Fernstudium Naturheilkunde
Redaktionell geprüft von der Fernstudium – Berufsbegleitend studieren-Redaktion · Aktualisiert: · Lesezeit: ca. 9 Min
Naturheilkunde steht für ein breites Feld an Verfahren, die den Körper in seiner Selbstregulation unterstützen sollen – von Pflanzenheilkunde über Ernährungslehre bis zu manuellen und ausleitenden Methoden. Wer sich für dieses Themengebiet interessiert, kommt meist aus dem Wunsch, Menschen ganzheitlich zu begleiten und gesundheitliche Prozesse nicht nur symptomatisch, sondern im Zusammenhang zu betrachten. Das Berufsfeld reicht von der eigenen Heilpraktiker-Praxis über die Tätigkeit in Wellness- und Gesundheitseinrichtungen bis hin zu beratenden Rollen rund um Prävention und Lebensstil.
Doch lässt sich Naturheilkunde überhaupt im Fernstudium erlernen? Diese Frage ist berechtigt – und die ehrliche Antwort lautet: teilweise. Viele theoretische Grundlagen lassen sich gut im Selbststudium und per Fernlehrgang vermitteln, praktische und rechtliche Aspekte erfordern jedoch zusätzliche Wege. Dieser Ratgeber ordnet ein, was per Fernstudium realistisch möglich ist, wo die Grenzen liegen und worauf Interessierte bei der Wahl zwischen Fernstudium und klassischer Ausbildung achten sollten.
Inhaltsverzeichnis
Wichtige Punkte
- Naturheilkunde ist in Deutschland kein grundständiger akademischer Studiengang – das Fernangebot besteht überwiegend aus Fernlehrgängen und Weiterbildungen, nicht aus klassischen Bachelor-Studiengängen.
- Wer therapeutisch tätig werden will, benötigt in der Regel eine Heilpraktiker-Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz – die amtliche Überprüfung erfolgt unabhängig vom gewählten Lernweg.
- Theorie wie Anatomie, Physiologie und Heilkundekonzepte lässt sich gut per Fernstudium aneignen, praktische Inhalte brauchen Präsenzseminare oder Praktika.
- Die Kosten bewegen sich je nach Umfang im niedrigen bis mittleren vierstelligen Bereich, die Dauer liegt häufig zwischen einem und drei Jahren in Teilzeit.
- Naturheilkunde eignet sich besonders als berufsbegleitende Qualifizierung für Menschen aus Gesundheits-, Pflege- oder Beratungsberufen.
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Was ist Naturheilkunde?
Naturheilkunde bezeichnet eine Sammlung von Heil- und Behandlungsverfahren, die auf die Anregung der körpereigenen Selbstheilungskräfte abzielen. Anders als die schulmedizinisch geprägte Medizin steht weniger das einzelne Symptom im Vordergrund, sondern der Mensch als Ganzes – mit seiner Lebensweise, seiner Ernährung, seinem seelischen Zustand und seinem Umfeld. Klassische Naturheilverfahren sind unter anderem die Phytotherapie (Pflanzenheilkunde), die Hydrotherapie nach Kneipp, Ernährungstherapie, Bewegungstherapie sowie ausleitende Verfahren.
Im weiteren Sinne werden der Naturheilkunde oft auch komplementäre Methoden wie Homöopathie, Akupunktur oder manuelle Verfahren zugerechnet, auch wenn diese fachlich eigene Traditionen haben. Wichtig ist die ehrliche Einordnung: Die Wirksamkeit einzelner Verfahren ist wissenschaftlich unterschiedlich gut belegt. Eine seriöse Beschäftigung mit Naturheilkunde schließt daher ein, die Grenzen der eigenen Methoden zu kennen und schulmedizinische Behandlung nicht zu ersetzen, sondern sinnvoll zu ergänzen.
Wer in diesem Feld arbeiten möchte, bewegt sich in Deutschland in einem klar geregelten rechtlichen Rahmen. Die selbstständige Ausübung der Heilkunde ist Ärzten und Heilpraktikern vorbehalten. Das bedeutet: Ein Fernlehrgang in Naturheilkunde allein berechtigt nicht zur Behandlung von Patienten. Diese Unterscheidung zieht sich durch die gesamte Planung einer Qualifizierung und sollte von Anfang an mitgedacht werden.
