sind persönliche Eigenschaften entscheidend: Geduld, Empathie, eine strukturierte Arbeitsweise und die Fähigkeit, auch bei langsamen Fortschritten motivierend zu bleiben. Wer im Fernstudium erfolgreich sein will, braucht zudem ausgeprägte Selbstorganisation, da ein großer Teil des Lernens eigenverantwortlich neben Beruf oder Familie stattfindet.
Ratsam ist es, vor der Anmeldung das eigene Zeitbudget realistisch einzuschätzen. Berufsbegleitendes Lernen bedeutet, über Monate oder Jahre hinweg regelmäßig Lernzeit einzuplanen – oft abends oder am Wochenende. Wer Beruf, Familie und Studium parallel stemmen will, sollte vorab klären, ob das Umfeld diese Belastung mitträgt. Viele Anbieter ermöglichen flexible Zeitmodelle und Pausen, was den Spagat erleichtert, aber nicht ersetzt.
Dauer, Ablauf und Kosten
Ein berufsbegleitendes Fernstudium streckt sich naturgemäß über einen längeren Zeitraum, weil die wöchentliche Lernzeit begrenzt ist. Ein Bachelor kann in Teilzeit gut vier bis fünf Jahre dauern, ein Master entsprechend kürzer. Zertifikatslehrgänge zur Lerntherapie sind kompakter angelegt und reichen je nach Umfang von etwa einem bis zu drei Jahren.
Der Ablauf folgt meist einem Mischmodell: Theorie und Lehrmaterial werden online oder per Studienheft selbstständig erarbeitet, während praktische Kompetenzen in Präsenzseminaren, Online-Live-Sitzungen und betreuten Praxisphasen vermittelt werden. Gerade die Durchführung eigener Therapieeinheiten und die anschließende Supervision sind feste Bestandteile seriöser Curricula – und genau diese Anteile sind der Grund, warum reine „Couch-Fernlehrgänge“ ohne jeden Präsenzkontakt mit Vorsicht zu betrachten sind.
Bei den Kosten gibt es keine pauschale Zahl. Fernstudiengänge an privaten Hochschulen summieren sich über die Laufzeit häufig auf einen mittleren bis hohen vierstelligen Betrag, in Einzelfällen mehr. Weiterbildungslehrgänge liegen ebenfalls im vierstelligen Bereich, abhängig von Stundenumfang, Praxisanteilen und Anbieter. Hinzu kommen mögliche Reisekosten für Präsenzphasen. Für berufsbegleitende Qualifizierungen kommen je nach Situation Fördermöglichkeiten infrage, etwa über Bildungsgutscheine oder Aufstiegs-BAföG – das lohnt sich im Einzelfall zu prüfen.
Karriere, Einsatzfelder und Gehalt
Mit einer lerntherapeutischen Qualifikation eröffnen sich verschiedene Einsatzfelder. Ein großer Teil der Fachkräfte arbeitet selbstständig in eigener Praxis oder als freie Mitarbeit in bestehenden Lerntherapie-Einrichtungen. Daneben gibt es Anstellungen in sozialpädagogischen Zentren, Beratungsstellen, Förderschulen oder Trägern der Jugendhilfe. Auch die Kooperation mit dem Jugendamt im Rahmen der Eingliederungshilfe spielt eine wichtige Rolle, da hierüber Therapien für viele Familien finanziert werden.
Beim Verdienst ist Zurückhaltung angebracht, weil er stark von Anstellungsform, Region und Auslastung abhängt. Angestellte bewegen sich häufig in einem Rahmen, der sich an pädagogischen oder sozialen Berufen orientiert. Selbstständige rechnen meist über Honorarsätze pro Therapieeinheit ab; das tatsächliche Einkommen hängt dann von der Zahl der betreuten Kinder, den laufenden Kosten und der Auslastung der Praxis ab. Pauschale Gehaltsversprechen sollte man kritisch sehen – das Feld bietet sinnstiftende Arbeit, ist aber kein Bereich überdurchschnittlich hoher Gehälter.
Wachstumspotenzial ergibt sich aus dem steigenden Bewusstsein für Lernstörungen und der anhaltenden Nachfrage in Schulen und Familien. Wer sich zusätzlich auf bestimmte Störungsbilder spezialisiert oder eine eigene Praxis aufbaut, kann die berufliche Perspektive weiter ausbauen.
Hilfreich ist es, schon während der Qualifikation Kontakte ins Berufsfeld aufzubauen – etwa durch Hospitationen in bestehenden Praxen oder Beratungsstellen. Wer den Schritt in die Selbstständigkeit plant, sollte zudem betriebswirtschaftliches Grundwissen mitbringen oder sich aneignen: Praxisräume, Abrechnung mit Kostenträgern, Akquise und Terminorganisation gehören zum Alltag dazu. Manche steigen daher zunächst in Teilzeit oder als freie Mitarbeit in eine etablierte Einrichtung ein und machen sich erst später vollständig selbstständig.
Fachspezifisch: Worauf bei der Anbieterwahl achten?
Weil der Markt unübersichtlich ist und die Berufsbezeichnung nicht geschützt, ist die Auswahl eines seriösen Angebots besonders wichtig. Ein gutes Curriculum umfasst mehrere hundert Unterrichtsstunden, klar definierte Diagnostik- und Methodenmodule sowie verpflichtende Praxis- und Supervisionsanteile. Anerkennung oder Zertifizierung durch einen etablierten Fachverband ist ein starkes Qualitätssignal, auch wenn sie rechtlich nicht vorgeschrieben ist.
Lohnenswert ist außerdem ein Blick darauf, ob der Abschluss bei potenziellen Arbeitgebern oder Kostenträgern wie dem Jugendamt anerkannt wird – denn ohne Anerkennung lassen sich Therapien über die Eingliederungshilfe schwer abrechnen. Transparente Angaben zu Inhalten, Stundenumfang, Präsenzpflichten und Gesamtkosten gehören ebenso dazu wie ein realistisches Bild vom Berufsalltag. Wer hier sorgfältig vergleicht, vermeidet teure Enttäuschungen.
Häufige Fragen zum Fernstudium Lerntherapie
Lerntherapie ist ein anspruchsvolles, sinnstiftendes Feld an der Schnittstelle von Pädagogik und Psychologie. Ein vollständiges Fernstudium mit diesem exakten Titel ist die Ausnahme – realistisch ist ein berufsbegleitendes Modell aus Fernlernen, Präsenz- oder Online-Phasen und betreuter Praxis. Wer einen passenden Grundberuf mitbringt, kann sich über eine Weiterbildung gezielt spezialisieren; wer den akademischen Weg sucht, findet ihn über benachbarte Fernstudiengänge mit lerntherapeutischem Schwerpunkt. Entscheidend ist in beiden Fällen, auf Praxisanteile, Supervision und die Anerkennung durch seriöse Fachverbände zu achten.
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