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Fernstudium Industriemeister

Der Industriemeister gehört zu den bekanntesten Aufstiegsfortbildungen in der deutschen Industrie. Wer aus einer technischen oder gewerblichen Tätigkeit heraus mehr Verantwortung übernehmen, ein Team führen oder den Schritt von der Fachkraft in die mittlere Führungsebene gehen möchte, stößt früher oder später auf diese Qualifikation. Sie ist als sogenannter Bachelor Professional auf einer hohen Ebene des Deutschen Qualifikationsrahmens eingeordnet und damit formal mit einem akademischen Bachelorabschluss vergleichbar – ein Punkt, der den Industriemeister für viele Praktiker so attraktiv macht.

Bleibt die Frage, ob und wie sich der Industriemeister im Fernstudium beziehungsweise berufsbegleitend erreichen lässt. Genau genommen ist der Industriemeister kein klassisches Hochschulstudium, sondern eine bundeseinheitlich geregelte Fortbildung mit einer Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer. Trotzdem bieten zahlreiche Bildungsträger die Vorbereitung darauf im Fernlehrgang an – mit Lernplattform, Skripten und Online-Unterricht. Reine Heimarbeit ist es allerdings selten: Bestimmte praktische und mündliche Prüfungsteile sowie die arbeitspädagogische Eignung erfordern in der Regel Präsenzphasen. Dieser Ratgeber ordnet ehrlich ein, was per Fernstudium möglich ist und wo Präsenz unverzichtbar bleibt.

Wichtige Punkte

  • Der Industriemeister ist eine IHK-geregelte Aufstiegsfortbildung, kein akademischer Studiengang – im Fernlehrgang vorbereitet, geprüft wird vor der IHK.
  • Berufsbegleitend möglich: Theorie und Lerninhalte laufen online, einzelne Prüfungs- und Präsenzteile bleiben aber verpflichtend.
  • Einordnung als Bachelor Professional auf DQR-Niveau 6 – formal vergleichbar mit einem Bachelorabschluss.
  • Voraussetzung ist meist eine abgeschlossene Ausbildung plus Berufspraxis in einem passenden Bereich.
  • Kosten liegen je nach Anbieter und Fachrichtung im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich; Förderung über Aufstiegs-BAföG ist verbreitet.

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Was ist der Industriemeister?

Der Industriemeister ist eine geregelte Fortbildung, die Fachkräfte aus der Industrie auf Führungs- und Organisationsaufgaben vorbereitet. Wer den Abschluss erwirbt, übernimmt typischerweise die Leitung von Produktions- oder Fertigungsbereichen, koordiniert Mitarbeitende, plant Abläufe, überwacht Qualität und Kosten und bildet im Betrieb aus. Die Qualifikation steht zwischen der ausführenden Fachebene und dem ingenieurmäßigen oder kaufmännischen Management – eine Schaltstelle, an der technisches Verständnis und Personalführung zusammenkommen.

Den Industriemeister gibt es in verschiedenen Fachrichtungen, etwa Metall, Elektrotechnik, Chemie, Kunststoff und Kautschuk, Mechatronik oder Logistik. Allen gemeinsam ist ein zweigeteilter Aufbau: ein fachrichtungsübergreifender Teil mit betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und führungsbezogenen Grundlagen sowie ein handlungsspezifischer Teil, der die jeweilige Technik und Organisation des Fachgebiets vertieft. Hinzu kommt die berufs- und arbeitspädagogische Eignung, die zur Ausbildung im Betrieb berechtigt.

Wichtig zu verstehen ist der Charakter der Qualifikation: Anders als ein Studiengang an einer Hochschule schließt der Industriemeister mit einer Prüfung vor der zuständigen Industrie- und Handelskammer ab. Ein Fernlehrgang bereitet auf diese Prüfung vor, vergibt selbst aber keinen Titel – den verleiht die IHK.

Studieninhalte und Schwerpunkte

Inhaltlich deckt die Vorbereitung auf den Industriemeister ein breites Spektrum ab. Der fachübergreifende Teil, oft als Basisqualifikationen bezeichnet, behandelt Themen wie Rechtsbewusstes Handeln, betriebswirtschaftliches Handeln, Anwendung von Methoden der Information, Kommunikation und Planung sowie Zusammenarbeit im Betrieb. Diese Bausteine bilden das Fundament für alle Fachrichtungen und vermitteln das Handwerkszeug für Organisation und Führung.