Studieninhalte und Schwerpunkte
Die Inhalte eines Fernlehrgangs in Naturheilkunde gliedern sich meist in einen medizinisch-theoretischen und einen methodischen Teil. Zum theoretischen Fundament gehören Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers, Krankheitslehre (Pathologie), Mikrobiologie und Hygiene sowie Grundlagen der Diagnostik. Dieser Block ist besonders dann umfangreich, wenn der Lehrgang auf die Heilpraktiker-Überprüfung vorbereitet, da das Gesundheitsamt vor allem die Patientensicherheit und das Erkennen von Grenzen abprüft.
Der methodische Teil widmet sich den eigentlichen Naturheilverfahren. Typische Schwerpunkte sind Phytotherapie, Homöopathie, Ernährungs- und Ordnungstherapie, ausleitende Verfahren, Schüßler-Salze sowie Grundlagen der Bach-Blütentherapie. Viele Anbieter ermöglichen eine Spezialisierung, etwa auf Pflanzenheilkunde, auf ganzheitliche Ernährungsberatung oder auf bestimmte Patientengruppen.
Hinzu kommen praxisnahe und überfachliche Themen: Gesprächsführung und Anamnese, Praxisorganisation und rechtliche Grundlagen, Berufs- und Standesrecht sowie Hygienevorschriften. Gerade diese organisatorischen und rechtlichen Inhalte werden von Einsteigern oft unterschätzt, sind aber für eine spätere selbstständige Tätigkeit entscheidend.
Ein Blick in die konkreten Lerneinheiten lohnt sich vor der Anmeldung, denn die Schwerpunktsetzung unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter deutlich. Manche Lehrgänge legen den Fokus stark auf das medizinische Grundlagenwissen und die Prüfungsvorbereitung, andere räumen den eigentlichen Naturheilverfahren mehr Raum ein. Wer bereits eine bestimmte Methode im Blick hat – etwa Pflanzenheilkunde oder ganzheitliche Ernährung -, sollte prüfen, ob der gewählte Lehrgang diesen Schwerpunkt überhaupt vertieft. Eine gute Orientierung bieten ausführliche Curricula und kostenlose Probelektionen, die viele Institute zur Verfügung stellen.
Fernstudium oder Ausbildung?
Bei der Naturheilkunde verschwimmen die Begriffe leicht, deshalb lohnt eine klare Gegenüberstellung. Eine klassische Ausbildung findet in der Regel an einer Heilpraktikerschule in Präsenz statt – oft abends oder am Wochenende über ein bis drei Jahre. Der Vorteil liegt im direkten Kontakt zu Dozenten, im praktischen Üben an echten Fällen und im Austausch mit Mitlernenden. Der Nachteil sind feste Termine, gebundene Orte und meist höhere Gesamtkosten durch den Präsenzbetrieb.
Das Fernstudium beziehungsweise der Fernlehrgang setzt dagegen auf Selbststudium mit Lernheften, Online-Material und betreuten Einsendeaufgaben. Es ist zeitlich und örtlich flexibel, gut mit Beruf und Familie vereinbar und in der Summe häufig günstiger. Der Preis dafür ist mehr Eigendisziplin und der Umstand, dass praktische Fertigkeiten – Untersuchungstechniken, Palpation, das Anwenden von Verfahren am Menschen – im reinen Fernformat nicht vollständig erlernbar sind. Seriöse Anbieter ergänzen ihre Fernlehrgänge daher um optionale oder verpflichtende Präsenzseminare.
Wichtig ist: Beide Wege führen rechtlich zum selben Punkt. Weder Ausbildung noch Fernlehrgang verleihen automatisch eine Behandlungserlaubnis. Wer als Heilpraktiker arbeiten will, muss in beiden Fällen die amtliche Überprüfung beim Gesundheitsamt bestehen. Die Wahl zwischen Fernstudium und Ausbildung ist daher vor allem eine Frage des Lerntyps, der Lebenssituation und des Budgets – nicht des am Ende erreichbaren Abschlusses.
Für Berufstätige, die sich nebenbei qualifizieren wollen, ist das Fernstudium oft der realistischere Weg. Wer dagegen viel Wert auf praktisches Üben unter Anleitung legt oder Schwierigkeiten mit selbstorganisiertem Lernen hat, ist mit einer Präsenzausbildung oder einem Fernlehrgang mit hohem Präsenzanteil meist besser bedient.
Voraussetzungen und Zugang
Für einen Fernlehrgang in Naturheilkunde gibt es in der Regel keine formalen schulischen Zugangsvoraussetzungen wie ein Abitur. Anbieter empfehlen meist einen mittleren Bildungsabschluss und ein gutes Verständnis für naturwissenschaftliche Zusammenhänge, da der medizinische Theorieteil anspruchsvoll ist. Wichtiger als Zeugnisse sind Motivation, Lernbereitschaft und Durchhaltevermögen.
Anders sieht es aus, wenn am Ende die Heilpraktiker-Erlaubnis steht. Für die amtliche Überprüfung gelten gesetzliche Mindestvoraussetzungen: Ein Mindestalter (in der Regel 25 Jahre), ein Hauptschulabschluss, ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis sowie ein ärztliches Gesundheitszeugnis. Diese Anforderungen ergeben sich aus dem Heilpraktikergesetz und seiner Durchführungsverordnung und sind unabhängig vom gewählten Lernweg zu erfüllen.
Eine technische Grundausstattung für das Fernstudium ist überschaubar: ein Computer mit Internetzugang reicht meist aus, da Lernplattformen, Webinare und Einsendeaufgaben digital abgewickelt werden. Wer aus einem Gesundheits- oder Pflegeberuf kommt, bringt mit Vorkenntnissen in Anatomie und Physiologie einen spürbaren Startvorteil mit.
Neben den formalen Punkten spielt die persönliche Eignung eine große Rolle. Eine therapeutische oder beratende Tätigkeit verlangt Empathie, Geduld und ein echtes Interesse an Menschen und ihren Lebensumständen. Ebenso wichtig ist die Bereitschaft, kritisch mit den eigenen Methoden umzugehen und Patienten bei ernsthaften Beschwerden an Ärzte zu verweisen. Diese Haltung lässt sich in keinem Lehrgang erzwingen, sie entscheidet aber maßgeblich darüber, ob jemand in diesem Feld seriös und verantwortungsvoll arbeitet.
Dauer, Ablauf und Kosten
Die Dauer eines Fernlehrgangs in Naturheilkunde hängt stark vom Ziel ab. Kompakte Einführungslehrgänge in einzelne Verfahren lassen sich in wenigen Monaten absolvieren. Umfassende Lehrgänge, die auf die Heilpraktiker-Überprüfung vorbereiten, dauern meist zwischen 18 Monaten und drei Jahren in Teilzeit. Viele Anbieter kalkulieren mit einem wöchentlichen Lernaufwand von einigen Stunden, lassen aber großzügige Verlängerungsmöglichkeiten zu, da Lernende ihr Tempo selbst bestimmen.
Der Ablauf folgt einem typischen Fernstudien-Muster: Studienhefte oder digitale Module werden Schritt für Schritt durchgearbeitet, Einsendeaufgaben dokumentieren den Fortschritt und werden von Tutoren korrigiert. Ergänzend gibt es oft Webinare und – je nach Anbieter – Präsenzseminare für praktische Inhalte. Am Ende steht meist ein institutsinternes Zertifikat. Dieses ist ein Nachweis über die absolvierte Weiterbildung, aber kein staatlich anerkannter Abschluss und keine Berufszulassung.
Bei den Kosten ist Transparenz wichtig. Sie bewegen sich je nach Umfang und Anbieter im niedrigen bis mittleren vierstelligen Bereich, meist als monatliche Raten über die Laufzeit. Hinzu kommen mögliche Kosten für Präsenzseminare, Lehrmaterial und Prüfungsgebühren. Wer auf die Heilpraktiker-Erlaubnis hinarbeitet, sollte die separate Gebühr für die amtliche Überprüfung beim Gesundheitsamt einplanen. Ein Preisvergleich mehrerer Anbieter und der Blick auf die ZFU-Zulassung des Fernlehrgangs lohnen sich in jedem Fall.