Der handlungsspezifische Teil ist je nach Fachrichtung unterschiedlich, folgt aber einer ähnlichen Logik. Typische Felder sind Technik, Organisation sowie Führung und Personal. Beim Industriemeister Metall geht es beispielsweise um Fertigungs- und Betriebstechnik, beim Industriemeister Elektrotechnik um elektrotechnische Systeme und Automatisierung. In allen Varianten spielen Themen wie Planung, Steuerung, Qualitätsmanagement, Kostenrechnung und der Umgang mit Mitarbeitenden eine zentrale Rolle.

Den Abschluss bildet die arbeitspädagogische Qualifikation, die der Ausbildereignung entspricht. Sie befähigt dazu, Auszubildende im Betrieb anzuleiten, und ist fester Bestandteil des Industriemeisters. In vielen Fernlehrgängen lässt sich dieser Teil separat oder integriert absolvieren.

Fernstudium oder Ausbildung?

Hier lohnt eine klare Abgrenzung, weil beide Begriffe oft durcheinandergeraten. Eine Ausbildung ist der Einstieg: Sie führt im dualen System über meist drei bis dreieinhalb Jahre zum ersten Berufsabschluss, etwa zum Industriemechaniker oder Elektroniker. Sie ist Voraussetzung, nicht Alternative. Der Industriemeister setzt eine solche abgeschlossene Ausbildung in der Regel voraus und baut darauf auf – er ist die Aufstiegsfortbildung, die nach der Ausbildung und einigen Jahren Berufspraxis folgt.

Die eigentliche Wahl besteht also nicht zwischen Ausbildung und Industriemeister, sondern zwischen verschiedenen Wegen, sich nach der Ausbildung weiterzuqualifizieren – und in welcher Lernform. Wer den Industriemeister anstrebt, kann ihn im Präsenzunterricht an einer IHK-Bildungsstätte, in Abend- oder Wochenendkursen oder eben berufsbegleitend im Fernlehrgang vorbereiten. Daneben gibt es als akademische Alternative ein klassisches Ingenieurstudium, das jedoch andere Zugangsvoraussetzungen, eine längere Dauer und einen stärker theoretischen Charakter hat.

Beim Vergleich der Wege spielen mehrere Faktoren eine Rolle. In Sachen Dauer liegt die Vorbereitung auf den Industriemeister berufsbegleitend meist bei rund zwei bis drei Jahren, ein Vollzeit-Studium dauert deutlich länger. Bei den Kosten ist der Industriemeister-Lehrgang in der Regel günstiger als ein Bachelorstudium und über das Aufstiegs-BAföG gut förderfähig. Der Abschluss unterscheidet sich grundsätzlich: Der Industriemeister ist eine berufliche Qualifikation auf DQR-Niveau 6, das Ingenieurstudium führt zum akademischen Grad. Für die Eignung gilt: Wer praxisnah führen und im vertrauten technischen Umfeld aufsteigen will, ist mit dem Industriemeister oft passend bedient; wer eine breite ingenieurwissenschaftliche Basis oder einen Wechsel in Entwicklung und Konstruktion sucht, sollte das Studium prüfen.

Die Fernlernform punktet vor allem bei der Vereinbarkeit mit dem Beruf: Lernzeiten lassen sich flexibel einteilen, ein Ortswechsel entfällt weitgehend. Im Gegenzug verlangt sie ein hohes Maß an Selbstdisziplin und den Verzicht auf den täglichen Austausch in einer festen Lerngruppe.

Voraussetzungen und Zugang

Die Zulassung zur Industriemeisterprüfung ist bundeseinheitlich geregelt und an Berufspraxis gekoppelt. Klassisch wird eine abgeschlossene, einschlägige Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf plus mehrjährige Berufspraxis verlangt. Wer keine passende Ausbildung vorweisen kann, kann unter Umständen über eine längere einschlägige Berufstätigkeit zur Prüfung zugelassen werden. Die genauen Anforderungen prüft die zuständige IHK im Einzelfall.

Für den Fernlehrgang selbst setzen die Anbieter meist keine zusätzlichen formalen Hürden über die IHK-Zulassung hinaus. Sinnvoll ist es jedoch, die eigene Zulassung vor Beginn mit der IHK zu klären, damit am Ende der Vorbereitung auch tatsächlich die Prüfung abgelegt werden kann. Praktisch wichtig sind außerdem grundlegende Selbstlernkompetenz, ein verlässlicher Internetzugang und die Bereitschaft, neben Beruf und Privatleben regelmäßig Lernzeit einzuplanen.