Karriere, Einsatzfelder und Gehalt
Die Einsatzfelder nach einer Qualifizierung in Naturheilkunde sind vielfältig, hängen aber stark vom rechtlichen Status ab. Wer die Heilpraktiker-Erlaubnis erworben hat, kann eine eigene Praxis eröffnen und naturheilkundlich behandeln. Andere arbeiten in Gesundheitszentren, Kureinrichtungen, Reha-Kliniken oder im Wellness- und Präventionsbereich. Für Menschen aus Pflege-, Therapie- oder Beratungsberufen kann die Weiterbildung das eigene Angebot sinnvoll erweitern, etwa in Richtung ganzheitlicher Beratung.
Ohne Heilpraktiker-Erlaubnis bleibt die therapeutische Behandlung verschlossen, jedoch sind beratende und präventive Tätigkeiten möglich – etwa rund um Ernährung, Lebensstil oder als Ergänzung in Gesundheitsberufen. Hier ist die saubere Abgrenzung zwischen erlaubter Beratung und unerlaubter Heilkunde rechtlich besonders relevant.
Beim Gehalt ist Zurückhaltung angebracht, denn ein großer Teil der Tätigen ist selbstständig, und die Einkünfte schwanken erheblich. Sie hängen vom Standort, der Patientenzahl, dem Stundensatz und der Spezialisierung ab. Realistisch ist, dass der Aufbau einer tragfähigen Praxis Zeit braucht und die Einkommen in der Anfangsphase oft niedrig ausfallen. In Anstellungsverhältnissen orientiert sich die Vergütung meist an der jeweiligen Branche. Wer die Naturheilkunde als alleinige Einkommensquelle plant, sollte daher konservativ kalkulieren und einen finanziellen Puffer für die Aufbauphase einplanen.
Erfolgsentscheidend sind im selbstständigen Bereich oft Faktoren, die mit der eigentlichen Heilkunde wenig zu tun haben: ein durchdachtes Praxiskonzept, eine klare Spezialisierung, regionale Bekanntheit und der Aufbau von Vertrauen über Empfehlungen. Viele Naturheilkundige beginnen daher zunächst nebenberuflich, um die Praxis ohne finanziellen Druck aufzubauen, und reduzieren ihre Haupttätigkeit erst, wenn die Patientenzahl tragfähig ist. Gerade dafür ist ein berufsbegleitendes Fernstudium ein passender Einstieg, weil es den schrittweisen Übergang erleichtert, ohne dass die bisherige Einkommensquelle sofort aufgegeben werden muss.
Für wen sich das Fernstudium besonders eignet
Ein Fernstudium in Naturheilkunde passt besonders gut zu Menschen, die bereits beruflich eingebunden sind und sich berufsbegleitend weiterentwickeln wollen. Pflegekräfte, medizinische Fachangestellte, Physiotherapeuten oder Ernährungsberater bringen oft fachliches Vorwissen mit und können die Inhalte direkt in ihren Arbeitsalltag einordnen. Auch Quereinsteiger mit ausgeprägtem Interesse an Gesundheitsthemen finden hier einen flexiblen Einstieg.
Entscheidend für den Erfolg ist die Fähigkeit, eigenständig und kontinuierlich zu lernen. Wer feste Strukturen und Anleitung braucht, sollte bewusst auf Lehrgänge mit Präsenzanteilen und Tutorenbetreuung setzen. Ehrlich gesagt scheitern Fernlehrgänge selten am Inhalt, sondern häufiger an fehlender Selbstorganisation – das gilt auch für dieses Fach.
Häufige Fragen zum Fernstudium Naturheilkunde
Naturheilkunde lässt sich im Fernstudium gut beginnen, wenn man die Grenzen des Formats kennt: Theorie und Methodenwissen sind flexibel erlernbar, praktische Fertigkeiten und die rechtliche Behandlungserlaubnis brauchen zusätzliche Schritte. Wer früh klärt, ob beratende oder therapeutische Tätigkeit das Ziel ist, einen ZFU-zugelassenen Anbieter wählt und realistisch plant, findet im Fernlehrgang einen flexiblen und seriösen Weg in ein vielseitiges Gesundheitsfeld.
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