Hinweis zur Zulassung
Die formale Zulassung zur Prüfung erteilt immer die zuständige Industrie- und Handelskammer, nicht der Fernlehrgangsanbieter. Wer unsicher ist, ob die eigene Ausbildung und Berufspraxis ausreichen, sollte das vor der Anmeldung zum Lehrgang direkt mit der IHK abstimmen.

Dauer, Ablauf und Kosten

Berufsbegleitend dauert die Vorbereitung auf den Industriemeister im Fernlehrgang in der Regel etwa zwei bis drei Jahre, abhängig von Lerntempo, Fachrichtung und wöchentlichem Zeiteinsatz. Der Ablauf gliedert sich meist in mehrere Module, die den Prüfungsteilen folgen: zunächst die fachübergreifenden Basisqualifikationen, dann der handlungsspezifische Teil und schließlich die arbeitspädagogische Eignung. Über eine Online-Lernplattform stehen Skripte, Aufgaben und oft auch Webinare oder virtuelle Klassenräume zur Verfügung.

Wichtig ist die ehrliche Einordnung der Präsenzanteile: Auch wenn der theoretische Lernstoff weitgehend online vermittelt wird, sind bestimmte Bestandteile nicht rein digital absolvierbar. Dazu zählen je nach Anbieter Präsenzseminare zur Prüfungsvorbereitung sowie die praktischen und mündlichen Prüfungsteile, die vor der IHK abgelegt werden. Der Industriemeister ist im Fernstudium also gut vorbereitbar, aber nicht zu hundert Prozent ortsunabhängig.

Bei den Kosten lässt sich keine pauschale Zahl nennen, weil sie stark von Anbieter, Fachrichtung und Leistungsumfang abhängen. Realistisch bewegen sie sich für die Lehrgangsgebühren im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich, hinzu kommen Prüfungsgebühren der IHK sowie eventuell Kosten für Lernmaterial. Spürbar entlasten kann das Aufstiegs-BAföG, das einen Teil der Lehrgangs- und Prüfungskosten übernimmt; je nach Bundesland und Träger sind weitere Förderungen denkbar. Es lohnt sich, mehrere Angebote und Förderwege zu vergleichen, bevor man sich festlegt.

Karriere, Einsatzfelder und Gehalt

Mit dem Industriemeister eröffnen sich Aufgaben in der mittleren Führungsebene der Industrie. Typische Einsatzfelder sind die Leitung von Produktions-, Fertigungs- oder Instandhaltungsbereichen, die Schichtleitung, die Arbeitsvorbereitung, das Qualitätswesen oder die betriebliche Ausbildung. Der Industriemeister ist dabei branchenübergreifend gefragt – vom Maschinenbau über die Elektroindustrie bis zur Chemie- und Kunststoffbranche.

Beim Gehalt ist Zurückhaltung angebracht, da es stark von Branche, Region, Betriebsgröße, Tarifbindung und Berufserfahrung abhängt. Als grobe Orientierung lässt sich sagen, dass Industriemeisterinnen und Industriemeister in der Regel deutlich über dem Niveau der Facharbeiterebene liegen und sich häufig im mittleren Bereich der industriellen Gehälter bewegen. Mit zunehmender Verantwortung, etwa als Betriebsleiter, kann das Einkommen weiter steigen. Konkrete Zahlen sollten immer am eigenen Betrieb und Tarif gemessen werden.

Über die unmittelbare Karriere hinaus eröffnet der Industriemeister auch weitere Wege. Da er auf DQR-Niveau 6 eingeordnet ist, ermöglicht er unter bestimmten Voraussetzungen den Zugang zu einem Hochschulstudium – auch ohne klassisches Abitur. Wer also langfristig akademisch weitermachen möchte, hält sich mit dem Industriemeister eine Tür offen.

Auch innerhalb des Betriebs verändert sich mit dem Abschluss häufig die Rolle. Aus der reinen Fachaufgabe wird eine Position, in der Kommunikation, Konfliktlösung und das Steuern von Abläufen einen großen Teil des Arbeitsalltags ausmachen. Viele Industriemeisterinnen und Industriemeister berichten, dass gerade die Themen Personalführung und Organisation im Lehrgang den größten Mehrwert bringen, weil sie im Tagesgeschäft sofort gebraucht werden. Wer diesen Wandel der eigenen Aufgaben bewusst gestaltet, kann den Abschluss als echten Karrierehebel nutzen statt nur als Zertifikat in der Personalakte.

Für wen sich der Weg über das Fernstudium eignet

Der berufsbegleitende Fernlehrgang ist vor allem für Fachkräfte interessant, die im Beruf bleiben und parallel aufsteigen wollen, ohne den Job aufzugeben. Wer ortsgebunden ist, Schichtdienst leistet oder familiäre Verpflichtungen hat, profitiert von der zeitlichen Flexibilität. Vorausgesetzt wird dafür ein gerüttelt Maß an Eigenmotivation, denn der Lernstoff muss weitgehend selbstständig erarbeitet werden.

Weniger geeignet ist die Fernlernform für alle, die feste Strukturen, regelmäßigen Präsenzunterricht und den direkten Austausch in der Gruppe brauchen, um dranzubleiben. Hier kann ein Abend- oder Wochenendkurs an einer IHK-Bildungsstätte die bessere Wahl sein. Eine ehrliche Selbsteinschätzung des eigenen Lerntyps ist deshalb vor der Anmeldung mindestens so wichtig wie der Vergleich der Anbieter.

Hilfreich ist es, vor dem Start ein paar praktische Fragen zu klären: Wie viele Stunden pro Woche lassen sich realistisch fürs Lernen freihalten? Unterstützt der Arbeitgeber die Fortbildung, etwa durch flexible Schichten oder eine Kostenbeteiligung? Gibt es im privaten Umfeld Rückhalt für die zwei bis drei Jahre, in denen ein Teil der Freizeit ins Lernen fließt? Wer diese Punkte vorab durchdenkt, vermeidet böse Überraschungen und erhöht die Chance, den Lehrgang auch wirklich bis zur Prüfung durchzuziehen.

Sinnvoll ist außerdem, bei der Anbieterwahl nicht nur auf den Preis zu schauen, sondern auf Betreuungsqualität, Erreichbarkeit der Dozenten, die Möglichkeit kostenloser Probemonate und die Quoten bei den IHK-Prüfungen, sofern verfügbar. Ein günstiger Lehrgang, bei dem man sich allein gelassen fühlt, kann am Ende teurer werden als ein etwas hochpreisigeres Angebot mit verlässlicher Begleitung. Auch ein Blick auf die angebotenen Präsenztermine und deren Erreichbarkeit lohnt sich, damit sich die Pflichtanteile mit dem eigenen Alltag vereinbaren lassen.

Häufige Fragen zum Fernstudium Industriemeister

Ist der Industriemeister wirklich komplett im Fernstudium machbar?
Die theoretische Vorbereitung läuft weitgehend online, aber bestimmte Präsenzseminare sowie die praktischen und mündlichen Prüfungsteile vor der IHK sind nicht rein digital möglich. Ortsunabhängig ist also die Vorbereitung, nicht die gesamte Prüfung.
Brauche ich eine abgeschlossene Ausbildung?
In der Regel ja. Üblich ist eine einschlägige Berufsausbildung plus mehrjährige Berufspraxis; ersatzweise kann eine längere einschlägige Berufstätigkeit anerkannt werden. Die genaue Zulassung prüft die zuständige IHK.
Wie lange dauert der Fernlehrgang?
Berufsbegleitend liegt die Dauer meist bei etwa zwei bis drei Jahren, je nach Fachrichtung, Lerntempo und wöchentlichem Zeiteinsatz.
Was kostet der Industriemeister im Fernstudium?
Die Lehrgangsgebühren bewegen sich je nach Anbieter im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich, dazu kommen IHK-Prüfungsgebühren. Über das Aufstiegs-BAföG lässt sich ein Teil der Kosten fördern.
Ist der Industriemeister mit einem Bachelor vergleichbar?
Formal ja: Der Industriemeister ist als Bachelor Professional auf DQR-Niveau 6 eingeordnet und damit auf derselben Stufe wie ein akademischer Bachelor – inhaltlich ist er jedoch stärker praxis- und führungsorientiert.

Der Industriemeister ist ein bewährter Weg, um aus einer Fachkraftrolle in die Führung der industriellen Praxis aufzusteigen – und er lässt sich berufsbegleitend im Fernlehrgang gut vorbereiten, sofern man die verbleibenden Präsenz- und Prüfungsanteile einplant. Wer Berufserfahrung, Eigenmotivation und ein klares Ziel mitbringt, findet hier eine anerkannte Qualifikation mit handfesten Karriereperspektiven. Vor der Entscheidung lohnt es sich, Zulassung, Anbieter und Förderung in Ruhe zu vergleichen und ehrlich zu prüfen, ob die Fernlernform zum eigenen Alltag passt.


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